Rohrbearbeitung

Die Kunst der Edelstahl-Rohrbearbeitung

11.03.2008 | Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Dietmar Kuhn

Edelstahlrohre in Sonderformen mit möglichst hoher Genauigkeit und Oberflächengüte sind die Spezialität von Eroform.
Edelstahlrohre in Sonderformen mit möglichst hoher Genauigkeit und Oberflächengüte sind die Spezialität von Eroform.

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Der Umgang mit und die Bearbeitung von Edelstahl-Rohren scheint eine Kunst zu sein., wenn man Manfred Hartmann eine Weile zuhört. In seinem Unternehmen Eroform in Wilnsdorf hütet er eine Menge Wissen und Können um die Edelstahl-Rohr-Herstellung und -Bearbeitung. Für die Realisierung der Kundenwünsche hält er einen riesigen Maschinenpark vor, wobei die RSA-Säge- und Reinigungsanlagen dominieren.

Bescheidenheit ist eine Zier – besagt ein Sprichwort. Dieses passt auch gut zum Edelstahl-Rohr-Hersteller Eroform in Wilnsdorf, wenn der dynamische Unternehmensleiter Manfred Hartmann in aller Bescheidenheit konstatiert: „Wir sind sicherlich einer der kleinsten Edelstahl-Rohr-Hersteller in Deutschland und erst seit 1989 auf dem Markt.“

Dennoch kann der rund 28 Mitarbeiter zählende Mittelständler auf eine breite Palette von Edelstahlrohren und -profilen verweisen, die er seitdem für einen üppigen Kundenkreis aller nur denkbaren Branchen entwickelt und gefertigt hat. „Unsere Spezialitäten liegen vor allem bei Profilen und Rohren im Durchmesserbereich von 8 bis 80 mm und Wanddicken von 0,5 bis 3,2 mm. Wer von uns Massenware haben möchte, ist bei uns nicht ganz richtig“, betont er. Demnach liebt seine Eroform Edelstahl GmbH vor allem die Sonderformen und diese mit möglichst hohen Ansprüchen an Genauigkeit und Oberfläche.

Solche Produkte liefert er hauptsächlich für Hightech-Anwendungen, wie beispielsweise für die Medizintechnik, für Großküchen oder andere Branchen, wo edle Rohrprodukte für den dekorativen Bereich gewünscht werden.

Dazu erläutert Hartmann gerne das Beispiel eines 16 m langen Teleskopes, das aus sieben im Rundheitstoleranzbereich von 0,1 mm aufeinander abgestimmten Einzelrohren besteht. Aufgrund seiner Fähigkeiten ist Eroform vor einigen Jahren Alleinlieferant eines bedeutenden Studioausrüsters in München geworden.

Edelstahl-Rohre müssen äußerst schonend behandelt werden

„Bei derartigen Rohren kommt es auch immer auf eine äußerst schonende Behandlung an“, meint Hartmann, „deswegen müssen wir uns immer auf die Oberfläche konzentrieren.“ Für Hartmann bedeutet das, dass seine Mitarbeiter mit dem Material während des gesamten Fertigungsprozesses vorsichtig umgehen müssen. Passiert irgendwo zwischen Platine oder Band und dem Finishing ein Fehler, so ist der in der letzten Stufe nicht wieder gutzumachen.

Gefertigt wird bei Eroform alles, was nach einem Rohr aussieht. „In der normalen Denkweise ist ein Rohr immer rund oder auch mal quadratisch oder rechteckig“, sagt Hartmann, „aber danach fängt es bei uns erst richtig an.“

Das ist dann der Fall, wenn es um fast exotische Querschnitte geht, wie beispielsweise bei Ovalrohren. Ellipsenrohren, Sechskant- oder Fünfkant-rohren. Dabei spielt es laut Hartmann keine Rolle, was der Kunde wünscht – er bekommt sein individuelles Rohr.

Rohre in jeder gewünschten Form lieferbar

Möglich ist dies, weil Eroform alle Rohre in so genannten Rollformanlagen selbst herstellt und mit Hilfe der Data-M-Software Copra jede gewünschte Blume – das sind die Biegefolgen beziehungsweise Biegestadien eines Rohres bis zum fertigen Querschnitt – erzeugen kann. Doch bei allem was Eroform an Langprodukten herstellt, spielt das Ablängen eine gewichtige Rolle. „Was die Längen angeht“, so Hartmann, „sind wir schon ab 20 mm dabei und nach oben gibt es mit 15, 16 oder 17 m fast keine Grenzen.“

Dafür hat Hartmann bereits vor etwa acht Jahren kräftig in ein modulares Sägezentrum der Marke RSA aus Lüdenscheid investiert. Ausschlaggebend war für ihn in erster Linie die Flexibilität dieser Anlage, mit der er schnell auf unterschiedliche Geometrien und ohne Zeitverlust umrüsten kann.

RSA-Sägezentrum unterstützt schonende Behandlung der Rohre

Zudem unterstützt die RSA Rasacut SC auch eine schonende Rohrbehandlung, auf die Eroform und seine Kunden besonderen Wert legen. Gegeben ist diese Schonbehandlung vor allem durch die kratzersichere Spannbackentechnik, die so feinfühlig gesteuert werde kann, dass das Rohr keinerlei Deformierung erfährt. „Das ist für uns elementar, da wir oft im Dünnwandbereich von 0,5 bis 0,7 mm fahren und es dort mit Toleranzen für die Rundheit von ± 0,1 mm zu tun haben“, verrät Hartmann.

Überhaupt scheint bei Eroform alles ein bisschen anders zu laufen als üblich. Denn vor etwa zwei Jahren haben Hartmann und seine Rohr-Experten eine völlig neue Denkweise entwickelt, was das Rohrspannen, den Vorschub, die Schnittgeschwindigkeiten und die Säge-Werkzeugtechnik, sprich das Sägeblatt, angeht.

Spezielle Steuerung des Sägezentrums für den exakten und präzisen Rohrschnitt

Aus dem Nähkästchen plaudernd erfährt man, dass die damalige standardmäßige Steuerung an der Rasacut SC seinen Ansprüchen nicht genügte. „Zwar passte die standardmäßige Steuerungslösung mit zwei verschiedenen Geschwindigkeiten und Vorschüben prinzipiell, aber in meinen Vorstellungen musste da noch mehr möglich sein“, macht Hartmann deutlich.

Aufgrund der recht zahlreichen Rohrgeometrien mit unterschiedlichen Durchmessern und Wanddicken entwickelte er zusammen mit den RSA-Experten eine Modifikation der Steuerung, die genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Damit hat er weder mit den dünnen Wandstärken bei großen Durchmessern noch mit der Rückfederung ein Problem. Die Eliminierung dieser Probleme macht sich folglich wieder bei der Qualität des gesägten Rohres bemerkbar und spart durch die wegfallende Nacharbeit eine Menge Zeit und Kosten.

Drei bis vier Monate dauerte damals die Umsetzung der Hartmann-Vorstellungen. „Der Produktivitätsgewinn durch Schnittqualität und Rundheit war deutlich zu spüren“, verrät der Rohr-Experte.

Außer der ersten Rasacut SC Sägeanlage mit einer Schnittlänge bis 2100 mm wurde bei Eroform mittlerweile - etwa 2005 - auch eine zweite Anlage mit einer Schnittlänge bis 3100 mm in Betrieb genommen. Hartmann hat sich wiederum für RSA entschieden, weil er dort vor allem die Kontinuität in den Anlagen vorfindet. „Wir haben für die Rohrkonfektion praktisch das gesamte RSA-Spektrum in der Anwendung“, meint er. Die neue Anlage wurde dann auch gleich mit der erweiterten Technik der ersten Anlage bestellt und geliefert.

Anwender wählt individuelle Sägelinie und passende Peripherie

Die Rasacut SC besticht vor allem durch eine schnelle und schonende Rohrzuführung mit einem Vereinzelungs-System. Den Sägeschnitt setzt die Anlage nicht einfach irgendwo an. Vielmehr läuft er auf einer bogenförmig diagonalen Bahn ab, womit eine höhere Schnittqualität erzielt wird. Wie bereits erwähnt, kommt der Spanntechnik eine besondere Bedeutung zu, die dahingehend erfüllt wird, weil sich Kraft und Weg über die Steuerung exakt anpassen lassen.

Wie vom Hersteller RSA angeboten, kann sich der Anwender die Sägelinien ganz nach seinen Anforderungen modular zusammenstellen. Diese Möglichkeit wurde auch bei Eroform in Anspruch genommen und zeigt sich in der Kombination Zuführung und Sägen mit anschließendem Entgraten, Reinigen, Trocknen und Stapeln. Diese Modularität macht den Anwender frei von räumlichen Zwängen, aber auch von dem zu längenden Material und einer entsprechenden Anarbeitung.

Automatisches System zur Entgratung

Für die Entgratung steht Eroform mit Rasaplan ein automatisches System zur Verfügung, das vor allem durch seine einfache Bauweise, die trotzdem hohe Ausbringungsleistung und niedrigen Umrüstzeiten besticht. Entscheidend ist dabei auch die hohe Wiederholgenauigkeit, auf die bei Eroform durch die vielen wechselnden Rohrtypen besonderer Wert gelegt wird.

Automatisch bedeutet in diesem Falle, dass die abgelängten Rohre über einen Kettentransport geführt und während dieses Transports einmal um die eigene Achse – also 360° –gedreht werden, um so durch die rotierenden Bürstenwalzen von jeglichem Grat an den Kanten befreit zu werden. Aber auch dafür werden von RSA zahlreiche Varianten und Spielmöglichkeiten angeboten.

Sägezentrum hat sich schnell amortisiert

Was aber für einen mittelständischen Unternehmer lebenswichtig ist, ist der Vergleich Investitionen/Amortisation. Dazu meint Hartmann: „Letztendlich amortisiert sich so eine Anlage recht schnell. Im Normalfall rechnen wir mit vier bis fünf Jahren. Doch in diesem Falle, was natürlich auch mit unserem Geschäft und mit den Leistungen zusammenhängt, haben wir die Amortisation in zwei, drei Jahren hinbekommen.“

Diesbezüglich zeigt sich die RSA-Anlage auch sehr dankbar. „Auch nach vielen Millionen Schnitten hatten wir noch kein ernsthaftes Problem damit – wenn, dann waren es vielleicht ein paar Verschleißteile und, so weit ich weiß, mal ein Motor“, untermauert Hartmann die Wirtschaftlichkeit der RSA-Anlagen.

Guter Rohrschnitt vor allem vom Sägewerkzeug abhängig

Doch die Anlagentechnik scheint in Hartmanns Gedanken nur ein Baustein im Erfolgsrezept der Rohrbearbeitung zu sein. Ein anderer Aspekt, und der scheint ihm im Vergleich zur Anlage gleichbedeutend, sind die Werkzeuge beziehungsweise die Sägeblätter. „Die kaufen wir übrigens ausschließlich auch bei RSA, weil wir damit die besten Erfahrungen gemacht haben“, erklärt Hartmann und meint weiter: „Wir können uns einfach nicht leisten, dass wir in den Sägeblattqualitäten und vor allem in der von uns entwickelten, besonderen Schnittgeometrie Schwankungen von 20 bis 30% haben.“

Es lohnt sich also nicht, auf Billig-Sägewerkzeuge zuzugreifen. Über die besonderen Schnittqualitäten, die nur er und sein Sägeexperte Hans-Dieter Steuber, der auch die RSA-Maschinen bedient, kennen, will Hartmann nicht so gerne reden. „Das sind Erfahrungswerte, die wir über Jahre hinweg gewonnen haben und die uns gemeinsam mit dem Wissen um die Anlagen letztendlich den Wettbewerbsvorsprung am Markt sichern.“

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