Institut der deutsche Wirtschaft Deutsche Industrie zunehmend im Würgegriff der Rohstoffverknappung

Redakteur: Jürgen Schreier

Die kräftig gestiegenen Energiepreise werfen die Frage auf, wie sicher die Versorgung mit den wichtigsten Grundstoffen für die Industrieproduktion im rohstoffarmen Deutschland ist. Das Rohstoffversorgungs-Risiko-Rating des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat nun jene Stoffe identifiziert, bei denen es zu Engpässen kommen könnte.

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In der Stahlindustrie könnte es bald zu Engpässen bei Legierungsmetallen wie Chrom, Molybdän oder Niob kommen, die allesamt zur Herstellung von Edelstahl nötig sind. Bild: ThyssenKrupp
In der Stahlindustrie könnte es bald zu Engpässen bei Legierungsmetallen wie Chrom, Molybdän oder Niob kommen, die allesamt zur Herstellung von Edelstahl nötig sind. Bild: ThyssenKrupp
( Archiv: Vogel Business Media )

Trotz hoher Preise, gehören Erdöl und Erdgas nicht dazu. Die Versorgung gilt nach Einschätzung des IW eher unkritisch, weil relativ viele Länder und Unternehmen als Anbieter auf dem Weltmarkt auftreten. Kritisch sind hingegen die Perspektiven dagegen bei Metallen wie Chrom, Molybdän und Niob, die zur Herstellung von Edelstahl und in der Chemischen Industrie verwendet werden. Diese Stoffe sind nicht ohne weiteres durch andere Materialien ersetzbar.

Zudem werden die Metalle nur von wenigen Ländern und Unternehmen angeboten – die Niob-Vorkommen etwa entfallen zu 99% auf Brasilien, Kanada und Australien und werden zu 80% lediglich von drei Firmen kontrolliert. Diese Marktmacht ermöglicht es, die Versorgung politisch zu verknappen – etwa durch Exportbeschränkungen. Gefragt ist daher eine internationale Wirtschaftspolitik, die den Freihandel fördert, Investitionssicherheit schafft und die Suche nach neuen Produktionsverfahren unterstützt.

Deutsche Rohstoffrechnung drastisch gestiegen

Die Weltmarktpreise für Rohöl, aber auch für Metalle wie Kupfer und Aluminium haben sich in wenigen Jahren vervielfacht. Deutschlands Rohstoffrechnung ist innerhalb von zwei Jahren um 72% gestiegen: Im Jahr 2006 führte die Bundesrepublik Rohstoffe im Wert von knapp 107 Mrd. Euro ein – 2004 waren es lediglich 62 Mrd. Euro gewesen.

An den importierten Mengen hat es nach Angaben des IW aber nicht gelegen, denn diese sind seither kaum gestiegen. Teilweise entwickelten sie sich wie beim Erdöl sogar leicht rückläufig. Hinter den höheren Ausgaben für Rohstoffe stecken vielmehr die extrem gestiegenen Preise, die wiederum eine unmittelbare Folge des Wirtschaftsbooms in aufstrebenden Staaten wie China und Indien sind.

Im rohstoffarmen Deutschland stellt sich nun verschärft die Frage, wie sicher die Versorgung mit den wichtigsten Grundstoffen für die Industrieproduktion ist. Das Rohstoffversorgungs-Risiko-Rating des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gibt eine Antwort darauf, indem es jene Stoffe identifiziert, bei denen es über kurz oder lang zu Engpässen kommen könnte.

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