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ZVO-Oberflächentage

Galvanisierer müssen neue Märkte suchen

| Redakteur: Stéphane Itasse

Neue Werkstoffe im Automobilbau bereiten den Galvanisierern Kopfzerbrechen: Glas wird in Oberklassefahrzeugen wie der Mercedes-S-Klasse immer mehr verwendet – auch innen im Fahrzeug, und Kohlefasern erobern die Branche über neuartige Elektroautos. Damit sind weniger Metall und Kunststoff zu beschichten. Auf den ZVO-Oberflächentagen in Dresden war deshalb deutliche Kritik an der Branche zu hören.

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„Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber: Wo hat der Markt als nächstes Spaß?“ sagt Bernd Jülicher, Leiter strategische Unternehmensentwicklung der C+C Oberflächen in Ottendorf-Okrilla.
„Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber: Wo hat der Markt als nächstes Spaß?“ sagt Bernd Jülicher, Leiter strategische Unternehmensentwicklung der C+C Oberflächen in Ottendorf-Okrilla.
( Bild: Itasse )

Besonders das Elektroauto i3 von BMW gibt den Trend vor, wie Bernd Jülicher, Leiter strategische Unternehmensentwicklung der C+C Oberflächen in Ottendorf-Okrilla, auf den Oberflächentagen 2013 in Dresden erläuterte: „Die Karosserie ist komplett aus Kohlefaser, ohne Metall.“ Selbst der Kühlergrill enthalte kein Metall mehr – für Jülicher ein „Paradigmenwechsel“.

Elektroautos bedrohen die Galvanisierer auf mehrere Weisen

Auch die Anbieter von funktionalen Schichten in der Galvanotechnik sieht er durch den Trend zum Elektroauto bedroht: Die neuen Antriebe enthielten wesentlich weniger Teile als ein Verbrennungsmotor. „Beim Elektromotor ist nicht mehr viel mit funktionalen Schichten“, erläuterte Jülicher.

In dieser Situation fand Jülicher deutliche Worte für seine Branche: „Die Galvanotechnik betreibt keine Trendforschung, sie hat keine Ahnung, auf welcher Basis sie sich in die Zukunft fortbewegen soll.“ Die Unternehmen in der Galvanotechnik kümmere sich zu wenig um die Zukunft und reagiere nur auf Marktentwicklungen, statt sich aktiv einzubringen. Dabei seien nicht nur reine Funktionen gefragt: „Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber: Wo hat der Markt als nächstes Spaß?“

Neue Möglichkeiten für Galvanisierer bei Dünnschicht-Solarzellen

Eine Möglichkeit für die Erschließung neuer Galvanotechnik-Anwendungen zeigte Hans Ulrich Eckert, Produktmanager Elektronik bei der Enthone GmbH im rheinländischen Langenfeld auf: Dünnschicht-Solarzellen, aufgebaut aus CuIn(Ga)Se2 oder CuInS2.Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Silizum-Solarzellen seien die Dünnschichtzellen dünn, variabel, flexibel, leicht und reel-to-reel-fähig. Zwei Produktionsverfahren gebe es derzeit für das Auftragen der Schichten: „Das thermische Verdampfen, aber das ist teuer, und das Sputtern, das ist auch teuer“, erläuterte Eckert. Hier könne eine galvanische Anlage punkten – sie beschichte im Vergleich zu den bisher üblichen Verfahren weniger teuer und schnell.

Der Enthone-Produktmanager verschwieg allerdings auch nicht, dass auf die Galvanotechnik noch viel Arbeit auf diesem Gebiet wartet: „Derzeit gibt es Bestrebungen, die schwer zu bescichtende Molybdänschicht durch eine galvanisierte Nickelschicht zu ersetzen und weitere Schichten galvanisch zu erzeugen“, erläuterte er. Allerdings müssten die unteren Schichten sehr genau aufgebracht werden, da Gallium bei Raumtemperatur flüssig ist und sich in den Unebenheiten Galliuminseln bilden können. Außerdem müsse man die Prozesse besser in den Griff bekommen: „Eine größere Stufe in der Produktion brachte jedes Mal einen Rückschritt beim Wirkungsgrad“, berichtete Eckert.

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