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Wie sieht die Verteilung auf die drei Produktbereiche aus?
Gehrels: Robomachine macht 10 % aus und die restlichen 90 % teilen sich hälftig auf Steuerungen und Roboter. Also die Steuerungs- und Robotergeschäfte sind in Europa ungefähr gleich stark.
Wären Ihre Wachstumsprognosen ohne den Merger genauso hoch ausgefallen?
Kramm: Ich glaube, dass die Wachstumsziele in den einzelnen Bereichen vorher moderater waren. Bei Robotics waren wir immer relativ engagiert unterwegs. In den anderen Divisionen hatten wir uns strukturell bedingt auf bescheidenere Wachstumsraten eingestellt.
Gehrels: Die Tatsache, dass wir jetzt alle drei Divisionen unter einem Dach führen, wird einen ganz großen Anteil am Wachstum ausmachen. Dieser gemeinsame Marktauftritt verschafft uns überproportionales Wachstum. Europa hat ein begrenztes Wachstum von konsolidiert 2 bis 3 %. Um die von uns geplanten Steigerungen zu erzielen, müssen wir Marktanteile dazugewinnen. Dafür sind wir gut aufgestellt.
Jetzt steht die Automatica in München vor der Tür. Was kann der Besucher am Fanuc-Messestand erwarten?
Kramm: Wir werden ein Stadion, eine Fanuc-Arena, bauen mit einer Rekordbeteiligung von 18 Partnern, die insgesamt 40 Applikationen zeigen. Wir werden dort alles an Fanuc-Technik zeigen, was verfügbar ist. Und ich glaube, es gibt ein ausverkauftes Stadion.
Ein Schwerpunktthema der Messe wird die Servicerobotik sein. Was hat Fanuc da zu bieten?
Kramm: Wir halten uns relativ stark aus dem Thema raus. Servicerobotik haben wir nur für industrielle Anwendungen. Mit der Software Dual Check Safety bietet Fanuc eine Sicherheitstechnik, die es dem Werker erlaubt, in der Nähe des Roboters zu arbeiten. Aber alle Anwendungen, bei denen Roboter direkt am Menschen, vor allem medizinisch, arbeiten, passen nicht in unsere Vorstellung von Robotereinsätzen. Was den Bereich der kollaborierenden Roboter betrifft, wo Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten, wird Fanuc schon sehr bald etwas zu verkünden haben, was so bislang noch nicht da war.
Gehrels: Die Mensch-Maschine-Kooperation ist ein ganz zentraler Punkt unserer Entwicklungsarbeit, an dem wir als Fanuc sehr aktiv arbeiten – und das schon seit vielen Jahren. Unsere Automobilkunden haben die ersten Anlagen im Einsatz, mit Ergebnissen, die sogar unsere eigenen Erwartungen übertreffen. Fanuc geht dabei den Weg über Standardroboter, die wir so anpassen, dass sie in der Lage sind, ohne zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen direkt mit dem Werker zu kooperieren. Wir wollen keine Sondermodelle, denn unser Kunde erwartet zu Recht, dass er die vorhandenen Roboter – deren Bedienung er bereits aus dem Effeff beherrscht – auch in den speziellen Applikationen einsetzen kann, in denen sie die manuellen Tätigkeiten des Werkers unterstützen. Diesen Weg sind wir übrigens auch in der Bildverarbeitung gegangen, seit wir vor über 25 Jahren die ersten Roboter mit „Augen“ in den Markt gebracht haben. Mit dem Ergebnis, dass heute jeder unserer 30.000 Roboter, die wir weltweit jährlich in den Markt bringen, in der Grundausstattung und ohne Aufpreis sehen kann. Das gleiche Ergebnis erwarten wir auch in Bezug auf die Mensch-Maschine-Kooperation.
* Das Interview führte MM-Redakteur Rüdiger Kroh
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