BASF Umsatzverdoppelung durch tiefgreifendes Kreislaufwirtschafts-Programm

Redakteur: Peter Königsreuther

Abfälle vermeiden, Rohstoffe mehrfach nutzen und zurückgewinnen, das sind Merkmale einer guten Kreislaufwirtschaft. BASF erklärt hier, man diesbezüglich die Zukunft plant.

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Batteriezukunft, Kunststoffrecycling und nachwachsende Rohstoffe sind die Treiber für die Kreislaufwirtschaft. BASF startet mit Blick auf diese ein entsprechendes, ambitioniertes Programm...
Batteriezukunft, Kunststoffrecycling und nachwachsende Rohstoffe sind die Treiber für die Kreislaufwirtschaft. BASF startet mit Blick auf diese ein entsprechendes, ambitioniertes Programm...
(Bild: BASF)

„Unternehmen, die Möglichkeiten für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft bieten können, werden künftig über einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verfügen“, ist sich Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender und Chief Technology Officer der BASF, über dieses zentrale Zukunftsthema in Gesellschaft und Politik sicher. Deshalb hat BASF ein neues Kreislaufwirtschafts-Programm aufgelegt. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen den Umsatz mit Lösungen für die Kreislaufwirtschaft auf 17 Mrd. Euro verdoppeln. Dafür konzentriere man sich auf drei Aktionsfelder: 1. Zirkuläre Rohstoffe, 2. Neue Materialkreisläufe und 3. Neue Geschäftsmodelle.

Von 2025 an sollen im Rahmen dessen jährlich 250.000 t recycelte und abfallbasierte Rohstoffe anstelle von fossilen Rohstoffen verarbeitet werden. „Der Weg zur Kreislaufwirtschaft wird uns große Anstrengungen abverlangen. Aber wir haben die Herausforderung mit Engagement und Kreativität angenommen und bauen auf unsere Innovationskraft“, betont Brudermüller. Beispiele aus der BASF-Forschungspipeline hat der Vorstandsvorsitzende gemeinsam mit Wissenschaftlern heute auf der ersten digitalen Forschungspressekonferenz des Unternehmens vorgestellt:

Auch bei der E-Mobilität muss sich der Kreis schließen

Im Jahr 2030 müssten den Experten zufolge über 1,5 Mio t Batteriezellen von Elektrofahrzeugen entsorgt werden. Dazu kommen Abfälle aus der Zellproduktion, der Produktion von Kathodenmaterialien sowie deren Vorstufen. Darin enthalten sind wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel. Durch Batterierecycling könnten diese Rohstoffe zurückgewonnen und neu verarbeitet werden. Lithium-Ionen-Batterien werden, um das zu erreichen, zunächst zerlegt und geschreddert, heißt es. Dabei entsteht die sogenannte „Schwarze Masse“. Mithilfe verschiedener chemischer Verfahren können bereits heute Rohstoffe aus dieser Masse zurückgewonnen werden. Das reduziert den CO2-Fußabdruck der Batteriemetalle im Vergleich zur Entnahme aus natürlichen Quellen um mindestens 25 %, rechnet der Konzern vor.

Jedoch sei dieser Prozess bisher sehr energieintensiv oder es entstünden große Mengen an Salzen, die entsorgt werden müssten. Auch die Ausbeute an Rohstoffen ist noch zu gering. BASF entwickelt deshalb ein neues hocheffizientes chemisches Verfahren mit zahlreichen Vorteilen. Das in der Batterie enthaltene Lithium wird etwa in hochreiner Form und hoher Ausbeute zurückgewonnen, Abfälle werden vermieden und der CO2-Fußabdruck wird gegenüber den bisherigen Verfahren weiter gesenkt.

Damit unterstützt BASF die Ziele der Europäischen Kommission, ein nachhaltiges Wertschöpfungsnetzwerk für Batterien in Europa zu etablieren. Das Recyclingverfahren der BASF kann eine wesentliche Rolle für den Aufbau eines Batteriekreislaufs in Europa spielen.

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Spezielle Additive verbessern das Kunststoffrecycling

Auch bei Kunststoffen arbeiten Forscher der BASF daran, Stoffkreisläufe effizienter zu schließen. Einer Studie der Unternehmensberatung Conversio zufolge fallen global etwa 250 Mio. t Plastikmüll pro Jahr an. Davon werden nur 20 % recycelt und im Stoffkreislauf gehalten. Beim mechanischen Recycling werden die Kunststoffabfälle zerkleinert, geschmolzen und als Rezyklat für die Herstellung neuer Produkte verwendet. Allerdings ist dieses Material für viele Anwendungen zunächst nicht geeignet. Zum einen, weil die mehrfache Nutzung und Verarbeitung die Polymerketten oft so sehr beschädigt, dass der Kunststoff brüchig wird oder vergilbt. Zum anderen bestehen Kunststoffabfälle häufig aus gemischten, nicht voneinander trennbaren Kunststoffarten. Zum Beispiel bestehen Getränkeflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET), während die zugehörigen Deckel meist aus Polypropylen (PP) hergestellt sind. Solche Mischungen aus nicht kompatiblen Kunststoffen führen zu erheblichen Qualitätsverlusten.

BASF-Forscher haben sich dieser Probleme angenommen und verschiedene Kunststoffadditiv-Pakete entwickelt, welche die Qualität des recycelten Materials gezielt stabilisieren und verbessern. Chancen, die etwa Verträglichkeitsvermittler bieten, erlauben die mechanischen Eigenschaften von Polymermischungen zu verbessern. Das wertet mechanisch recycelte Kunststoffe und ihre Produkte im Kunststoff-Kreislauf auf, erklärt BASF.

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