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Trenntechnik

Alles richtig gemacht

| Redakteur: Dietmar Kuhn

Es mag wohl niemand ernsthaft behaupten wollen, dass die Verbreitungsdichte von Laserschneidmaschinen Anfang vergangenen Jahres in Deutschland unzureichend gewesen wäre. Aber offensichtlich gab es Anfang 2006 zumindest in und um Fulda noch einen weißen Fleck auf der Landkarte. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Herzau + Dipl. Ing. K. Schmitt GmbH nach einer Neuorientierung in Richtung externer Dienstleistungen und der Investition in eine 4,4-kW-Laseranlage von Bystronic diese quasi auf Anhieb und bis zum heutigen Tage zweischichtig auslasten konnte? Ralph Schiffler

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Die Bystar von Bystronic bietet einen Arbeitsbereich von 4000 mm × 2000 mm und eine Laserleistung von 4,4 kW. Bystronic konnte sich hier aufgrund der besseren Gesamtkonzeption der Laserschneidanlage gegen seine Wettbewerber durchsetzen.
Die Bystar von Bystronic bietet einen Arbeitsbereich von 4000 mm × 2000 mm und eine Laserleistung von 4,4 kW. Bystronic konnte sich hier aufgrund der besseren Gesamtkonzeption der Laserschneidanlage gegen seine Wettbewerber durchsetzen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Uns jedenfalls hat die Story in Fulda überrascht – ebenso, wie die jüngste Entscheidung des Unternehmens, angesichts des Erfolges nicht etwa den Weg in Richtung Laser konsequent weiterzugehen, sondern stattdessen eine Wasserstrahlschneidmaschine (ebenfalls aus der Schweiz) zu installieren, um sich zukünftig mehr und mehr als materialunabhängiges Schneidcenter für die Region zu etablieren.

So richtig als Lohnfertiger im Bereich des Laserschneidens unterwegs ist die Herzau + Schmitt GmbH aus Fulda erst seit gut zwei Jahren. Gleichwohl kann das Unternehmen auf eine lange und vor allem handwerklich geprägte Tradition als Dienstleister und Spezialist für das Besondere verweisen. Das zumindest unterstreicht Markus Schmitt als Enkel des Firmengründers und heutiger Geschäftsführer des Unternehmens gleich zu Beginn unserer Reportage. Dazu zitiert er kurz die Firmenchronik, die bis ins Jahr 1935 zurückreicht und in Teilbereichen noch immer in die Gegenwart hineinwirkt.

Know-how bei der Instandsetzung von Elektromotoren und Generatoren

Damit beschäftigt sich eines der traditionellen Geschäftssegmente mit der Instandsetzung von Elektromotoren und Generatoren (zum Beispiel Aufzugs-, Getriebe- und Trommelmotoren sowie Pumpen). Hier verweist Schmitt insbesondere auf das Know-how für Gleichstrom-Antriebe sowie AC/DC-Servomotoren und die Anfertigung und Instandsetzung von Sondermotoren. Und auch der Bereich des Krananlagenbaus (hier als Partner von Demag) oder die Servicekooperation mit KSB im Bereich technischer Pumpen, Armaturen und Systeme seien das erfolgreiche Ergebnis langjähriger Partnerschaften, die man auch in Zukunft nicht aufgeben werde.

Ansonsten aber sei das Unternehmen mit seinen 85 kompetenten Mitarbeitern (allesamt ausgebildete Fachleute) ein Blechbearbeiter mit Leib und Seele, wie der Firmenchef postwendend anfügt – noch dazu mit einem umfassenden Leistungsspektrum vom einfachen Zuschnitt bis zur hochpräzisen Baugruppe und von der kundenspezifischen Maßanfertigung (beispielsweise bei speziellen Segmenten für die Lüftungs- und Klimatechnik oder einer Edelstahlküche für die Großgastronomie) über kleine Losgrößen bis zur Serie.

Ein Nein gehört nicht zum Geschäftsvokabular

„Ich wüsste nichts, was wir nicht können“?, betont Schmitt. Statt aber (wie ansonsten bei unseren Reportagen in den Blechbearbeitungsbetrieben üblich) nun weiter das hohe Lied auf die Systemkompetenz als Zukunftsplattform zu singen, fokussiert Schmitt seine Ausführungen anschließend ganz bewusst auf die Laserschneidtechnik und hier speziell auf das Laserschneiden im Lohnauftrag, das man erst vor rund zwei Jahren ernsthaft angefangen und seitdem zu einem prosperierenden Standbein des Unternehmens ausgebaut habe.

Schmitt dazu: „Nachdem wir mit Ende der 1990er-Jahre für den steigenden Eigenbedarf an hochwertigen Schneidteilen mit einer großformatigen Anlage von Trumpf in die Lasertechnik eingestiegen sind, gab es mit der Zeit immer mehr externe Aufträge von Betrieben aus der Region, die ihren Bedarf offenkundig anderswo nicht decken konnten – vor allem dann nicht, wenn es darum ging, schnell mal ein paar Schneidteile von heute auf morgen in gleichwohl exzellenter Qualität beschaffen zu müssen.“ Und da ein Nein offenbar nicht zum Vokabular der Geschäftsbeziehungen bei Herzau + Schmitt gehört, ist den Kunden immer wieder geholfen worden. Und so entwickelte sich aus der Lohnfertigung nach und nach ein ertragbringender Nebenerwerb.

Steigende Anfragen externer Kunden nach Laserschneiden

Gleichzeitig mit den steigenden Anfragen externer Kunden und dem nicht minder wachsenden Eigenbedarf wurde aber auch die Trumpf-Anlage leider nicht jünger. Hinzu kam, dass die vorhandene Laserleistung von 1,8 kW bei der Materialdicke allenfalls im einstelligen Millimeterbereich wettbewerbsfähige Ergebnisse lieferte. Kurzum: Es bestand dringend Handlungsbedarf! Wobei sich die Fuldaer nicht einfach nur zum Ziel setzten, in Kapazität zu investieren. Vielmehr entschied man sich dazu, vor allem motiviert durch die nebenberuflichen Erfolge, mit der anstehenden Neuinvestition gleichfalls das Unternehmen neu zu orientieren, sprich das Laserschneiden im Lohnauftrag zum strategischen Geschäftsfeld auszubauen.

Und so war auch klar, dass eine 08/15-Anlage den Ansprüchen nicht würde genügen können. „Entsprechend haben wir nach einer Laseranlage gesucht, die in puncto Arbeitsraum und Laserleistung neue Akzente in unserer Region setzen sollte“, betont Schmitt und ergänzt: „Ohne großartige Einschränkungen im Pflichtenheft haben wir anschließend die relevanten Anbieter angefragt, uns nicht einfach nur ein Angebot zu unterbreiten, sondern vielmehr ein auf unser Unternehmen und unsere Ziele abgestimmtes Maschinenkonzept zu konfigurieren.“

Bystar-Wechseltischmaschine mit 4,4 kW Laserleistung kam zum Zug

Dass sich beim anschließenden Auswahlprozess dann trotz der ja nicht unerfolgreichen blauen Vorgeschichte letztlich die Bystronic AG mit ihrer Offerte durchsetzen konnte, erklärt Markus Schmitt ohne jede Emotion schlicht und einfach mit der besseren, weil für sein Unternehmen schlüssigeren Gesamtkonzeption der von den Schweizern ausgelegten Anlage. Zum Zuge kam dabei eine Wechseltischmaschine der Bystar-Baureihe mit 4,4 kW Laserleistung und Verfahrwegen von 2000 mm × 4000 mm, noch ergänzt um eine Rohrschneideinrichtung und ein Handlinggerät zur halbautomatischen Beladung. Damit war man also nun in der Lage, Stahl bis zu 25 mm Dicke, Edelstahl bis 20 und Aluminium bis 12 mm zu schneiden, während die Drehachse Rohre bis 315 mm Durchmesser und 3700 mm Länge bearbeiten kann.

Auf den nachgefragten Detailvergleich der Angebote von Trumpf und Bystronic in Sachen Technik geht Markus Schmitt allerdings nicht ein. Stattdessen unterstreicht er immer wieder den ganzheitlichen Ansatz der Entscheidungsfindung. Zum zitierten „besseren Gesamtkonzept“ habe demnach, neben den rein technischen Aspekten, vor allem gehört, dass im Rahmen der Neuorientierung des Unternehmen bereits das Fernziel definiert war, die Laserkompetenz baldmöglichst mit einer Wasserstrahlschneidmaschine zu ergänzen, um sich letztlich zu einem materialunabhängigen Schneidzentrum zu entwickeln.

Bytronic bietet Laserschneid-Technologien in exzellenter Qualität

Und ebenfalls sei damals schon klar gewesen, dass die vorhandenen Kantbänke irgendwann ersetzt werden müssten. Unterstreicht Schmitt: „Mit Bystronic haben wir uns demnach bewusst für einen Partner entschieden, bei dem wir sicher sein konnten, alle für uns relevanten Technologien in exzellenter Qualität aus einer Hand bekommen zu können.“ Schließlich haben die Schweizer mit Hämmerle und Beyeler ja auch zwei Marken zum anspruchsvollen Biegen respektive Abkanten im Portfolio. Und auch beim Wasserstrahlschneiden zählt Bystronic zu den Technologieführern.

Dabei hing die Realisierung der Folgeschritte natürlich von einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung im Bereich der Laserlohnfertigung ab. Nun: Wenn es hier Bedenken gegeben hat, waren diese schnell verflogen. Denn bereits nach wenigen Wochen war das Potenzial aus alter Trumpf- und neuer Bystronic-Anlage über zwei Schichten komplett ausgelastet. Und da sich an diesem hohen Auslastungsgrad bis heute nichts geändert hat und inzwischen ab und an sogar in die Nacht hinein produziert werden muss, ist die zuvor angesprochene Wasserstrahlambition jüngst ebenfalls Realität geworden – und zwar für rund 50 000 Euro, namentlich in Form einer doppelköpfigen Byjet-Anlage in L-Version mit einem Arbeitsbereich von 3000 mm × 4000 mm.

Kompetenz im Wasserstrahlschneiden wird ausgebaut

Meint Markus Schmitt dazu: „Das Wasserstrahlschneiden fängt dort an, wo der Laser aufhört, und arbeitet dabei präzise und mit äußerst hoher Oberflächengüte. Für uns war es eine weitere wichtige Entscheidung, in das Wasserstrahlschneiden zu investieren, um unsere Kompetenzen im Schneidbereich materialunabhängig zu machen sowie unsere Marktstellung sukzessive weiter auszubauen.“ Im direkten Vergleich zur Bystar muss die Byjet jedoch weiter härter um Aufträge kämpfen.

Für Markus Schmitt ist das jedoch eine logische und mithin einkalkulierte Verzögerung: „Während den Laser jeder kennt, ist der Wasserstrahl als Schneidwerkzeug ein noch immer sehr erklärungsbedürftiges Produkt. Aber die Nachfrage steigt trotz dieses argumentativen Mehraufwands kontinuierlich – im Metallbereich ebenso wie bei Kunststoffen, Glas und anderen Anwendungen wie etwa Kohlefaser und modernen Verbundmaterialien. Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg.“

Zweifel lässt er jedenfalls auch bei dieser Investition gar nicht erst aufkommen. Und so werden auch die neuen Biege-Maschinen wohl kaum mehr lange auf sich warten lassen. Zumindest hat man sich dazu bei Herzau + Schmitt die Drei-Punkt-Biegetechnik von Hämmerle bereits sehr genau angeschaut.

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