Finanzen Maschinen- und Anlagenbau ist trotz Krise liquide

Redakteur: Melanie Krauß

Trotz Coronakrise kommt es im Maschinen- und Anlagenbau eher selten zu tatsächlichen Liquiditätsengpässen. Die Commerzbank verrät, was die Branche richtig gemacht hat und worauf es nun ankommt.

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Die Commerzbank hat die Branche mit 1,3 Mrd. Euro Coronakrediten unterstützt.
Die Commerzbank hat die Branche mit 1,3 Mrd. Euro Coronakrediten unterstützt.
(Bild: ©Zerbor - stock.adobe.com)

Erfreuliche Nachrichten: Der überwiegende Anteil der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau ist zwar von erheblichen Auftrags- und Produktionsrückgängen betroffen (-14 Prozent in der Produktion). Die Krise trifft die Branche jedoch nicht unvorbereitet. Das berichteten Robert Schindler, Firmenkunden-Bereichsvorstand Süd, und Thomas Enck, Branchen-Head Maschinen- und Anlagenbau bei der Commerzbank, beim heutigen Pressegespräch (24.02.2021).

Finanzierung in der Krise

Rund 30 Prozent der Commerzbank-Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau – überwiegend kleinere Unternehmen – haben seit Beginn der Coronakrise Hilfskredite beantragt. Insgesamt hat die Bank der Branche bisher 1,3 Mrd. Euro an Coronahilfen zur Verfügung gestellt. „Die Branche hat die Krise trotz des starken Produktionsrückgangs verhältnismäßig gut bewältigt“, so Firmenkunden-Bereichsvorstand Schindler. „Wir sehen zwar Betroffenheit, aber nur sehr wenige tatsächliche Liquiditätsengpässe.“

Viele Unternehmen der mittelständisch geprägten Branche hätten die vergangenen erfolgreichen Jahre genutzt, um ihre Kapital- und Liquiditätsbasis zu stärken. Das habe sich in der Krise bezahlt gemacht, so Schindlers Einschätzung.

Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der wichtigsten Finanzierungsmethoden.

Finanzen

Finanzierungsmethoden: die wichtigsten Vor- und Nachteile

Auch in heutigen Zeiten könne der deutsche Maschinen- und Anlagebau von seinen ausgewiesenen Stärken profitieren. Innovationsfähigkeit und die hohe Qualität ihrer anspruchsvollen Speziallösungen machen die Branche den Experten zufolge im internationalen Wettbewerb erfolgreich. „Die noch aus vor dem ersten Lockdown im März 2020 stammende gute Auftragslage gab den Unternehmen den nötigen zeitlichen Spielraum für Anpassungen der Kapazitäten und des Geschäftsmodells,“ sagte Bereichsvorstand Schindler. Dabei half der Blick zurück, denn schon in der Finanzkrise 2008/2009 hatten viele Unternehmen gelernt, wie wichtig Flexibilität in der Produktion und Sortimentsgestaltung ist.

Anschluss verpasst. Flexibilität vor Wachstum stellen

Neben den Stärken der Branche wie dem guten Liquiditätsmanagement, der hohen Innovationskraft im High-End-Bereich und dem Ausbau der Vorreiterrolle bei der Digitalisierung, warf Commerzbank-Experte Enck auch einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Maschinen- und Anlagenbauer. „Die deutsche Maschinenbaubranche bleibt schon seit einigen Jahren hinter der globalen Wirtschaftsentwicklung zurück. Das liegt vor allem daran, dass die Branche sich stark auf das vergleichsweise kleine High-End-Segment fokussiert“, so Enck. „Das ist kein Corona-Thema, das ist ein strategisches Thema. Wenn man so weitermacht, wird man bedeutungslos werden.“

Nun gelte es aufzuholen, denn die weltweite Nachfrage im bislang nur wenig bedienten Mid-Tech-Segment sei wesentlich größer und wachse schneller. „Für die Unternehmen wird es immer wichtiger, neben ihren High-End-Produkten noch mehr preiswertere Mid-Tech-Angebote mit höherer Standardisierung auf den Markt zu bringen“, lautet Rat von Branchen-Head Enck. Schon vor der Pandemie gab es immer stärkere Schwankungen. Angesichts dessen solle die Branche noch stärker Flexibilität vor Wachstum stellen, so der Experte.

Empfehlungen der Commerzbank-Experten auf einen Blick

  • „Cash ist King": stets die gesicherte Liquidität und Finanzierung über alle Bankpartner im Auge behalten
  • Konsortiale Finanzierungen bieten mehr Schutz als bilaterale Finanzierungen
  • „Flexibilität" vor Wachstum: Flexibilität sichert Überlebensfähigkeit in anhaltend stürmischen Zeiten und ist Basis für Wachstum im Aufschwung
  • Vorreiterrolle bei der Digitalisierung in der Industrie beibehalten
  • Preisgünstigere, aber dennoch individualisierte Produktlösungen durch Modularisierung und Standardisierung umsetzen
  • Ausbau von Mid-Tech-Angeboten
  • Ausbau After-Sales-Servicegeschäft

Langsame Rückkehr zur Normalität

Für das Coronajahr 2020 gehen die Commerzbank-Experten von einem Produktionsrückgang von 14 Prozent aus, was einem Umsatz von bestenfalls 200 Mrd. Euro entsprechen würde. Zum Vergleich: Vor der Krise – also im Jahr 2019 – betrug der Umsatz der Branche noch 229 Mrd. Euro. Bis Ende 2021 ist nur mit einer langsamen Entspannung zu rechnen.

„Trotz leichter Erholung um die 4 Prozent im Jahr 2021 erwarten wir erst ab dem Jahr 2022 eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau“, schätzte Schindler die Situation ein. „In einigen Branchen, wie beispielsweise im Werkzeugmaschinenbau wird man sich auf ein kleineres ,neues Normal‘ einrichten müssen“, ergänzt zudem Enck. Sein Tipp: Als Mittelständler sollte man sich schon jetzt darauf vorbereiten.

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