Sixt / Schuler Einfach schneller produzieren: Servoantrieb nimmt Fahrt auf

Autor: M.A. Frauke Finus

Manchmal muss es einfach schnell sein – egal ob der Gang zur Bushaltestelle oder die Fertigung von Stanzteilen, manchmal braucht man einfach mehr Geschwindigkeit. Und dann am besten noch bei bestmöglicher Qualität. Das dachte sich auch die Sixt GmbH und investierte in eine Servopresse von Schuler.

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Eine Schuler-Servopresse MSD2-250-2,0x1,1-160 mit 250 t Presskraft und einer Tischgröße von 2000 x 1100 mm ist 2018 bei der Sixt GmbH in Magstadt eingezogen.
Eine Schuler-Servopresse MSD2-250-2,0x1,1-160 mit 250 t Presskraft und einer Tischgröße von 2000 x 1100 mm ist 2018 bei der Sixt GmbH in Magstadt eingezogen.
(Bild: VCG/Finus)

Wer seine Sicherheit dem Überrollbügel eines SLK anvertraut, hat gute Chancen, dass einem dabei ein Bauteil der Sixt GmbH im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken sitzt. Der Auftragsfertiger aus Magstadt ist spezialisiert auf hochpräzise Tiefzieh- sowie Stanz- und Umformteile beziehungsweise Baugruppen. Dabei beliefert das Unternehmen vor allem den Automotive-Bereich, aber auch die Luftfahrt und die Bauindustrie. Markenzeichen von Sixt ist der große und innovative hauseigene Werkzeugbau. Dieser ist mit allen Maschinen zur Herstellung von Stanz-, Biege-, Folgeverbund-, Tiefzieh-, Transfer- und Stufenpressenwerkzeugen ausgestattet.

Eigene Konstruktion und Werkzeugbau

Angefangen hat alles mit Dietmar Sixt. Der Geschäftsführer der Sixt GmbH sollte 1959 zum Ende der Lehre hin eigentlich den väterlichen Betrieb übernehmen. Dieser führte mechanische Lohnbearbeitung von Aluminiumteilen für Mahle Druckguss durch ... viel Handarbeit, die Dietmar Sixt nicht behagte. Nach der Lehre konstruierte und baute der gelernte Werkzeugmacher deshalb für einen Schritt in der Bearbeitung ein Beschneidewerkzeug. Dies löste bei den Bauteilen einen solchen qualitativen Sprung zu den händisch mit Hammer und Feile bearbeiteten Teilen aus, dass Mahle diese Umstellung natürlich nicht verborgen blieb. Auf Nachfrage erfuhr das Unternehmen, dass also ein Beschneidewerkzeug ins Spiel gekommen war. Der Wunsch, dass Sixt diese Werkzeuge für Mahle fertigen sollte, war schnell formuliert. Doch Sixt, ein Mann der Tat, wollte „was Gescheits“ machen. Er fing also an im Auftrag von Mahle Werkzeuge zu fertigen. Dies sprach sich schnell rum und weitere Interessenten klopften an die Tür – der Werkzeugbau wuchs. „Es wurde uns dann schnell klar, okay, eine Presse muss her – wir müssen die Werkzeuge auch probieren können“, berichtet Dietmar Sixt im Gespräch mit Blechnet. Und wie es so spielt, war der Schritt nicht weit, auf den im Auftrag konstruierten und gebauten Werkzeugen auch direkt die gewünschten Bauteile zu fertigen. Hierbei beweist das Unternehmen noch heute besonderes Geschick. Vor allem beim Tiefziehen greifen viele Autobauer auf die Qualität aus Magstadt zurück. Ein Tiefziehteil aus dem Hause Sixt ist beispielsweise die Abdeckung für den eingangs erwähnten Überrollbügel.

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1992 schließlich baute das Unternehmen in Magstadt neu, da der Platz vorn und hinten nicht mehr ausreichte. Seitdem wurde schon mehrmals angebaut. Heute sind rund 90 Mitarbeiter am Standort beschäftigt. Einen zweiten Standort mit rund 20 Mitarbeitern gibt es in Tschechien, dieser wurde 1999 eröffnet, als man dem guten Kunden Bosch nach Jihlava hinterher zog.

Im richtigen Moment die nötige Arbeitsgeschwindigkeit

Auf etwa 40 Anlagen, darunter Tiefzieh-, Transfer-, Einlege- und Stufenpressen, fertigt Sixt im Zweischichtbetrieb. Verarbeitet werden Bandmaterialien aller Güten mit Dicken von 0,1 bis 6 mm und einer Bandbreite bis 800 mm auf Pressen bis 1000 t Presskraft.

Die neuste Errungenschaft im Maschinenpark ist eine Investition in die Servotechnik. Eine Schuler-Servopresse MSD2-250-2,0x1,1-160 mit 250 t Presskraft und einer Tischgröße von 2000 x 1100 mm ist 2018 in Magstadt eingezogen. „Der Schritt zur Servotechnik war nötig. Wir hatten ein paar Neuteile dazubekommen und mussten einfach schneller stanzen bei gleichzeitig bester Qualität“, so Dietmar Sixt. Und genau das konnte ihm die Exzenterpresse mit Servo-Direktantrieb liefern. „Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist, dass wir den Werkzeugverschleiß reduzieren konnten. Wir können eine höhere Hubzahl bei gleichbleibender Werkzeugschonung realisieren“, freut sich Sixt. Besonders begeistert ist er von der frei programmierbaren Stößelbewegungskurve der Schuler-Anlage, die während der Produktion gefahren werden kann. „In dem Moment, in dem ich die Arbeitsgeschwindigkeit brauche, habe ich sie auch!“ Bevor Sixt bei Schuler eingekauft hat, war er mit eigenem Werkzeug in Göppingen vor Ort, um die Presse zu testen. „Dass es diese Möglichkeit gibt, hat uns sehr gut gefallen“, resümiert Dietmar Sixt. Und wer weiß, vielleicht führt diese Begeisterung irgendwann zu einer nächsten Schuler-Anschaffung, denn die Gespräche mit dem Architekten für eine neue Halle laufen bereits.

Bereits zum Start im Jahr 2019 konnte die Fachtagung „Mehr Effizienz im Presswerk“ einen guten Zuspruch verzeichnen.

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„Mehr Effizienz im Presswerk“ geht in die nächste Runde

Damit Pressen schnell wieder laufen, hat Schuler sein Ersatzteillager am Hauptsitz in Göppingen erweitert.

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Schuler baut sein Ersatzteillager aus

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M.A. Frauke Finus

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Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com