Suchen

Prognose zum Weltstahlmarkt

China reißt globale Stahlnachfrage an sich

| Redakteur: Stéphane Itasse

Der weltweite Stahlmarkt konzentriert sich stärker auf China: Die Volksrepublik benötigt 2025 so viel Stahl wie der Rest der Welt, wie es in der jüngsten Prognose für den Stahlmarkt der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC heißt.

Firmen zum Thema

In elf Jahren wird etwa die Hälfte der weltweiten Stahlnachfrage allein auf China entfallen, wie die Unternehmensberatung PWC prognostiziert.
In elf Jahren wird etwa die Hälfte der weltweiten Stahlnachfrage allein auf China entfallen, wie die Unternehmensberatung PWC prognostiziert.
(Bild: Stahl-Online)

Die weltweite Stahlnachfrage wird demnach bis 2025 durchschnittlich um 3,5 % pro Jahr steigen, wie PWC am Dienstag weiter mitteilt. Damit lege die Stahlerzeugung rund um den Globus bis zum Jahr 2025 auf insgesamt 2,4 Mrd. t zu. Wegen der Wirtschaftskrise in der Eurozone und der nachlassenden Konjunktur in den Schwellenländern hätten die Berater ihre Prognose für die Stahlnachfrage nach unten korrigiert: Noch im Vorjahr prognostizierten sie einen Anstieg der Nachfrage von jährlich 3,8 % bis 2025.

Stahlnachfrage wächst in China am stärksten

In China lege Stahlbedarf in den kommenden zehn Jahren mit durchschnittlich 4,3 % pro Jahr deutlich stärker zu als weltweit. „China bleibt der wichtigste Nachfrager von Stahl. Die chinesische Industrie wird bis 2025 mit 1,1 Mrd. t annähernd so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen“, sagt Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PWC.

Bildergalerie

In der Eurozone stagniere die Stahlnachfrage dagegen: Sie wächst in den 28 EU-Ländern bis 2025 im Schnitt lediglich um 1,25 % pro Jahr, wie es heißt. Dieser Prognose zufolge würde der Stahlverbrauch in der Europäischen Union 2025 bei 167 Mio. t Stahl liegen. Deutschland bleibe aber auch in diesem Punkt Wachstumsmotor in Europa: Der jährliche Zuwachs der Stahlnachfrage liege mit 1,64 % pro Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Stahlhersteller in der EU geraten unter Druck

Schwache Nachfrage, Überkapazitäten und der Wettbewerb mit asiatischen und osteuropäischen Produzenten verschärften den Druck auf die Stahlhersteller in der EU. „Wir rechnen mit einer anhaltenden Konsolidierung der Stahlbranche“, sagt Theben. Dieser Prozess werde mit steigendem Kostendruck einhergehen, der Fokus der Produzenten liege dabei auf der Steigerung der Anlagenauslastung sowie Erhöhung der Materialeffizienz. Aber auch beim Einsatz von Rohstoffen und in der Logistik gebe es Einsparpotenziale. Da Hersteller in Europa nicht auf nennenswerte Rohstoffvorkommen zurückgreifen können, seien sie vom Weltmarkt abhängig. Zwar seien sie dadurch den Schwankungen der Rohstoffpreise ausgesetzt, könnten Rohstoffe dafür aber flexibel einsetzen.

Die europäischen Stahlproduzenten könnten sich in diesem Umfeld behaupten, indem sie sich stärker auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen, mit individuellen Dienstleistungen wie dem Lieferservice. Unternehmen sollten noch schneller und flexibler auf Anfragen reagieren und Wünsche in kurzer Zeit erfüllen. Das komme Kunden entgegen, da sie ihre Wertschöpfungskette dann effizienter aufstellen könnten. So könnten europäische Stahlproduzenten ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber der weltweiten Konkurrenz ausbauen.

Aber auch mit Produktinnovationen könnten sich die europäischen Anbieter von ihren Wettbewerbern abheben: „Mit dem Ausbau der Produktportfolios in Richtung technologisch anspruchsvollem Stahl können sich Unternehmen Vorteile gegenüber der nicht-europäischen Konkurrenz sichern“, meint Theben. Die Stahlunternehmen entwickelten sich damit vom reinen Produzenten zum individuellen Serviceanbieter. Auf diesen Wandel sollten sich Stahlproduzenten allerdings jetzt schon vorbereiten, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen und neu ausrichten.

Artikelfiles und Artikellinks

Datei:

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42525050)

Das könnte Sie auch interessieren SCHLIESSEN ÖFFNEN