Gleason Geballtes Verzahnungs-Know-how bot drei Weltpremieren in Ludwigsburg

Redakteur: Peter Königsreuther

Zum zweiten Mal fanden die Gleason-Verzahnungstage in Ludwigsburg statt, wo gleich drei Neuentwicklungen in Sachen Wälzfräsen, -schälen und Profilschleifen zu bestaunen waren.

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Premiere für die Titan 1200 G, die mit automatischem Werkzeugwechsler für deutliche Produktivitätssteigerungen beim Profilschleifen sorge.
Premiere für die Titan 1200 G, die mit automatischem Werkzeugwechsler für deutliche Produktivitätssteigerungen beim Profilschleifen sorge.
(Bild: Gleason)

Ludwigsburg (pk) – Das zweite Gleason-Verzahnungsforum vom 13. bis 15. Juni, bildete den Rahmen zur Präsentation von 17 Maschinen samt passender Peripherie. Darunter gleich drei Anlagen, die erstmals dem Fachpublikum vorgeführt wurden.

Das jüngste Kind heißt Titan 1200 G und wird laut Gleason das Profilschleifen im Bereich großer Zylinderräder in Zukunft deutlich produktiver machen. Grund sei der automatische Werkzeugwechsler für zwei bis vier Schleifscheiben. Der Bediener könne so in weniger als 2 min etwa vom Schruppen auf das Schlichten umrüsten. Die optimierte Software führt zu noch besserer Prozesssicherheit und die Anlage nimmt laut Hersteller jetzt 35 % weniger Platz ein als die vorherige Type.

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Das Highlight in Sachen Wälzfräsen war die Titan 1200 H. Sie bietet eine um 30 % gesteigerte Produktivität, bei um 25 % reduzierter Aufstellfläche im Vergleich zum Vorgänger. Sie bearbeitet Zahnräder von 800 bis 6400 mm Durchmesser mit maximal möglichem Modul von 40 mm. Eine Besonderheit seien die Software- und die Antriebstechnik, die dafür sorgten, dass im Idealfall jetzt 30 % weniger Energie verbraucht wird als beim Vorläufer.

Die dritte Neuheit stellte eine P 90 PS (Power Skiving) dar – eine Wälzschälmaschine für kleinere und mittlere Werkstücke bis Modul 2,5 mm, wie es heißt. Sie gilt als hoch produktive, prozesssichere Anlage zur Herstellung von zylindrischen Innen- und Außenverzahnungen. Die P 90 PS generiere auch geräuschreduzierende Oberflächen, was sie für die Endbearbeitung prädestiniere.

Tägliche Fachvorträge sorgten für weitere aktuelle Infos zum Thema Verzahnung.

Herstellungsalternative: Wälzstoßmaschine

Zu den weiteren Publikumsmagneten zählte auch die GP 300 ES – eine Wälz-Stoßmaschine für die Produktion von innen- und außenverzahnten Werkstücken. Egal, ob schräg- oder geradverzahnt: Die Komponenten können einen maximalen Teilkreisdurchmesser von 300 mm haben. Das Besondere an der Anlage sind die softwaregesteuerte Stoßspindelführung, die verbesserte CNC-Technik und moderne Direktantriebe, die ein zeitraubendes mechanisches Umrüsten überflüssig machen, so Gleason. Asymmetrische Flankenrichtungskorrekturen können laut Hersteller per Knopfdruck eingeleitet werden. Dank eines speziellen Dichtungskonzeptes in der Hydrostatik könne die GP 300 ES auch für die Trockenbearbeitung genutzt werden. Die Anlage soll eine wirtschaftliche Produktionsalternative zum herkömmlichen Stoßen, Räumen oder Stanzen bieten.

Viele Wege zur wirtschaftlichen Verzahnung

Mit der P 90 WM zum Schneckenfräsen steht eine Anlage mit speziellem Fräskopf bereit, die sich laut Gleason durch einen guten Bedienkomfort auszeichnet. Sie könne für die Lohnverzahnung und für die industrielle Serienfertigung gleichermaßen genutzt werden. Ihr Leistungsniveau erlaubt den Einsatz von HM- und HSS-Werkzeugen für die Herstellung von maximal siebengängigen Schnecken in der Güteklasse 6, nach DIN 3975.

Gleason zeigte für den Bereich des Verzahnungshonens von Wellen die 150SPH-L, die mit dem patentierten Spheric-Verfahren arbeitet. Mit ihr können gehärtete Wellen mit einer Maximallänge von 550 mm besonders effizient feinbearbeitet werden, und das in der halben Zeit im Vergleich zu den marktüblichen Honsystemen, betont Gleason.

Die Agilus 180 TH vertrat in Ludwigsburg den Bereich der hochproduktiven Multifunktionsmaschinen. Wie Gleason erläuterte, können mit dem Revolver für zwölf feste oder angetriebene Werkzeuge, Dreh-, Bohr-, Fräs- und Walzfräsoperationen mit abschließenden Anfas- und Entgratungsaufgaben besonders wirtschaftlich erledigt werden.

Eine Kombination aus Wälzfräsen und Entgraten bot die 210HiC der Genesis-Baureihe. Sie verbessere die Trockenbearbeitung für Zylinderräder und Wellen mit einem Außendurchmesser von maximal 210 mm, bei reduziertem Platzbedarf. Die Funktion des Anfasens wurde ebenfalls integriert, wie es heißt. Alle Arbeiten werden zur Präzisionssteigerung in einer Aufspannung durchgeführt, betonen die Experten. Schnellwechselsysteme und ein NC-Ladesystem sollen außerdem für optimierte Taktzeiten sorgen.

Eine neue Maschine aus der Genesis-Reihe war die 400H zum Wälzfräsen, die auf vorhandenem Know-how aufgebaut wurde und für die Klein- und Großserienfertigung geeignet ist. Laut Hersteller wurden die Aspekte Dämpfung, Platzbedarf, thermische Stabilität und Werkzeugwechselfunktion überarbeitet.

Mit Robotertechnik zu neuer Fase

Vor sechs Monaten startete folgendes Projekt mit Manutec: Gleason-Manutec R500CHD. Die Kombinaion von Robotertechnik und Verzahnungswissen hilft nun zu schnellem, automatischen Anfasen von großen Zylinder-, Kegelrädern und Wellen. Die Roboterprogrammierung sei einfach durchführbar und komplexe Programmierungen könnten entfallen, weil ein Tastzyklus für die Zahnlückenerfassung sorge. Das System punktet laut Gleason durch hohe Bahngeschwindikgeiten und präzise definierte Fasen.

Qualitätsprüfung durch neue Messzentren

Mit den Geräten 650GMS und 3000GMS zeigte Gleason auch Systeme zur Verzahnungsmessung. Das 650GMS ist ein Messzentrum für den mittleren Bereich und bietet laut Angaben hohe Anwendungsvariabilität für gerade- oder schrägverzahnte Zylinderräder und Kegelräder mit gerader oder Spiralverzahnung, Schnecken, Schneckenräder und Rotoren. Die 650GMS ist laut Daten für Werkstückdimensionen bis 650 mm Außendurchmesser und 1000 mm Spannlänge ausgelegt und scannt mit einem Tempo von 8 mm/s. Speziell zur Kegelradmessung erfolgt die Adaption von Gitternetzen durch individuelle Eingabe in die Gleason-GAMA-Software für konkave/konvexe Zahnflanken und die Re-Analyse ist vom Messzeitpunkt unabhängig.

Der große Bruder heißt 3000GMS und kann eine Tischbelastung von 19,5 t vertragen. Werkstücke bis 3000 mm sind messbar und speziell für diese großen Teile wurde ein Softwaretool zur vereinfachten Vorausrichtung entwickelt, das den Einsatz der üblichen Messuhr unnötig macht, heißt es weiter. Laut Gleason ist die Aufstellfläche im Vergleich zu Konkurrenzprodukten um 30 % geringer und der Bedienkomfort wird durch ein Handgerät mit Touchscreen, Kamera und VoIP zur Fernwartung optimiert.

Durchwegs positive Resonanz

Der Erfolg der Veranstaltung, die zum ersten Mal 2010 stattgefunden hat, lässt Gleason an ein drittes Verzahnungsevent im Jahre 2014 denken: So kamen insgesamt 425 internationale Besucher von 204 Unternehmen aus 16 Ländern. Das bedeutet eine Steigerung um 15 % im Vergleich zum ersten Verzahnungsforum. Über die Hälfte des Publikums stammte aus Deutschland, gefolgt von Italien, Frankreich, Polen und der Türkei. Aber auch aus Übersee reiste man an: Stark vertreten war der asiatische Raum, mit China, Japan und Korea sowie indien und Indonesien, sowie Fachbesucher aus den USA. Der steigende Erfolg des Verzahnungsforums begründet sich laut Günter Schmidt, dem Werbeleiter von Gleason Sales, vor allem darauf, dass es auf keiner internationalen Messe eine so hohe Zahl von Maschinen mit dem gesamten zugehörigen Peripheriespektrum in Sachen Verzahnung zu erleben gibt.

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