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„Fuck Zertifizierung“ – Interview mit Joachim Ramisch Schluss mit diesem Unfug!

| Autor / Redakteur: Luca Meister / Stéphane Itasse

Joachim Ramisch ist geschäftsführender Gesellschafter der Riesmetall GmbH, die er 1973 als Maschinenbaustudent mitbegründet hat. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V. und seit über 30 Jahren ein aufmerksamer Beobachter der Galvanik-Szene. Ramisch lehnt Zertifizierungen generell ab, da deren Prozesse seiner Ansicht nach mittelstandsfeindlich seien, wie er im Interview mit dem Schweizer MaschinenMarkt sagt.

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Zertifizierungen verdammen: Joachim Ramisch kämpft für weniger Bürokratie in KMU.
Zertifizierungen verdammen: Joachim Ramisch kämpft für weniger Bürokratie in KMU.
(Bild: Riesmetall)

Die Richtlinien der Zertifizierung DIN EN ISO-9000 sind für alle Firmen gleich. Doch die einzelnen Unternehmen sind selbst innerhalb einer Branche so verschieden, dass nicht alle Bestimmungen einer Norm für jedes Unternehmen gleich bedeutend sind. Was für die einen sehr wichtig ist, kann für andere ganz entfallen. Nur sehr große Unternehmen mit vielen Standorten, im Extremfall weltweit, brauchen das volle Programm der Normung. Für KMU sind, aufgrund ihrer natürlichen Transparenz, viele Regelungen überflüssig. Die gegenwärtige Praxis der Zertifizierung macht aber keinen Unterschied nach Unternehmensgröße.

SHerr Ramisch, was sind Zertifizierungen und wozu dienen sie?

Ramisch: Zertifizierungen sind vergleichbar mit Schulzeugnissen oder Eignungstests. Auditoren prüfen Firmen wie Lehrer ihre Schüler testen. Bei einer Person macht das während der Ausbildung Sinn, doch bei einem Unternehmen nicht. Der Markt prüft die Firmen ja täglich.

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Sie waren sechs Jahre (2005 bis 2011) DIN-EN-ISO-9000-zertifiziert, weil das Ihnen damals ein Kunde „empfohlen“ hatte. Nun haben Sie www.fuck-zertifizierung.de lanciert. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ramisch: Ich breche mit der Zertifizierung. Ich mache also das, was ansonsten nur in der Kaffeepause diskutiert und nicht umgesetzt wird. Konkret weise ich öffentlich mit einer Homepage darauf hin, mit dem Ziel, in der Fachöffentlichkeit eine Bewegung anzustoßen.

Wie sieht die Resonanz aus?

Ramisch: Sehr gut, die Reaktionen sind positiv bis begeistert. Ich werde an Tagungen eingeladen, um Vorträge zu halten, aktuell zum Beispiel auch beim Schweizer Galvanoverband. Offenbar findet die Sache Anklang, im Internet findet man ja nichts über eine Protestbewegung oder kritische Stimmen bezüglich Zertifizierungen. Das Interessante dabei ist, dass man mit Menschen ins Gespräch kommt, die unbekümmert ihre Meinungen sagen. Die Wahrheit kommt ans Licht.

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