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Caroli / Q-Fin

Automatisiert Entgraten, Schleifen sowie Verrunden und Zeit gewinnen

| Autor: Frauke Finus

Gelenkschienen zur orthetische Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit sind oft im sichtbaren Bereich. Damit die Bauteile keine scharfen Kanten und eine schöne Oberfläche haben, setzt Orthopädietechnikspezialist Caroli auf Entgratmaschinen von Q-Fin.

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Eine dynamischen Gelenkschiene: Sie ist für die orthetische Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit entwickelt worden.
Eine dynamischen Gelenkschiene: Sie ist für die orthetische Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit entwickelt worden.
( Bild: Finus/VCG )

Erfahrung begründet aus langer Tradition – das spiegelt sich in Lahr im Schwarzwald wieder, wenn man in den heiligen Hallen von Caroli steht. Im alten Teil der Fertigungsgebäude hängen noch Emailschilder an der Wand, auf denen darum gebeten wird, nicht auf den Boden zu spucken. Das waren noch Zeiten...

Der Orthopädietechnikspezialist Heinrich Caroli GmbH ist seit rund 170 Jahren in Familienhand. Angefangen hat alles als Bruchbandfabrik. Ein Bruchband ist ein medizinisches Hilfsmittel, das einen Leistenbruch am Prolabieren (Heraustreten) hindern soll. Außerdem soll er die darunterliegende Bauchdecke so weit stabilisieren, dass der Patient beschwerdefrei leben kann. Denn Leistenbrüche werden erst seit noch nicht allzu langer Zeit operiert. Und auch heute noch gibt es Patienten, die aufgrund von Alter oder anderen Vorbelastungen nicht operiert werden können. Also fertigt Caroli auch heute noch Bruchbänder. Bruchbänder bestehen in der Regel aus einem straffen Ledergürtel mit einer Feder, an der die Pelotte, ein anatomisch geformtes Polster auf einer aus Metall gefertigten Platte, angebracht ist. Diese wird auf die Bruchpforte gesetzt und drängt so den Bruch zurück.

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Heute hat das Unternehmen noch viele weitere Produkte der Orthopädietechnik im Portfolio. Dazu gehören beispielsweise statische und dynamische Gelenkschienen, wie man sie vielleicht von Forrest Gump kennt, Halskrausen, Nabel- und Hodenbruchbänder, Handgelenksbandagen oder auch orthopädische Miederwaren. „Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind sehr sensibel. Viele der Krankheitsbilder, die wir mit unseren Produkten versuchen erträglicher zu machen oder noch besser zu heilen, sind den Patienten peinlich“, berichtet Simon Niedermaier, Orthopädietechnikermeister bei Caroli.

Gelenkschienen für die orthetische Versorgung von Patienten

„Andere Krankheitsbilder hingegen sind weniger „schlimm“ in den Augen der Patienten. Beispielsweise unsere dynamischen Gelenkschienen sind für die orthetische Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit entwickelt. Nach Verletzungen mit Kontrakturen und operativen Eingriffen unterstützt eine Orthesenversorgung mit diesen dynamischen Korrekturschienen eine sichere und stetige Mobilisierung der Gelenke“, führt Niedermaier weiter aus.

Caroli mit knapp 50 Mitarbeitern kann gut als Manufaktur betrachtet werden. Die Fertigungstiefe ist unglaublich hoch. Neben den Leder-, Schaumstoff- und Stoffarbeiten, findet auch die Metallbearbeitung im eigenen Haus statt. Beispielsweise werden die Metallbauteile zerspant, gebogen, gehärtet sowie lackiert und es werden Löcher gestanzt. Anibal Marques, Leiter der Fertigung, ergänzt. „Außerdem müssen die Werkstücke, die von einem Dienstleister für uns lasergeschnitten werden, entgratet werden; so beispielsweise auch die Gelenkschienen. Bis vor Kurzem haben wir dies komplett händisch durchgeführt – das war ein Flaschenhals in der Produktion.“ Für die händischen Schleifer arbeitet Caroli seit vielen Jahren erfolgreich mit einem Schleifmittelhändler zusammen. Als Marques mit ihm den Gedanken einer möglichen Automatisierung des Schleifens und Entgratens erörterte, fiel der Name des niederländischen Unternehmens Q-Fin Quality Finishing.

Extra Bürstenkopf für ein Finish nach Wahl

Das 2012 gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf die Fertigung von Maschinen zur Entgratung, zum Schleifen sowie Verrunden von Metallteilen und auf Lösungen zum Absaugen von Schleifstaub. „Nachdem der Kontakt hergestellt war, wurden wir in die Niederlande eingeladen, wo wir vor Ort mit unseren mitgebrachten Bauteilen die Maschinen von Q-Fin testen konnten“, berichtet Sabine Köhler, zuständig für die mechanische Fertigung bei Caroli. „Und wir waren sofort überzeugt!“ Caroli investierte deshalb in zwei Schleifautomaten sowie zugehöriger Absauganlage: in eine F200 mit zwei Stationen und eine F200 XL mit drei Stationen. Erstere ist für das Entgraten, Schleifen sowie Verrunden von Werkstücken von 10 bis 200 mm Breite konzipiert. Zweitere ist ebenfalls für Blechteile mit 10 von 200 mm Breite gedacht und ermöglicht dabei ein Entgraten, Schleifen und Verrunden mit höher Geschwindigkeit und mit Finish nach Wahl, denn die XL hat zusätzlich zu den Eigenschaften der F200 zwei extra Bürstenköpfe. „Beide Maschinen werden standardmäßig mit dem von Q-Fin entworfenen Bürstenhöhen-Verstellsystem geliefert. Das Bürsten-Verstellsystem sorgt für den Schutz des Förderbandes“, erklärt Joost Kouwenbergh, Produktmanager bei Q-Fin. „Die Topfbürste sorgt für die Kantenverrundung der Werkstücke, sowohl an der Außenseite als auch bei eventuellen Aussparungen. Unsere Standardbürsten haben einen Durchmesser von 255 mm. Abhängig vom zu bearbeitenden Material und dem gewünschten Finish sind verschiedene Ausführungen lieferbar“, fährt er fort.

Bei Caroli stoßen beide Anlagen auf großen Anklang. „Wir haben unseren Durchlauf wesentlich erhöht und sparen so wertvolle Zeit. Wir können rund 90 % unserer Teile jetzt automatisiert bearbeiten“, freut sich Marques, der sich gemeinsam mit den Maschinenbedienern eine Kameravorrichtung hat einfallen lassen, um vorne beim Einlegen auch die hinten rauskommenden Teile im Blick haben zu können.

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Über den Autor

Frauke Finus

Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com

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