Der Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ruft auf, Balance zu halten. Die 8 Prozent Lohnerhöhung der IG Metall sprächen der derzeitigen Situation Hohn.
Der Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt hat heute zum Auftakt der anstehenden Tarifrunde im Sektor Metall- und Elektroindustrie zur Mäßigung in puncto Lohnerhöhungen aufgerufen. Die Situation in Deutschland ließe einfach keine 8 Prozent an Mehr zu. Hier mehr.
(Bild: Vbm)
Seit 40 Jahren ist die Inflation in Deutschland nicht so hoch gewesen, wie jetzt. Dazu kommt ein bisher einmalig explosiver Cocktail aus Fachkräftemangel, Rohstoffknappheit und -verteuerungen sowie die Energiepreisexplosion und der Gasmangel, dessen Auswirkungen erst der Winter zeigen wird, wie Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände heute in einer Pressekonferenz zum Auftakt der anstehenden Tarifrunde vorab klar machte.
Zwar könne man noch von einer guten Auftragslage sprechen, doch die Schere zwischen Auftragsvolumen und Produktionsmenge respektive Auslieferungsmenge klafft immer weiter auseinander. Die Kosten kletterten dabei schneller als die Erlöse in die Kassen klingelten. Und die Inflationsrate mit durchschnittlich 7 Prozent verpasst die Zielinflation, die von der Europäischen Zentralbank gesetzt wurde, um plus 5 Prozent. Bei einigen Produkten sind es sogar deutlich mehr, merkte der Hauptgeschäftsführer dabei an. Und höhere Preise für Rohstoffe und Energie könnten nicht von allen ständig auf die Kunden verteilt werden.
Man könne aber nur verteilen, was man auch erwirtschaftet hat, betonte Brossardt. Das scheine die IG Metall zu vergessen. Deshalb gehen die 8 Prozent Lohnerhöhung, die von der Gewerkschaft gefordert werden, völlig an dem momentan einzigartigen Problemgemenge in Deutschland vorbei. Mittelfristig gefährde die IG Metall nicht nur die deutschen Unternehmer, sondern letztlich den Wohlstand aller. Es drohe schon jetzt eine Rezession.
Bayern bezahlt doch schon Spitzenlöhne ...
Die Lage ist also zwar (noch) gut, doch sie droht bereits zu kippen: Die Produktion sank vom Jahresbeginn bis zur Jahresmitte 2022 um knapp zwei Prozent. Das Produktionsniveau liegt um fast vier Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau von Februar 2020. Das Vor-Rezessionsniveau von 2018 wird aktuell um über 15 Prozent unterschritten.
Angesichts der Tarifentwicklungen und Sonderzahlungen, die seit 2018 gelaufen sind, könne Brossardt die IG-Metall-Forderungen auch nicht wirklich nachvollziehen. Nun stehe man vor dem Dilemma, dass die Löhne zwar gestiegen sind, die Lohnstückkosten im internationalen Vergleich aber um 4,3 Prozent zugelegt haben, owohl die Produktivität um 1,9 Prozent gefallen ist. Bayern bezahle die Beschäftigten im Metall- und Elektrobereich damit auf Spitzenniveau.
Wir müssen die Balance halten
Mit diesem Slogan verweist der Vbm auf seine Forderung, bezahlbare Entgelte auszuhandeln. Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass die „Musik“ der Branche(n) in Zukunft im Ausland spielt, mahnte Brossardt. Durch die nächsten 1 bis 2 Jahre müsse Deutschland hindurch, auch wenn das bedeutet, dass sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer dabei auch mit gewissen Einbußen zu rechnen haben. Es muss einfach wieder Planungssicherheit herrschen, wünscht sich der Verbandschef. Es brauche elastische Lösungen, die auf einer Entgeltgrundlage basierten, aber individuelle Situationen und Möglichkeiten in einzelnen Unternehmen und Branchen mitberücksichtigten, sonst würden die Arbeitsplätze auf länger Sicht betrachtet, gefährdet sein.
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