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KVT-Fastening auf der Euroblech 2018

Digitalisierung der Blechlogistik

| Autor/ Redakteur: Sabine Welp / Frauke Finus

Blech verarbeitende Unternehmen stehen Wettbewerbsdruck und einer zunehmend kundenindividuellen Massenproduktion gegenüber. Industrie 4.0 bietet sich für die Prozessoptimierung an, ist aber kein Allheilmittel. Mittelständische Betriebe sollten sich diesem Thema schrittweise nähern. Schnelle und nachweisbare Erfolge lassen sich etwa bei der Digitalisierung der B- und C-Teilelogistik erzielen.

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Mit ARIMS Mobile erfassen Anwender in der Produktion und Montage sowie dem Einkauf und der Verwaltung sämtliche Artikel und Lieferungen ihres Bossard Logistiksystems auf einen Blick.
Mit ARIMS Mobile erfassen Anwender in der Produktion und Montage sowie dem Einkauf und der Verwaltung sämtliche Artikel und Lieferungen ihres Bossard Logistiksystems auf einen Blick.
( Bild: Bossard )

Viele Unternehmen kennen zwar den Einkaufspreis, aber nicht die Gesamtbetriebskosten ihrer Verbindungselemente. Dabei bestehen rund die Hälfte der Einzelteile eines Produkts aus diesen B- und C-Teilen. Nach Erhebungen der Bossard-Gruppe liegt der Preis dieser Massenartikel innerhalb der Verbindungskosten nur bei etwa 15 %. Die restlichen 85 % werden für Entwicklung, Beschaffung, Prüfung, Inventur, Fertigung und Logistik aufgewendet. Lässt sich in der Produktion jedoch eine Komponente nicht verbauen, weil sie fehlt, qualitativ minderwertig oder defekt ist, drohen Verzögerungen oder gar ein Fertigungsstopp. Ein Artikel mit einem Wert von nur wenigen Cent sorgt dann schnell für eine exponentielle Vervielfachung der Kosten. Obendrein winkt als negativer Extrabonus eine Rufschädigung aufgrund nicht eingehaltener Termine.

Es ist eine Binsenweisheit: Erfolgreich ist und bleibt nur derjenige, der die Erwartungen seiner Kunden und des Markts erfüllen kann sowie die beste Qualität bei den geringsten Kosten und der kürzesten Lieferzeit bietet. Diese Anforderungen mit einer hocheffizienten Fertigung und Produktion in Einklang zu bringen, gleicht jedoch der Quadratur des Kreises. Der erste Schritt in Richtung Industrie 4.0 kann daher mit einer Detailanalyse der Kleinteileversorgung beginnen, angefangen bei der Beschaffung über die Lagerorte bis zur Fertigung und deren Belieferung in der direkten Produktionsumgebung.

C-Teile – je mehr auf Lager, umso besser?

Eine Bevorratung mit C-Teilen nur unter dem Aspekt des jeweils günstigsten Einkaufspreises ohne Berücksichtigung des aktuellen und kommenden Bedarfs? Das ist in der heutigen, schnelllebigen Zeit nicht mehr zielführend. Denn sobald sich die Auftragslage ändert, liegt nicht nur das investierte Kapital brach, es werden auch unter Umständen dringend benötigte Ressourcen im Lager gebunden. Eine neue Art von Fabriken, sogenannte Smart Factories, zeichnet sich hingegen durch durchgängig optimierte Produktionsumgebungen aus. In diesen flexiblen Fertigungsstraßen lassen sich selbst komplexeste Einzelprodukte kundenindividuell sowie wirtschaftlich massenfertigen.

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Verantwortlich dafür zeichnet eine intelligente und von IT-Systemen unterstützte Logistik. Sie sichert die Agilität in der Produktion in jeder Phase und zu einem Bruchteil des bislang dafür benötigten Aufwands. Denn viele produzierende Unternehmen verlieren nach wie vor zu viel Zeit damit, ihre B- und C-Teile in Eigenregie zu bestellen, das Lager aufzufüllen und die Beschaffungsprozesse der unterschiedlichen Lieferanten zu organisieren. Eine Reduzierung der Gesamtkosten und Steigerung der Produktivität ist in diesen Bereichen dringend nötig – aber nur dann zu erzielen, wenn der Produktionsbetrieb schlank und vor allem „smart“ aufgestellt ist.

Hin zum gesamtheitlichen Logistikmanagement

Der „Smart-Factory“-Ansatz von Bossard und KVT-Fastening beinhaltet zunächst eine umfassende Überprüfung des gesamten Logistikmanagements – angefangen von der Lieferung über die Konsolidierung von Lieferanten bis hin zum Betrieb und Unterhalt der Systeme. Personalintensive Arbeitsschritte werden weitgehend automatisiert. Verfügt ein Produkt über Fertigungsinformationen in maschinell lesbarer Form, lassen sich diese integrieren und der Weg durch die Fertigungsanlage optimieren sowie besser steuern. Im Lager und direkt an der Produktionsstraße sorgen intelligente C-Teilebehälter für mehr Transparenz und Versorgungssicherheit.

Den von Bossard bereits in den 90er-Jahren entwickelten „Smart Bins“ liegt die Idee zugrunde, dass jedes Verbindungselement über ein messbares Gewicht verfügt. Eingebaute Gewichtssensoren erfassen und übermitteln darüber permanent den Bestand der eingelagerten Kleinteile. Jede Entnahme wird erkannt, an die Bossard Analyse-Software „ARIMS“ übermittelt und ausgewertet. Bei Unterschreiten eines vorher festgelegten Mindestbestands erfolgt eine automatische Nachlieferung. Die Behälter können zudem mit dem elektronischen Etikett „Smart Label“ versehen werden, welches Informationen über Nachbestellmenge, Lieferstatus und -datum enthält. Selbst bei einem niedrigen Lagerbestand erübrigen sich dadurch die ansonsten üblichen Nachfragen beim Einkauf. ARIMS berücksichtigt sowohl aktuelle wie auch künftige Fertigungsaufträge.

Digitalisierung bis zum Montagearbeitsplatz: Milkrunner 4.0

Je nach gewünschter Digitalisierungstiefe kann selbst die Kommissionierung der Routenzüge für die Kleinteileversorgung von den zentralen Lagerorten bis zur Fertigung optimiert und in einer App durchgängig digital abgebildet werden. Eingebettet in das Smart-Factory-Logistics-Konzept werden mit „Last Mile Management“ alle Verbräuche bedarfssynchron verwaltet und Versorgungsaufträge über mobile Endgeräte distribuiert. Optimierte Tourenpläne vermeiden unnötige Wege und sorgen für mehr Effizienz, während Echtzeit-Verbrauchsdaten die Transparenz erhöhen. Kürzere Bestell- sowie Lieferzeiten bieten dem Unternehmen mehr Flexibilität in der Planung. In der Praxis wird der für die B- und C-Teile am Arbeitsplatz verantwortliche interne Logistiker, oftmals auch „Milkrunner“ genannt, für seinen Routenzug auf papierlosem Weg mit aktuellen Rüst- und Befüllanweisungen sowie einer wegeoptimierten Tourenliste ausgerüstet.

Ein Anwendungsbeispiel:

Die Blasi GmbH aus Mahlberg in Baden-Württemberg ist Teil der globalen Record-Gruppe, einem weltweit führenden Hersteller von automatischen Türsystemen und -Lösungen. Fast jede Tür ist ein Unikat, was zu einer hochkomplexen Planung und Produktion führt. Damit bei der Kleinteileversorgung trotzdem keine Engpässe auftreten und das Unternehmen jederzeit unterbrechungsfrei arbeiten kann, vertraut Blasi auf stationäre und mobile Smart-Bin-Lösungen von Bossard.

Von Unterflurtürantrieben bis hin zu komplexen Karussell- und runden Schiebetüren – mit diesem Grundstock an Zutrittsmöglichkeiten für Gebäude deckt Blasi seit über 40 Jahren die unterschiedlichsten gestalterischen und technologischen Anforderungen von Architekten, Metallbaufirmen und Bauherren weltweit ab. Die Projektplanung stellt das Unternehmen dabei ein ums andere Mal vor Herausforderungen. Marco Bank, Leiter Einkauf und Materialwirtschaft, dazu: „Der Korpus einer Karusselltüre besteht aus Standardkomponenten, weitere – und vor allem sichtbare – Elemente individualisieren wir nach Vorgaben des Kunden. Dabei sind wir auf zuverlässige Lieferanten angewiesen, um auch kurzfristige Projekte annehmen und die manchmal knappen Zeitvorgaben einhalten zu können.“ Die – meist unsichtbaren – Verbindungselemente haben einen maßgeblichen Anteil daran, dass alle Türen im avisierten Zeitplan von sieben bis zwölf Wochen fertig werden und danach oft jahrzehntelang ihren Dienst verrichten. Sie genießen bei Blasi einen entsprechend hohen Stellenwert, wie Managing Director Dr. Frank Völker bekräftigt: „Befestigungsmaterial darf bei uns nie ausgehen oder fehlen – gerade weil es sich in der Regel um Cent-Artikel handelt. Eine Produktionsunterbrechung nur deswegen wäre extrem ärgerlich, von den hohen Kosten für eine schnelle Beschaffung ganz zu schweigen. Entsprechend detailliert sind unsere Stücklisten formuliert.“

Automatisiertes C-Teilemanagement im stationären und mobilen Einsatz

Blasi setzt zur Absicherung einer kontinuierlichen Kleinteileversorgung auf aktuell 509 intelligente Smart-Bin-Behälter mit insgesamt 490 Artikeln. Einige Produkte werden doppelt an bis zu acht unterschiedlichen Produktionsstellen sowie mit eigenen Mindestbeständen geführt, da der Materialverbrauch je nach Stückliste für das jeweilige Projekt variiert. Bei der Fertigung der Karussell-/Drehkreuztüren kommen zudem bewegliche Lagereinheiten zum Einsatz. Dr. Frank Völker erläutert den Hintergrund: „Unsere Drehtüren bestehen aus einer geschweißten Metallkonstruktion mit einem Durchmesser von bis zu acht Metern. An dieser wird die komplette weitere Peripherie – wie Motoren, Sensoren, Lampen oder Drehflügel – befestigt. Um die Monteure vor langen Laufwegen und ineffizienten Arbeitsabläufen zu bewahren, setzen wir hier das System „Smart Bin mobile“ ein. Dieses bietet uns über die höhere Mobilität hinaus den Vorteil, dass wir die beweglichen Lagereinheiten im Vorfeld jeweils mit den für das aktuelle Projekt benötigten Verbindungselementen bestücken können.“ Auch in diesem Fall ist die Erfassung jeder Entnahme sichergestellt. Dazu sind die „Smart Bin mobile“ mit einer Batterieeinheit und einem integrierten Modem ausgerüstet. Der Bestandsabgleich erfolgt periodisch über eine spezielle Funkfrequenz.

Ergänzendes zum Thema
Automatische Nachlieferung von Verbindungselementen

Den von Bossard bereits in den 90er-Jahren entwickelten „Smart Bins“ liegt die Idee zugrunde, dass jedes Verbindungselement über ein messbares Gewicht verfügt. Eingebaute Gewichtssensoren erfassen und übermitteln darüber permanent den Bestand der eingelagerten Kleinteile. Jede Entnahme wird erkannt, an die Bossard Analyse-Software „ARIMS“ übermittelt und ausgewertet. Bei Unterschreiten eines vorher festgelegten Mindestbestands erfolgt eine automatische Nachlieferung.

Reibungslose Versorgung einfach sicherstellen

Wie hoch der Stellenwert der automatisierten Kleinteileversorgung bei Blasi ist, zeigt Marco Bank auf: „Jedes Jahr erfolgen aus dem System heraus rund 270 Bestellungen. Geplante Projekte fließen nach Erstellung der Stücklisten für den Auftrag in diese Kalkulation mit ein und werden automatisch berücksichtigt, damit die zusätzlich benötigten Produkte rechtzeitig zum Produktionsstart auf Lager sind.“ In 99 % aller Fälle ist ansonsten kein manueller Eingriff seitens Blasi notwendig, von seltenen Neustarts aufgrund notwendiger Updates abgesehen. Sobald eine vom System ausgelöste Nachlieferung eingetroffen und eingefüllt ist, erfolgt die Erkennung des neuen Bestands automatisch. Das System wird von einem Mitarbeiter im Lager betreut, weitere Geschäftsbereiche können sich über angeschlossene Laptops jederzeit über die aktuellen Bestände und offenen Bestellungen informieren. Alles in allem ist Blasi mit der Smart-Bin-Technik sehr zufrieden und sieht sich für die Zukunft bestens gerüstet.

KVT-Fastening auf der Euroblech 2018: Halle 13, Stand G199

Weitere Meldungen zur Euroblech finden Sie in unserem Special.

* Sabine Welp ist Product Marketing Coordinator bei der KVT-Fastening GmbH in 89186 Illerrieden, Tel. (0 73 06) 7 82-338, s.welp@kvt-fastening.com

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