Anbieter zum Thema
Gäbe es Alternativen zu Zertifikaten?
Ramisch: Wir sollten wieder dazu kommen, dass der gute Ruf eines Unternehmers etwas gilt.
Müssten sich Zertifizierungen an die globalisierte Wirtschaftsstruktur anpassen?
Ramisch: Ja. Wir handeln zwar in richtiger Absicht, aber das Ergebnis, das dabei herauskommt, ist falsch. Den Zulieferfirmen wird Selbstbestimmung und Freiheit genommen. Wir sind gefangen in unseren eigenen Ansprüchen. Außerdem hat ein Zertifikat vor Gericht nur beschränkten Wert. Es schafft trügerische Rechtssicherheit, aber es ist kein Freibrief zum Handeln. Wenn eine Firma Gift im Fluss entsorgt, interessiert die Geschworenen nicht, welche Zertifizierungen vorhanden sind, sondern, was sich am Tag X ereignet hat. Diese Entwicklung endet im Kontrollwahn.
Nochmals die erste Frage: Was sind Zertifizierungen also?
Ramisch: Sie sind eine Masche der Beratungsindustrie, das KMU hindert, sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren. Sie sind eine Schönwetterveranstaltung, die in Krisensituationen keinen Bestand hat. Unternehmerisch solid und verantwortungsvoll geführte Unternehmen brauchen kein Zertifikat und schlecht geführte Unternehmen werden durch ein Zertifikat nicht besser oder sicherer. Der ganze Aufwand bringt den produzierenden Firmen keinen Mehrwert. Als in meinem Betrieb das Zertifikat nach DIN EN ISO 9001 auslief, waren wir befreit von der drückenden Last der Qualitätsverwaltung. Wir hatten wieder den Kopf frei für echte Qualitätssicherung, die schnell und kostengünstig zum Ziel führt.
Damit hier nichts verwechselt wird: Ich halte die Normierung von Qualitätssicherung, Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Energieverwendung für eine gute Sache. In einer Norm fließt das Know-how von vielen Fachleuten zusammen und kristallisiert so zu einem reichen Schatz der Erkenntnis, der allen zur Verfügung steht.
(ID:42737328)