Schneidöl Neuartige Metallbearbeitungsöle auf der Basis von Hydrieröl

Autor / Redakteur: Wolfgang Dierks / Bernhard Kuttkat

In Deutschland werden jährlich etwa 1 000 000 t Schmierstoffe verbraucht. Nur rund 10% dieser Menge werden aufbereitet, 90% werden entsorgt. Das muss nicht sein: Seit rund zwei Jahren forschen und entwickeln die Chemischen Werke Kluthe ein Verfahren, mit dem aus gebrauchten Ölen Hydrieröle gewonnen werden zum Herstellen hochwertiger Metallbearbeitungsöle.

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Bild 1: Nebelverhalten verschiedener Schleiföle. a Schleiföl auf Solvatraffinat-Basis, b Hakuform 20-225 HSG RR, c Schleiföl auf Basis von hydrocracked Öl
Bild 1: Nebelverhalten verschiedener Schleiföle. a Schleiföl auf Solvatraffinat-Basis, b Hakuform 20-225 HSG RR, c Schleiföl auf Basis von hydrocracked Öl
( Archiv: Vogel Business Media )

Anlass der Entwicklung, aus gebrauchten Hydrierölen hochwertige Metallbearbeitungsöle zu gewinnen, war die Verfügbarkeit dieser Hydrieröle in ausreichender Menge und ihre besonderen Eigenschaften, die erwarten ließen, dass außer einer erheblichen Umweltentlastung und Ressourcenschonung auch interessante technische Aspekte erreicht werden können.

Mittlerweile verfügt Kluthe über eine mehr als zweijährige Erfahrung mit Metallbearbeitungsölen auf Basis von Hydrieröl im praktischen Einsatz.

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Zur Herstellung dieser Bearbeitungsöle unter der Markenbezeichnung Hakuform RR werden im ersten Schritt bei einem Kooperationspartner sämtliche Verunreinigungen aus gebrauchten Ölen entfernt, Kohlenwasserstoffe mit Wasserstoff abgesättigt und das danach erhaltene Hydrieröl schonend durch Destillation aufbereitet.

Den Hydrierölen werden im Anschluss sorgfältig ausgewählte Additive zugegeben. Diese Additive verleihen den Bearbeitungsölen die für den jeweiligen Bearbeitungsprozess erforderlichen Eigenschaften. Folgende produktspezifischen Qualitätsmerkmale gelten als Annahme-Grenzwerte zur Übernahme der gebrauchten Öle:

  • PCB (DIN 12766-1/2 B) bezogen auf die Ölphase:< 20 ppm,
  • Wasser: < 6 Gew.-%,
  • Chlor: < 0,2 Gew.-%,
  • Sedimente: < 1 Vol.-% sowie
  • Flammpunkt: > 61 °C.

Hakuform-RR-Bearbeitungsöle auf Basis von Hydrieröl wurden inzwischen erfolgreich im Markt platziert. Von großen Maschinen- und Automobilherstellern ist die Freigabe für den Einsatz erteilt worden. Bei vielen namhaften Anwendern in der Automobil- und Zuliefererindustrie sind die Öle europaweit als Bearbeitungsmedium im Einsatz.

Leistungssteigerung von 25% beim Honen durch richtiges Bearbeitungsöl

Ein Beispiel ist der größte Hersteller von Sonderhydraulik in den Niederlanden. Beim Honen von 2000 mm langen Hydraulikzylindern konnte durch den Einsatz des Bearbeitungsöles Hakuform 20-225 HSG RR eine Leistungssteigerung von etwa 25% erreicht werden. Bei der Lenkungsfertigung und in der Getriebeherstellung wurde durch die Verwendung des gleichen Bearbeitungsöles, das sehr universell eingesetzt werden kann, eine erhebliche Sortenreduzierung erzielt. Für die gesamte Fertigung wird nur ein Öl benötigt.

Bei vielen Anwendern gehören Hautschäden, Geruchsbelästigung und Ausschuss durch auftretenden Schleifbrand der Vergangenheit an. Zusätzlich wird durch den Stoffkreislauf die Umweltbilanz der Anwender erheblich verbessert. Technisch sind die Produkte auf Hydrierölbasis den Ölen, die auf Solvatraffinat basieren, deutlich überlegen, wie die Bilder 1 bis 4 zeigen. Seit knapp zwei Jahren in der Praxis, haben sich diese neuen Öle gut bewährt. Die schnelle Luftabscheidung reduziert die Schleifbrandbildung erheblich. Die geringe Ölnebelbildung, das günstige Verdampfungsverhalten und der sehr hohe Flammpunkt reduziert, unter anderem, die Verpuffungsgefahr beim Hochgeschwindigkeitsschleifen auf ein Minimum. MM

Wolfgang Dierks ist Gruppenleiter Metallbearbeitungsöle der Chemischen Werke Kluthe GmbH in 69008 Heidelberg

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