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Mit der Servo-Direkt-Technologie (SDT) und der Weiterentwicklung Twin-Servo-Technologie (TST) hat Schuler ja in den letzten Jahren viel Aufsehen erregt, vor allem bei den Automobilherstellern. Wie haben sich diese Technologien am Markt entwickelt und durchgesetzt?
Beyer: Die Servo-Direkt-Technologie hat sich seit 2007 eindeutig zum Industriestandard entwickelt. Kaum noch eine mechanische Anlage verlässt heute unser Werk, die nicht damit ausgerüstet ist. Schließlich bietet die Technologie nicht nur eine viel höhere Produktivität und Flexibilität, sondern auch eine höhere Energieeffizienz. Wir werden die Servo-Direkt-Technologie deshalb nach und nach in unserem gesamten Produktsortiment einführen. Einen weiteren Schritt haben wir mit der Twin-Servo-Technologie gemacht, mit der wir die Pressenwelt wortwörtlich auf den Kopf gestellt haben. Pressen dieser Bauart sind mit zwei dezentralen Antrieben im Pressentisch ausgestattet. Die Anlagen sind dadurch deutlich kompakter und verfügen über eine höhere Steifigkeit. Damit sind sie eine interessante Alternative im Bereich der Transfer- und Folgeverbundpressen.
Wenn Sie dem Schuler-Slogan „Forming the Future“ folgen – mit welchen technologischen Bonbons werden sie in naher Zukunft die Umformbranche überraschen?
Beyer: Wir melden ja jedes Jahr mehrere Entwicklungen als Patente an und stecken einen zweistelligen Millionenbetrag in Forschung und Entwicklung. Wir setzen in allen Bereichen auf Innovation, die Sicherung unseres Technologievorsprungs ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das nachhaltige Wachstum von Schuler. Deshalb hat Schuler dem Thema Technologie auch ein eigenes Vorstandsressort gewidmet. Der Aufgabenbereich dieser zentralen Forschungs- und Entwicklungseinheit umfasst die Definition der Technologieplattformen, die Strategieentwicklung für Produkte in den einzelnen Technologiefeldern, das Innovationsmanagement, die Produktentwicklung sowie die Standardisierung. Wie Sie verstehen werden, will ich hier aus Wettbewerbsgründen bewusst keine Details nennen.
Wie interpretieren Sie eigentlich „Forming the Future“?
Beyer: Wir müssen die Entwicklungen in unseren Märkten schon weit im Voraus erkennen und die passenden Lösungen dafür anbieten. Denn auf unseren Anlagen entstehen Produkte, die erst morgen auf den Markt kommen werden – wie zum Beispiel Autoteile aus kohlenfaserverstärkten Kunststoffen, für die wir schon 1998 Pressen entwickelten. Heute setzt BMW zehn davon zur Produktion des i3 ein. In diesem Sinn formen unsere Pressen tatsächlich die Zukunft. Für Schuler war es enorm wichtig, die Bedeutung dieses neuen Werkstoffs rechtzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können, auch wenn Stahl und Aluminium auf absehbare Zeit schon allein aus Kostengründen weiter eine wichtige Rolle spielen werden. Die Servo-Direkt-Technologie war ebenfalls eine Innovation, die genau zur richtigen Zeit kam: Sie ist die perfekte Antwort auf den zunehmenden Druck für unsere Kunden, immer flexibler in immer kleineren Losgrößen produzieren zu müssen, weil etwa die Autohersteller in viel kürzeren Zyklen als früher neue Modelle auf den Markt bringen.
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