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Meeh / Amazonen Werke

Pulverbeschichtung sorgt für verschleißfeste Oberflächen

| Autor/ Redakteur: Dietmar Kuhn / Frauke Finus

Jeder Landwirt kennt die Landmaschinen von Amazone. Um die Blechoberflächen vor Verschleiß zu schützen, nutzt der Hersteller im Werk in Russland eine Pulverbeschichtungsanlage von Meeh. Alle Bauteile für die Anlage hat Meeh passgenau am Firmensitz in Wimsheim geplant und konstruiert. Amazone selbst hat die Anlage dann in Samara gefertigt und montiert.

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Frontansicht der Jumbo-Coat-Anlage im Amazonen Werk in Samara mit (v.r.) Pulverkabine, Ofen beziehungsweise Trockenkammer und Waschkabine.
Frontansicht der Jumbo-Coat-Anlage im Amazonen Werk in Samara mit (v.r.) Pulverkabine, Ofen beziehungsweise Trockenkammer und Waschkabine.
( Bild: Amazone )

Seit mehr als 130 Jahren ist der Name Amazone ein fester Begriff in der Landmaschinentechnik. Entwickelt und produziert werden aktuell Maschinen für die Bodenbearbeitung, zum Säen, Düngen und für den Pflanzenschutz. Darüber hinaus gibt es eine Reihe Sonderlösungen, beispielsweise für den Kommunalbereich. Der Hauptsitz des Landmaschinenspezialisten mit dem grün-orangenen Erscheinungsbild ist das niedersächsische Hasbergen-Gaste. Doch produziert wird auch an weiteren Standorten, unter anderem in Samara, Russland. Dort hat Amazone 2016 in eine Pulverbeschichtungsanlage Jumbo-Coat von Meeh investiert.

Samara, wo liegt das überhaupt? Nun, Samara ist eine Industriestadt im Südosten des europäischen Teils Russlands und an der Wolga gelegen. Sie hat 1,2 Mio. Einwohner und ist damit die sechstgrößte Stadt Russlands. Soviel zur Geografie.

Landmaschinen kämpfen mit Verschleißerscheinungen

Bereits seit 2013 beherbergt Samara eine der Produktionsstätten des niedersächsischen Landmaschinenherstellers Amazonen Werke. Damals hat Amazone das Werk GAG Eurotechnika zu 100 % übernommen und produziert seitdem Teile, Baugruppen und Maschinen seines umfangreichen Landmaschinenprogramms speziell für den russischen Markt, wie auch für angrenzende Länder. Inzwischen wird fast die gesamte Palette von Amazone-Maschinen direkt in Samara hergestellt und teilweise mit Komponenten die aus Deutschland geliefert werden komplettiert. Die Montage der fertigen Landmaschinen erfolgt dann ebenfalls in Samara. „Prinzipiell produzieren wir in Samara die gleichen Maschinen wie an unseren deutschen und europäischen Standorten. Maschinen, die wir schwerpunktmäßig schon immer für den russischen Markt gefertigt haben, bauen wir jetzt vor Ort und selbstverständlich nach demselben Qualitätsstandard wie beispielsweise in Hasbergen-Gaste“, sagt Heinrich Buddenberg, Leiter Oberflächentechnik und Betriebsleitung in Hasbergen. Das war für Amazone Grund genug in die jetzt 100%-ige Tochter kräftig zu investieren. So wurden unter anderem neue gebäudetechnische, betriebsorganisatorische sowie produktionstechnische Standards geschaffen wie man sie aus den deutschen und europäischen Standorten kennt. Investiert wurde unter anderem auch in eine Jumbo-Coat-Pulverbeschichtungsanlage der Meeh GmbH in Wimsheim.

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„Damit“, so Buddenberg, „stellen wir einen von uns hochgesteckten Anspruch an die Oberfläche der Bauteile und Baugruppen sicher. Landmaschinen unterliegen ja bekanntlich einem extrem hohen Verschleiß und da ist es wichtig, dass die Oberflächenbeschichtung einen unabdingbaren Qualitätsbeitrag leistet.“ Um diesen Anspruch zu erfüllen, musste Amazone in ein geeignetes Verfahren investieren. Involviert in die Suche nach diesem Verfahren, bei der aus Erfahrung eine Pulverbeschichtungsanlage favorisiert wurde und der Findung des richtigen Partners, war auch Alexey Ilyin, Betriebsleiter bei Amazone-Eurotechnika in Samara. „Meeh war uns zwar als Oberflächenspezialist für Pulverbeschichtung schon längst bekannt, aber wir haben uns trotzdem erst einmal auf dem Markt nach einer für uns passgenauen Lösung umgesehen“, sagt er. Unter anderem waren die Verantwortlichen aus Hasbergen und Samara dann auch zu einem Besuch am Meeh-Standort in Wimsheim um sich über die Pulverbeschichtung ausführlich zu informieren. Darüber hinaus haben sie sich verschiedene Anlagen bei erfolgreichen Anwendern und Betreibern von Meeh-Anlagen angesehen um sich ein genaueres Bild zu machen. Dabei überzeugte das Jumbo-Coat-System. „Letztendlich und nach relativ kurzer Entscheidungsphase haben wir uns 2016 dann für Meeh entschieden weil man dort insbesondere auch auf unsere speziellen Wünsche eingegangen ist“, unterstreicht Ilyin.

Verschiebebahnhof ist auf die Platzverhältnisse abgestimmt

Demnach sollte die Hardware, genauer der gesamte Stahlbau der Jumbo-Coat-Pulverbeschichtung vor Ort in Samara gefertigt und mit eigenen Mitarbeitern montiert werden. Dies bedeutete für Meeh keine besondere Herausforderung da dort eh jeder Träger bis hin zu jedem kleinsten Bauteil exakt konstruiert und in Fertigungsunterlagen dokumentiert wird. „Die Fertigungsunterlagen wie Zeichnungen und Stücklisten mussten bis ins letzte Detail transparent sein und von den Fachkräften in Samara auch verstanden werden“, unterstreicht Dietmar Damm, Vertriebsingenieur bei Meeh und erfahrener Anlagenprojektierer.

Bekanntlich gibt es die Landmaschinen auch in unterschiedlichen Leistungen und Dimensionen. So musste die Amazone-Anlage sowohl für einzelne Blechteile wie auch für komplette Baugruppen ausgelegt werden. Diese Ansprüche erfüllte man mit einem entsprechenden Verfahrbahnhof für wechselnd große und kleine Werkstücke, der Waschkabine, den Öfen und der Pulverkabine für Baugruppen mit 9200 mm Länge, 2000 mm Breite, 2500 mm Höhe und einem maximalen Gewicht von 2000 kg. Die gesamte Anlage weist eine Länge von zirka 30 m und eine Breite von zirka 22 m auf. Das Handling sowohl großer wie auch der kleineren Teile erledigt wie bei allen Jumbo-Coat-Anlagen der Verschiebebahnhof. Er ist jeweils auf die Produkte (Gewicht, Abmessungen) und die Platzverhältnisse des Kunden abgestimmt und wird von Meeh immer kundenspezifisch geplant. Der Verschiebebahnhof, bestehend aus einer ausgetüftelten Stahlbaukonstruktion, dient sowohl zur Aufnahme von einzelnen Blechen, die in der Regel von Hand eingehängt werden und auch größeren und schwereren Teilen und Baugruppen wie bei Amazone in Samara, die mit dem Gabelstapler gehandhabt werden. Hier hatte man bei der Planung des Verschiebebahnhofs mit den Längs- und Querverfahrwegen sowie diversen Pufferzonen, stets den optimalen und reibungslosen Materialfluss der Teile und Baugruppen im Fokus.

Manuelle Beschichtung in der Beschichtungskabine

Das Grundlayout einer Jumbo-Coat-Anlage ist prinzipiell immer dasselbe, jedoch für jeden Auftrag stets an die vorhandenen Platzverhältnisse und Produkte angepasst. Bei Amazone befindet sich, vom Verschiebebahnhof aus betrachtet, links die Waschkabine. Diese dient dem Entfetten / Phosphatieren sowie den Spülprozessen. Dabei werden alle Medien über einen sogenannten Pumpensumpf und Bandfilteranlagen im Kreislauf geführt. Dieses Kreislaufsystem ist äußerst umweltfreundlich, da eine Einleitung in das Kanalnetz komplett entfällt. Neben der Waschkabine befindet sich bei Amazone der Trockner beziehungsweise der Einbrennofen. Hier werden die Teile und Baugruppen getrocknet und/oder der Pulverlack eingebrannt. Das Jumbo-Coat-Ofen-Konzept sorgt dabei für einen idealen Lufthaushalt bei konstanter Temperaturhaltung. Trocknen und Einbrennen erfolgt damit zeitüberwacht, sodass für jedes Werkstück entsprechend seiner Materialdicke die optimale Verweilzeit im Ofen garantiert ist.

In der begehbaren und optional befahrbaren Beschichtungskabine (für große und schwere Teile und Baugruppen die mit dem Gabelstapler manipuliert werden, wie bei Amazone) erfolgt die Pulverbeschichtung manuell. Die Absaugung überschüssigen Pulvers erfolgt dabei durch einen Patronenfilter. Die gereinigte und saubere Luft wird über einen Sicherheitsfilter wieder in die Halle zurückgeführt. Mit der Amazone-Pulverbeschichtungsanlage hat der Oberflächenexperte Meeh den Wunsch nach einer einfach zu bedienenden Anlage voll erfüllt. Sie läuft seit mehreren Monaten erfolgreich. Auch mit dem Engineering und der Fertigung der Bauteile einschließlich Montage vor Ort in Samara ging alles reibungslos über die Bühne, wie Buddenberg und Ilyin bestätigen. Bislang, auch das bestätigt Buddenberg, gab es mit der Anlage keinerlei Probleme, was auch der professionellen Schulung der Amazonen Mitarbeiter aus Samara in Wimsheim geschuldet ist. Damit konnte und kann Amazone die Qualität einer sauberen, robusten und langlebigen Oberflächenbeschichtung seiner Landmaschinen sicherstellen. Davon profitieren kann vor allem der wirtschaftlich orientierte Landwirt.

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