Digitalisierung Papierlos wird die Blechfertigung produktiver

Autor / Redakteur: Anke Roser / Stéphane Itasse

Der Maschinenpark ist eindrucksvoll: zwei Laser-Flachbettmaschinen, eine Stanz-Lasermaschine, zehn Gesenkbiegemaschinen – zwei davon automatisiert und mit Roboter ausgestattet –, eine Schwenkbiegemaschine und zwei Laserschweißzellen. Mehr Prozesskette Blech geht kaum. Das Ergebnis ist eine hochflexible Blechfertigung.

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Blechbearbeitung geht auch ohne Papier. Wie das im Detail funktioniert, zeigt das Beispiel der niederländischen BOZ Group.
Blechbearbeitung geht auch ohne Papier. Wie das im Detail funktioniert, zeigt das Beispiel der niederländischen BOZ Group.
(Bild: Trumpf)

Mit dieser Ausstattung lässt sich vom einfachen Stahlwinkel bis zur hochkomplexen Baugruppe alles fertigen, und zwar in allen Losgrößen. Um auch bei Aufträgen mit geringen Stückzahlen schnell und fehlerfrei zu arbeiten, hat die BOZ Group im niederländischen Bergen op Zoom ihre Produktion bereits weitgehend papierlos und digital vernetzt gestaltet.

Das Unternehmen mit gut 100 Mitarbeitern produziert unter anderem Teile für die Hightech- und die Medizintechnikbranche sowie für die Lebensmittelindustrie. Typische Produkte sind Teile für Milchroboter, Sortiereinheiten für Logistikanwendungen oder Sicherheitsschränke. Tagsüber werden kleinere Jobs, nachts und am Wochenende größere Losgrößen bearbeitet. Die Niederländer sind Spezialisten für dünnes Blech von 0,6 bis 6 mm Dicke. Und sie gehören in ihrem Land zu den Ersten, die das Laserschweißen in der Blechfertigung eingeführt und eine Trumpf-­Schwenkbiegemaschine installiert haben.

Insgesamt zwölf Biegemaschinen im Einsatz

Die meisten Bauteile werden zunächst auf den beiden 2D-Lasermaschinen der Marke Trulaser 3030 in Form geschnitten. Für Teile mit kleineren Umformungen und Gewinden kommt die Stanz-Lasermaschine Trumatic 6000 zum Einsatz. Zusammen produzieren die drei Anlagen so viele Blechteile, dass im nächsten Schritt insgesamt elf Biegemaschinen für die Umformung zuständig sind. Zwei der Maschinen arbeiten dabei vollautomatisch: Bei größeren Teilen kommt die Trubend 5130 mit dem Biegeroboter Bendmaster zum Einsatz. Um Filigraneres kümmert sich die Trubend Cell 7000 mit ihrem Zangengreifer. Sie gilt aufgrund von Hinteranschlägen in Leichtbauweise und elektrischem Torque-Motor zur Beschleunigung des Druckbalkens als schnellstes System der Welt für das automatisierte Biegen von Kleinteilen.

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Wichtig war dem Geschäftsführer der BOZ Group, Corné van Opdorp, die komfortable Offline-Programmierung der Biegezelle: „Als ich das Unternehmen vor acht Jahren von meinem Vater übernommen habe, war eins meiner ersten wichtigen Ziele: Jeder Auftrag muss offline programmierbar sein, um effektiver und effizienter zu arbeiten“, berichtet der 37-Jährige. „Heute programmieren wir großteils nicht mehr an den Maschinen, sondern im Büro, hauptzeitparallel zur Produktion. So können wir die Maschinen besser ausnutzen.“

2D-Codes und Bildschirme bereiten den Weg zur papierlosen Fertigung

Das ist umso wichtiger, als in der Produktion von BOZ alle Maschinen in einem Netzwerk verbunden sind, sodass sie zentral gesteuert werden können. Auch das Stopa-Lager mit 571 Plätzen und einem Roboter gehört dazu. Problemmeldungen können zum Beispiel per SMS oder E-Mail direkt aufs Smartphone gesendet werden. Das niederländische Unternehmen ist heute papierarm – und die Zukunft ist papierlos. In der Praxis funktioniert das mit 2D-Codes, die die Laser der Flachbettmaschinen innerhalb weniger Sekunden auf die Blechteile aufbringen. Trumpf nennt sie Dot Matrix Codes und hat sie zusammen mit BOZ an die spezifischen Anforderungen in Bergen op Zoom angepasst. Die Codes enthalten Informationen für die weiteren Schritte innerhalb der Prozesskette Blech und werden von den Maschinenbedienern mit Scannern eingelesen. Begleitpapiere können so entfallen. Einen weiteren Schritt in Richtung papierlose Fertigung hat van Opdorp mit zusätzlichen Bildschirmen an zahlreichen Maschinen gemacht: Diese informieren visuell über die aktuellen Bearbeitungsprogramme.

Doch zurück zum Biegen. Neben den automatisierten Biegezellen und den manuellen Gesenkbiegemaschinen hat die BOZ Group seit etwa zwei Jahren mit der Trubend Center 5030 auch eine halbautomatische Schwenkbiegemaschine im Einsatz. Die Maschine heißt so, weil sie über eine Kantschwinge verfügt. Diese besteht aus einem C-Profil, auf dem das untere und obere Biegewerkzeug montiert sind. Beim Biegen bewegt sich das C-Profil nach oben, unten oder führt eine kleine ellipsenförmige Bewegung aus – das Schwenken.

Schwenkbiege-Bearbeitung kann bis zu dreimal schneller sein als Gesenkbiegen

Bemerkenswert an dieser Technik sind vor allem Flexibilität und Schnelligkeit. Die Schwenkbiege-Bearbeitung kann bis zu dreimal schneller sein als Gesenkbiegen. „Oftmals haben wir früher unterschiedliche Radien an Bauteilen vermieden, weil sie nicht wirtschaftlich hergestellt werden konnten oder weil wir ein Bauteil dann aus zwei Teilen zusammensetzen mussten“, berichtet van Opdorp. Mit dem Schwenkbiegen lassen sich unterschiedliche Radiengrößen an einem Bauteil mit dem gleichen Werkzeug herstellen. „Dadurch können wir Designwünsche wie außergewöhnliche Geometrien oder mehr Rundungen bei Verkleidungsblechen erfüllen“, sagt der BOZ-Geschäftsführer.

Weil die Biegequalität hoch ist, kann das nachfolgende Laserschweißen direkt ausgeführt werden. Corné van Opdorp nutzt dafür zwei Trumpf-Laserschweißzellen. Und das seit vielen Jahren. „Hier waren wir wirklich Pioniere“, berichtet der 37-Jährige. „Schon 2005 und 2006 hat mein Vater in diese Anlagen investiert. 2012 habe ich eine davon mit einer moderneren Laserstrahlquelle ausstatten lassen. 15 % unserer Produkte verfügen über Laserschweißnähte – die Anschaffung hat sich also wirklich geloht!“ Zumal sie das Teilespektrum der BOZ Group massiv erhöht hat.

* Anke Roser ist stellvertretende Pressesprecherin bei der Trumpf GmbH + Co. KG in 71254 Ditzingen

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