Hausmesse Intech „Es geht immer um Produktivität“ – Industrie 4.0 made bei Trumpf

Autor: M.A. Frauke Finus

Mitte April durfte Trumpf zur Hausmesse Intech etwa 2500 Besucher aus über 20 Ländern in Ditzingen begrüßen. Neben der Vorstellung von neuen Maschinen nutze der Werkzeugmaschinen- und Laserspezialist die Gelegenheit, einen Blick auf die aktuelle Geschäftslage zu werfen und seine Sicht sowie aktuelle Wirkungsweisen in Bezug auf Industrie 4.0 vorzustellen.

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Im nahegelegenen Werk in Gerlingen produziert Trumpf Stanzwerkzeuge. Hier ist eine flexible, automatisierte und vernetzte Fertigung nach Prinzipien von Industrie 4.0 schon umgesetzt.
Im nahegelegenen Werk in Gerlingen produziert Trumpf Stanzwerkzeuge. Hier ist eine flexible, automatisierte und vernetzte Fertigung nach Prinzipien von Industrie 4.0 schon umgesetzt.
(Bild: Kuhn)

Nach den schwachen Monaten Dezember, Januar und Februar freute sich Dr.-Ing. Mathias Kammüller, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen, seit März wieder über eine positive Stimmung und gute Prognosen. „Der schwache Euro ist gut für unseren Export, aber der starke Franken macht uns in der Schweiz sehr zu schaffen. Der Währungseinfluss ist in beide Richtungen erheblich“, erklärte Kammüller. Trumpf beschäftigt in der Schweiz etwa 1000 Mitarbeiter, viel Wertschöpfung findet in dem kleinen Nachbarland statt. Zur kürzlich bekannt gegebenen Übernahme der EHT Werkzeugmaschinen GmbH in Teningen im Breisgau erklärt Kammmüller: „Einige Krisen liegen da in der Vergangenheit. Doch mit unserer Vertriebsmacht werden wir bei EHT wieder Wachstumszahlen generieren können.“ Des Weiteren bemerkt Trumpf merkt ein deutliches Absatzwachstum der Festkörperlaser im Vergleich zu den CO2-Lasern. Man sei jetzt schon bei etwa 50/50 und weiteres Wachstum sei erwartbar, so Kammüller.

Durch Vernetzung die Produktivität steigern

„Ein Dickicht an Informationen flutet uns zum Stichwort Industrie 4.0. Für ein besseres Verständnis, wollen wir versuchen, die Industrie 4.0 aus unserer Sicht zu erklären“, leitete Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Lasertechnik, die Vortragsrunde ein, in der Experten anlässlich der Intech zu Industrie 4.0 mit Pressevertretern gesprochen haben. „Am Ende geht es immer um eine Steigerung der Produktivität. Dies soll durch Vernetzung erreicht werden. Die Individualisierung ist dabei ein Megatrend. Das Ziel ist, individuelle Einzelprodukte zu Preisen von Massenartikeln zu produzieren.“ Trumpf beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der vierten industriellen Revolution. Die Trumpf-Mitarbeiter Klaus Bauer und Stephan Fischer waren zwei der Geburtshelfer der Plattform Industrie 4.0. Auf der diesjährigen Hannover Messe fiel der Startschuss für eine Neuausrichtung der nun von Politik, Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Gewerkschaft getragenen Plattform. Mit dieser erweiterten Plattform will die Bundesregierung gemeinsam mit den Partnern und Akteuren der Plattform die Chancen der Digitalisierung der Wirtschaft aktiv nutzen. Nach erfolgreicher Arbeit der Verbändeplattform Industrie 4.0 von BITKOM, VDMA und ZVEI wird das Thema in der neuen Plattform Industrie 4.0 nun auf eine breitere politische und gesellschaftliche Basis gestellt und sowohl thematisch als auch strukturell neu ausgerichtet. Die Leitung der neuen Plattform Industrie 4.0 übernehmen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sowie Spitzenvertreter der Industrie, der Industrieverbände, der Industriegewerkschaft Metall und der Fraunhofer-Gesellschaft. „Wir freuen uns über diese Entwicklungen, denn ein Konsens ist wichtig, um Industrie 4.0 zum Erfolg zu führen“, erklärte Leibinger. In diesem Zusammenhang spricht er auch die Datensicherheit an. Hier gebe es noch Klärungsbedarf, da es noch keine Bestimmungen oder ähnliches gebe. Bei Trumpf sei es in der Fernwartung beispielsweise so geregelt, dass alle Daten, die entstehen, dem Kunden gehören. „Die Maschine nimmt bei Bedarf mit uns Kontakt auf. Wir nehmen nie mit der Maschine Kontakt auf. Dadurch bleiben die Daten voll in der Kontrolle des Kunden.“

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Die Vortragsrunde eröffnete Dr. Stephan Fischer, Leiter Softwareentwicklung: „Die vierte industrielle Revolution markiert für uns die Vernetzung, sie ist das Kernprinzip.“ Dabei würden Losgröße 1 und flexible Fertigung eine neue Komplexität in der Blechbearbeitung erzeugen. „Produktionsplanung, Instandhaltungsplanung, Fernüberwachung, Condition Monitoring und die Intra-Logistik sind Module der Smart Factory. Solche Module sind dann besonders ökonomisch und effizient zu betreiben, wenn sie über eine Cloud zur Verfügung gestellt werden. Die Cloud wird uns helfen die Rechenzeit drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der produzierten Teile zu erhöhen. Wir werden unsere Kunden mit Informationen und individueller Beratung auf diesem Weg begleiten, denn noch gibt es viele Ängste und Vorbehalte.“

„Wir wollen unseren Kunden helfen, an der Welt von morgen teilzuhaben“

Eberhard Wahl, Leiter Produktmanagement flexible Blechfertigung, erklärte: „Sinkende Stückzahlen, sinkende Durchlaufzeiten, sinkende Reaktionszeiten – Industrie 4.0 hilft dabei, die Produktivität zu erhöhen. Dazu passen wir sukzessive unsere Produkte, Prozesse und auch Denkweisen an die neuen Herausforderungen an.“ Mit der Tru Tops Fab App sei es jetzt schon möglich, die Fertigung per Tablet zu steuern. Die Produktionsübersicht informiert in Echtzeit über die Produktionsaufträge, inklusive relevanter Detailinformationen und dem jeweiligen aktuellen Status. Kundenanfragen können so schnell und kompetent beantwortet werden. „Dabei entsteht eigentlich ein neues Tätigkeitsprofil, nämlich das des Prozessmanagers“, so Wahl. Der Mitarbeiter sei kein Einzelkämpfer mehr, man arbeite im Team und in Projekten und schon der Azubi müsse sich mit den Wünschen des Kunden auseinander setzen. Leibinger ergänzte, dass grade die jüngere Generation keine Berührungsängste habe, „hier stößt man eher auf Stirnrunzeln, wenn noch ein Schalter umgelegt werden muss, statt dass auf einem Touchscreen gewischt werden kann.“

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M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com