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Wieso haben Zertifizierungen einen so hohen Stellenwert?
Ramisch: Grundsätzlich geht es um die gesetzliche Haftung für Produktqualität. Das Top-Management will sich der Verantwortung entziehen, wenn der Mann am Fließband etwas falsch macht. Es geht eigentlich nicht um die Qualität der Produkte, sondern um die Absicherung des Managements in kritischen Situationen. Wir wissen, was anstehen kann, wenn amerikanische Anwälte an die Tür klopfen …
Gibt es Firmen, bei denen Zertifizierungen hilfreich sind, obwohl diese zum Beispiel von Kunden nicht verlangt werden?
Ramisch: Ich kenne niemanden, der sich zertifizieren lässt, ohne dass er müsste. Es mag zwar hilfreich sein, wenn man den eigenen Betrieb verbessern möchte, die dahinter stehende Norm kann man ja kaufen. Sie kann als praktischer Leitfaden dienen, um ein Unternehmen zu führen. Dazu braucht man aber kein Zertifikat, das ist eine ganz normale Unternehmeraufgabe.
Sie haben als Lohnfertiger erlebt, wie eine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit einem Automobilzulieferer plötzlich in die Brüche ging. Welche Rolle hat dabei die Zertifizierung gespielt?
Ramisch: Die Geschichte ist zu komplex, um sie hier ganz zu erzählen. Wir hatten die Zertifizierung gemeinsam mit dem Kunden gemacht und dachten, in eine Art neue Geschäftskultur geführt zu werden. Die Machtkonstellation Kunde-Lieferant wurde dadurch aber nicht sachlicher oder professioneller. Im Gegenteil, am Schluss hat der Kunde uns für etwas beschuldigt, für das er selber verantwortlich war. Das Zertifikat hätte uns schließlich weder vor Gericht noch vor dem Kunden schützen können. Das könnte ein Einzelfall sein. Doch wie ich von anderen höre, hat eine Zertifizierung noch nirgendwo etwas bewirkt.
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