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Safan-Darley / Voss Ergonomie beim Abkanten

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde / M.A. Frauke Finus

Ein Blechbearbeiter aus dem Hochsauerland investiert in eine 400-t-Abkantpresse, an die eine Biegehilfe mit Vakuumsaugern angeschlossen ist. Damit will das Unternehmen nicht nur effiziente Prozesse realisieren und Energie einsparen sondern vor allem eine ergonomische Verbesserung für die Mitarbeiter erreichen.

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Die H-Brake 400-t-Abkantpresse von Safan-Darley ist mit einer Biegehilfe verbunden und bietet die Möglichkeit, komplexe Produkte bis zu 500 kg zu verarbeiten.
Die H-Brake 400-t-Abkantpresse von Safan-Darley ist mit einer Biegehilfe verbunden und bietet die Möglichkeit, komplexe Produkte bis zu 500 kg zu verarbeiten.
(Bild: Sabrinity.com)

Der Start der Firma Voss - Die Blechprofis GmbH am 28. Dezember 1967 erfolgte durch einen ersten größeren Auftrag: Die Idee eines Kunden war es, gemeinsam Verdecke für Traktoren zu bauen. Das Know-how in diesem Fertigungssegment entwickelte Firmengründer Heinz Voss also innerhalb kurzer Zeit. Auf einer Ausstellung in Süddeutschland kam dann der Kontakt zu John Deere zustande, ebenfalls wieder mit dem Auftragsfokus auf Verdecke und Fahrerkabinen für Schlepper. Daraus entwickelte Voss ein eigenes Produktionsprogramm für verschiedene Hersteller in diesem Bereich: geschlossene Fahrerkabinen mit Heizung für Klein- und Kommunalschlepper.

Gestartet ist Heinz Voss allein in einem größeren ländlichen Objekt in Brilon im Hochsauerlandkreis. Sukzessive wurden Mitarbeiter eingestellt. Im Portfolio waren nun auch Spezialkabinen für Stapler, Radlader und Sonderfahrzeuge. Zu den bekannten Kleinschlepperherstellern, für die das Unternehmen nun arbeitete, kamen Kunden aus anderen Branchen dazu und die Blechfertigung startete. Mit zunehmender Auftragslage wurde jedoch eine Erweiterung der Fertigung notwendig. Und so erfolgte 1977 der Umzug innerhalb des Ortsteils Madfeld in neue Fertigungs- und Betriebsräume, welche angemietet werden konnten.

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Moderner Maschinenpark wird aufgebaut

Anlagentechnik von Safan-Darley war bei dem Blechbearbeiter aus Brilon-Madfeld schon frühzeitig im Einsatz. Bereits Ende der 1970-er Jahre kaufte Heinz Voss die erste Darley-Abkantpresse mit einer Presskraft von 80 t sowie kurz danach eine Tafelschere und später eine weitere Abkantpresse. Von der Leistungsfähigkeit der niederländischen Maschinen waren die Sauerländer von Beginn an überzeugt.

Im Jahr 1985 beginnt bei der Firma Voss dann eine neue Ära: Die erste CNC-gesteuerte Stanz-Nibbel-Maschine wird angeschafft. Um die Anlagentechnik auszulasten, agierte das Unternehmen nun zusätzlich auch als Lohnfertiger. „Das hat sich sehr schnell in der Region herrumgesprochen. Viele neue Kunden kamen zu uns, so im Jahr 1987 auch namhafte Firmen der Elektroindustrie“, blickt Senior-Chef Heinz Voss zurück. 1989 kamen dann eine zweite CNC-gesteuerte Stanz-Nibbel-Maschine und die erste CNC-gesteuerte Abkantpresse dazu, 1991 die erste Flachbett-Laserschneideanlage von Trumpf mit einem Arbeitsbereich von 3.000 x 1.500 x 15 mm.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung der Blechprofis war im Jahr 1993 der Eintritt von Tochter Petra Kleine und dann auch ihres Mannes Johannes Kleine in das Unternehmen und später die Geschäftsführung. Damit war der Grundstein für den angedachten Generationenwechsel gelegt. Dass 1996 das Objekt gekauft werden konnte und seitdem im Besitz des Unternehmens ist, stützte diese Entwicklung und trieb sie voran. So wurde in komplexe, leistungsstarke und automatisierte Laserschneidanlagen investiert, jeweils mit umfangreichen Lagerplätzen und teils mit Anbindung zum Hochregallager. Heute verfügt Voss – Die Blechprofis über 11.000 m² überdachte Hallenfläche mit einem modernen Maschinenpark und beschäftigt über 50 Mitarbeiter. „Wir konnten Stück für Stück investieren, modernisieren und erweitern“, sagt Petra Kleine. Sie ist nach einem internationalen Management- und Wirtschaftswissenschaftsstudium unter anderem für die kaufmännischen Belange des Unternehmens zuständig. Der technische Part liegt in den Händen von Johannes Kleine. Und Senior Heinz Voss, der seit Unternehmensstart die Strategie des Blechbearbeiters bestimmte, ist auch heute noch ein entscheidender Unternehmenslenker. „Man muss immer die Nase vorn haben. Gerade wenn es um strategische Investitionen geht“, sagt er.

Hohe Mitarbeiterzufriedenheit auch durch körperliche Entlastung

Die Firma Voss ist mittlerweile mehr als 50 Jahre erfolgreich am Markt. Das Kundenportfolio ist heute breit gefächert und reicht vom Maschinenbau über den Elektroanlagen-, Fahrzeug- und Schiffbau bis hin zu Architekten.

Die Unternehmenslenker setzten von Beginn an auf konservative Wertevorstellungen. So wird jeder Euro, der in der Firma erwirtschaftet wird, auch wieder in die Firma investiert. Und investiert wird auch in die Arbeitsbedingungen und die Motivation der Mitarbeiter. „Blechbearbeitung ist körperlich schwere Arbeit, insbesondere das Abkanten großer schwerer Bleche. Die körperliche Entlastung des Mitarbeiters ist für Voss sehr wichtig und wird im Betrieb daher konsequent verfolgt“, sagt Johannes Kleine. Geplant war, die Fertigung von Kantteilen flexibler und kostengünstiger zu gestalten sowie durch moderne Technik Energie einzusparen. Mit der neuen Anlage sollten größere Bleche, ein höheres Gewicht und größere Abmessungen bearbeitet werden. Also größer, schneller und mit höherer Präzision. Ein wichtiges Entscheidungskriterium für eine Investition war außerdem die bessere Ergonomie.

Um dieses Anforderungspaket mit der passenden Anlage abzubilden, wurde recherchiert. Natürlich wurden mehrere Anlagenbauer angefragt. Aber eine Standardlösung war nicht das, was dem Hochsauerländer Blechfertiger vorschwebte. Safan-Darley, der Anlagenbauer aus dem niederländischen Eijsden, mit dem Voss bereits vor einigen Jahren mehrfach erfolgreich zusammenarbeitete, konnte letztendlich mit seiner Lösung überzeugen. „Es gab ursprünglich bei keinem Maschinenbauer eine Maschine mit einer Biegehilfe, die stark genug war, unsere Anforderungen zu erfüllen. Die Bereitschaft von Safan-Darley, ein bestehendes Produkt entsprechend unserer individuellen Bedürfnisse weiterzuentwickeln und anzupassen, hat uns letztendlich überzeugt. So wurde dann in enger Zusammenarbeit eine gemeinsame Lösung entwickelt“, blickt Johannes Kleine zurück.

Riemenangetriebene Biegehilfe für schwere und große Produkte

Investiert wurde in eine H-Brake 400-t-Abkantpresse von Safan-Darley, welche mit einer Biegehilfe mit speziellem Riemenantrieb verbunden ist. Diese bietet die Möglichkeit, komplexe Produkte bis zu 500 kg zu verarbeiten. Die Biegehilfe kann das Bauteil während des Biegevorgangs mit Vakuumsaugern halten, sodass es in der Rücklaufbewegung manuell abgelegt werden kann. Der Hauptantrieb ist dabei mit zwei Motoren ausgestattet, die auf einer Achse zwei Riemen mit gleicher Riemenspannung antreiben. Über diese wird der Auflagetisch bewegt, der es ermöglicht, einen maximalen Biegewinkel von bis zu 65 Grad einzuhalten. Neben dem Hauptantrieb ist die Biegehilfe auch mit CNC-gesteuerten X- und R-Achsen ausgestattet, mit denen die Produkte nicht nur im Handbetrieb verarbeitet werden können, sondern auch während der gesamten Pressbewegung kontinuierlich eingestellt werden können, um so das Produkt bestmöglich zu unterstützen. Die Auflageflächen sind verstellbar und es können Bleche bis 4 m Länge beziehungsweise bis 4 m Breite bearbeitet werden. Aufgrund der extrem hohen Schachtelhöhe von 320 mm können selbst hoch abgekantete Winkel problemlos entnommen werden.

„Mit dieser Biegehilfe ist es möglich, dass nur ein Maschinenbediener ein schweres und großes Produkt handhaben kann. Bisher wurden dafür zwei oder mehrere Maschinenbediener benötigt. Insgesamt ist das eine enorme Arbeitserleichterung für den Bediener. Zudem ist eine effektivere und schnellere Programmierung möglich sowie eine hohe wiederkehrende Kantgenauigkeit“, ist Petra Kleine zufrieden. Nicht zuletzt sei die gesamte Handhabung der Maschine auch durch die Safan-Darley-Steuerung einfacher. Und das Start-Stopp-System sorgt für Energieersparnis.

Bewährt hat sich die Biegehilfe bereits bei sehr komplexen und sehr schweren Teilen, die teils auch eine großer Schenkellänge haben. Verarbeitet werden damit Materialstärken von 0,3 mm bis 20 mm; Edelstahl, Stahl, Buntmetalle und Aluminium.

Durch gemeinsamen Entwicklungsprozess individuelle Anlage realisiert

Ende 2018 war der Gedanke erstmals da, in eine neue Anlage mit Biegehilfe zu investieren. Seitdem ist das Projekt Stück für Stück gewachsen. Auch die Mitarbeiter wurden hinsichtlich der Entscheidung mit ins Boot genommen. So waren diese beispielsweise von der Safan-Darley-Steuerung überzeugt. Mitte 2019 kam dann die neue Anlage.

Fest steht: Bei Voss - Die Blechprofis steht jetzt eine sehr individuelle, leistungsstarke und ergonomische Maschine, die von Safan-Darley auch unter Berücksichtigung der individuellen räumlichen Gegebenheiten entwickelt und gefertigt wurde. „Der gemeinsame Prozess war sehr konstruktiv und interessant. Es war ein harmonisches Zusammenspiel von Ideen und Entwicklungen im gegenseitigen Verständnis. Für uns als Safan-Darley ist es selbstverständlich, dass wir die Anregungen unserer Kunden bei der Anlagenentwicklung aufgreifen“, sagt Klaus Albrecht von Albrecht Werkzeugmaschinen-Handel, der das Projekt betreute und die Schnittstelle zu dem niederländischen Werkzeugbauer ist.

Mit der neuen Anlage ist das Unternehmen nun für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt. „Die Unternehmenskultur, die bisher bei Voss gelebt wurde, soll weiter in die Zukunft getragen werden. Dazu gehört auch neue und ergonomische Technik“, sind sich Seniorchef Heinz Voss und seine Tochter Petra Kleine einig.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik