Wilsberg Metalltechnik / Meeh Pulverbeschichtung

Fertigungstiefe erweitert, Flexibilität erhöht

| Autor/ Redakteur: UIrich Meeh / Frauke Finus

Mehr Qualität, Flexibilität und weniger Handling – gleich mehrere Gründe sprachen dafür, die Beschichtung der Blechbauteile selbst auszuführen. Seit Juni 2019 lackiert man bei Wilsberg im rheinischen Bad Honnef nun im eigenen Werk und wird damit dem Anspruch der Kunden nach hoher Beschichtungsgüte und schnellen Lieferzeiten gerecht.

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Platzsparendes Anlagenkonzept: Pulverkabine – Ofen – Waschkabine.
Platzsparendes Anlagenkonzept: Pulverkabine – Ofen – Waschkabine.
(Bild: Meeh)

Komplizierte Bauteile und komplette Baugruppen aus Blech – das ist die Spezialität der Wilsberg Metalltechnik GmbH. Das Unternehmen aus dem Bad Honnefer Ortsteil Rottbitze hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 als Lieferant der Blech verarbeitenden Industrie etabliert. Zum Angebot gehört die Konstruktion von Baugruppen sowie die Fertigung von Serienteilen in großen Stückzahlen. Die Voraussetzungen dafür liefern Kernkompetenzen wie das Laserschneiden, das Wasserstrahlschneiden sowie das CNC-Abkanten. Aber auch zusätzliche Leistungen wie Schweißen, Nieten oder Beizen runden das Spektrum ab – und seit Juni 2018 nun auch das Pulverbeschichten.

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Die Gründe, in eine eigene Pulverbeschichtung zu investieren, waren für die Unternehmensgründer Klaus und Hans-Werner Wilsberg vielfältig: „Der logistische Aufwand, die zum Teil hochkomplexen Bauteile zu verpacken, zu verladen und zu transportieren, um dann von den Lohnbeschichtern bearbeitet und wiederum verpackt zu werden, war einfach zu groß und zu zeitintensiv“, sagt Maschinenbauingenieur Philipp Wilsberg, der bereits die zweite Generation im Unternehmen vertritt. „Einer unserer Hauptkunden forderte zudem schnellere Lieferzeiten, sodass wir den Zeitverlust durch die externe Beschichtung einfach nicht mehr hinnehmen wollten. Und, ganz nebenbei, spielte auch die Beschichtungsqualität eine Rolle.“ Die Kunden stammen vornehmlich aus der Maschinenbaubranche; viele Teile werden für den in der Nähe angesiedelten Hersteller von Baumaschinen, Wirtgen, beschichtet. Die Kunden sind es, die die jeweiligen Farbtöne und Lacklieferanten vorgeben.

Umweltfreundliche und zukunftsfähige Technik

Die neue Anlagentechnik stammt aus Wimsheim vom Komplettanbieter für Beschichtungsanlagen Meeh, der das Wilsberg-Team mit einem Konzept aus modularer Anlage und der Kombination von manuellen und automatischen Anlagenkomponenten überzeugte. Die Anlage Jumbo Coat umfasst eine Vorbehandlungskabine, einen kombinierten Haftwassertrockner und Einbrennofen sowie eine manuelle Beschichtungskabine – all diese Elemente sind als einzelne Kabinen platzsparend nebeneinander auf einer Fläche von nur 270 m2 gereiht.

Kombination von manuell und Automatik

Vor den Kabinen ist ein großer „Bahnhof“ platziert um die Werkstücke mit den entsprechenden Bauteilen zwischen den einzelnen Verfahrensschritten zu parken. Größere Bauteile beanspruchen jeweils eine Traverse für sich und werden über eine Hub/Senk-Station aufgehängt. Kleinbauteile werden beschichtungsgerecht und vollflächig an den Traversen befestigt. Die zu beschichtenden Bauteile haben eine Größe bis maximal 4 m Länge x 1 m Höhe und 1,5 m Breite und ein maximales Stückgewicht von 1000 kg.

„Wir wollten die Prozesse bei uns im Werk vereinfachen und die Wertschöpfung im Haus behalten“, sagt Philipp Wilsberg. „Die Pulverbeschichtung ist deshalb interessant, weil sie sehr umweltfreundlich und damit zukunftsfähig ist.“ Um den eigenen Paintshop direkt nach der Installation in Betrieb nehmen zu können, schickte das Honnefer Unternehmen zwei Mitarbeiter zur Schulung zu Hersteller Meeh, wo diese auf der hauseigenen Jumbo-Coat-Anlage durch „learning by doing“ lernten, die Anlage zu bedienen. Dank dieser Vorkenntnisse konnte die Anlage im Juni 2018 unter Volllast durchstarten.

Um eine optimale Haftung zu gewährleisten, durchlaufen die Blechbautauteile im Hause Wilsberg zunächst eine Eisenphosphatierung mit anschließenden Spülprozessen. Bei Teilen bis zu einer Breite von rund 1,2 m erfolgt dieser Prozess vollautomatisch mit einem selbstfahrenden Sprühkranz. „Düsendruck und Behandlungszeit lassen sich soweit optimieren, dass die Automatik zuverlässig den Gesamtprozess der Vorbehandlung je nach Verschmutzungsgrad der Produkte ablaufen lässt“, betont Damm. Große, schwere oder komplexe Teile können über eine regelbare Handlanze von Hand gereinigt werden. Sämtliche Medien werden im Kaskadenkreislauf gefahren und Abwässer werden über einen entsprechenden Entsorgungsnachweis von Fachfirmen entsorgt.

Bei Wilsberg ist man mit der neuen Beschichtungsanlage von Meeh hochzufrieden. „Das Handling der Anlage ist erstaunlich einfach, der Platzbedarf gering und der Invest war durchaus überschaubar“, fasst Philipp Wilsberg zusammen. Wunschgemäß hat sich beim Blechverarbeiter der Durchsatz erhöht, während sich der logistische Aufwand spürbar reduziert hat. Dass das nachhaltig die Fertigungsprozesse flexibilisiert hat, versteht sich von selbst.

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