Laser-Blechbearbeitung Glückliche Fügung zum erfolgreichen Schnitt

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Annedore Munde

Sie kennen doch sicher den Spruch von der Jungfrau und ihrem Kinde (nein, wir verweisen nicht auf die biblische Geschichte…). Und Sie wissen wohl auch, dass @blechnet.com eher nicht zu den phrasendreschenden Fachmagazinen gehört. Aber bei der Story über die BLT GmbH in Rethem haben wir uns dennoch die Ausnahme von der Regel erlaubt. Denn nur selten in unserem (Fach-)Journalistenleben haben wir über eine Erfolgsgeschichte berichten dürfen, deren Ursprung so arg vom Zufall beeinflusst war, wie eben jene von Werner Bergmann und seiner BLT.

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Andreas Borchers, Mann der ersten Laserstunde bei BLT: „Die Leistung des Lasers hat für uns als Job-Shop, der sich in allererster Linie durch die Kompetenz im Schneiden definiert, natürlich eine elementare Bedeutung.“
Andreas Borchers, Mann der ersten Laserstunde bei BLT: „Die Leistung des Lasers hat für uns als Job-Shop, der sich in allererster Linie durch die Kompetenz im Schneiden definiert, natürlich eine elementare Bedeutung.“
( Archiv: Vogel Business Media )

In ihrer Gründungszeit hatte die heutige BLT GmbH aus Rethem/Aller so rein gar nichts mit der Metallbearbeitung zu tun. Denn eigentlich war Werner Bergmann im Oktober 1988 in die Selbstständigkeit gestartet, um im Kunststoffbereich „seine Brötchen“ zu verdienen. Doch gut ein Jahr später wollte es der Zufall, dass er mit der Lasertechnik in Kontakt kam – was sich als richtungsweisende Begegnung herausstellen sollte, wie sich Werner Bergmann erinnert: „Ein ehemaliger Kollege hatte sich damals mit bereits zwei Laserschneidmaschinen ebenfalls selbstständig gemacht und eine dritte bestellt, ohne jedoch den nötigen Platz dafür zu haben. Daraufhin entschieden wir im gemeinsamen Gespräch, die Maschine auf meine Rechnung bei uns zu installieren, einen Mitarbeiter einzustellen und auf der Anlage – übrigens eine kompakte ‚Bysmall‘-Mittelformatmaschine ohne Wechseltisch von Bystronic mit 1 500 W gleichstromangeregter Laserleistung – die Aufträge meines Partners abzuarbeiten.“

Das Geschäft lief durchaus gut an – allerdings mit dem Nachteil für Werner Bergmann, dass er zumeist nur die undankbaren, weil schwierigen und margenarmen Aufträge zugeteilt bekam, während sich der Kollege für seine zwei Anlagen die Rosinen aus dem Auftragskuchen herauspickte. So wundert es nicht, dass die ungerechte Steuerung der Aufträge bereits ein Jahr später darin mündete, dass sich die Wege der beiden Ex-Kollegen erneut trennten und jeder fortan eigenverantwortlich seine Zukunft in Angriff nahm.

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Ausbau der Laser-Blechbearbeitung auf Kosten der Kunststofftechnik

Vom Laserschneiden ist Werner Bergmann trotz dieser Negativerfahrung jedoch ebenso wenig abgekommen wie (von einer kurzzeitigen Ausnahme abgesehen) von Bystronic als Maschinenhersteller. Wobei Technologie, Lieferant sowie das Know-how im eigenen Unternehmen offensichtlich glänzend harmoniert haben. So gut jedenfalls, dass man sich 1994 von der Kunststofftechnik komplett verabschiedete und, gestärkt durch eine zweite Laseranlage, fortan ausschließlich auf die Bearbeitung mit dem fokussierten Lichtstrahl setzte.

Vier Laser-Schneidanlagen decken Leistungsspektrum ab

Seitdem hat sich BLT auf dem Weg ins „Hier und Jetzt“ sukzessive einen exzellenten Ruf als Dienstleister im Bereich des Laserschneidens erworben. Auf vier Bystronic-Laserschneidsystemen schneidet man heute Stahlblech bis 40 mm sowie Edelstahl bis 20 mm: auf drei großformatige Bystar-Wechseltischanlagen mit Laserleistungen zwischen 3500 W (vornehmlich für dünnere Materialien) und 6000 W (für schnelles Schneiden großer Blechdicken) und eine „Bystar L“ mit einem stolzen Arbeitsbereich von 2500 mm x 6000 mm und 4 000 W Laserpower.

Selbst beim problematischen Aluminium werben die Rethemer stolz damit, bis 20 mm prozesssicher schneiden zu können – allerdings versehen mit dem Hinweis, dass man hier keine pauschale Garantie abgeben wolle, da es im Detail sehr auf die jeweilige Legierungszusammensetzung des Materials ankomme. Komplettiert wird das Leistungsspektrum durch eine im April 2006 installierte Abkantpresse der Beyeler-PR-Serie (und damit gleichfalls ein Produkt aus der Bystronic-Gruppe) für immer öfter geforderte Anarbeitungen im Bereich des Biegens sowie durch Anlagen zum Entgraten, Verrunden und zum Oberflächenfinish.

An diesen Fakten wird ein entscheidendes Merkmal der Erfolgsgeschichte offensichtlich – dass nämlich mit dem sukzessiven Erfolg auch die Laserleistung kontinuierlich nach oben gegangen ist. Dazu meint Andreas Borchers, Mann der ersten Laserstunde bei BLT: „Die Leistung des Lasers hat für uns als Job-Shop, der sich in allererster Linie durch die Kompetenz im Schneiden definiert, natürlich eine elementare Bedeutung. Denn zum einen lässt sich die höhere Leistung direkt in eine höhere Schnittgeschwindigkeit umsetzen, zum anderen bietet uns eine höhere Laserleistung stets ein hohes Maß an Flexibilität und damit Zukunftssicherheit, was zukünftige Anforderungen unserer Kunden anbelangt.“

Wobei das zuvor zitierte Leistungsspektrum im Laserbereich schon darauf hindeutet, dass bei BLT die Power in erster Linie dazu genutzt wird, größere Materialdicken wirtschaftlich bearbeiten zu können. Das bestätigt Kai-Uwe Voß als technischer Leiter in Rethem: „Unsere natürlich gewachsenen Stärken liegen in der Tat vornehmlich im Bereich dickerer Bleche ab zirka 3 mm aufwärts, mit einem Schwerpunkt der Arbeiten sogar über 8 mm, was natürlich mit unserer Kundenstruktur zu tun hat. So rekrutieren sich unsere Auftraggeber vornehmlich aus Branchen wie der Nutzfahrzeug- und Baumaschinenindustrie oder dem Landmaschinenbau, wo der Bedarf an dünnen Materialien eher eingeschränkt ist.“

Was aber nicht heißt, dass man es im Dünnblech nicht zumindest mal versucht hätte. So wurde nach dem Umzug in neue, großzügigere Räumlichkeiten vor knapp vier Jahren zwischenzeitlich eine hochdynamische Byspeed-Anlage installiert – allerdings mit weniger Erfolg, wie Bergmann eingesteht: „Als die Anlage kam, waren wir zwar voller Hoffnung, aber auch voll mit Aufträgen im Bereich dickerer Bleche, also in einem Bereich, in dem diese Maschine unbestritten der „Bystar“ unterlegen ist.

So kamen gleich zwei Faktoren zusammen – einerseits die eingeschränkten Möglichkeiten der „Byspeed“ im Dickblechbereich und zum anderen die fehlende Zeit, sich um adäquate Aufträge im Bereich dünner und mittlerer Bleche kümmern zu können. Kurzum: Die Anlage passte einfach nicht in unsere Strukturen.“ Konsequenterweise wurde das dynamische Intermezzo denn auch schnell beendet und die „Byspeed“ wieder gegen eine „Bystar“ ausgetauscht.

Zuverlässigkeit und Leistung sprechen für Anlagen von Bystronic

Neben der kontinuierlichen Steigerung der Laserleistung zieht sich demnach noch ein weiterer Aspekt wie ein roter Faden durch die „Histrorie“ des Unternehmens. Dabei hat die hohe Kundentreue zu Bystronic weniger mit romantischen Treueschwüren zu tun als vielmehr mit der guten Langzeiterfahrung in puncto Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Anlagen, wie Bergmann betont: „Für die erste Entscheidung zugunsten von Bystronic war allein der Zufall verantwortlich – wohl aber haben wir uns bei den folgenden Investitionen, nach einem kurzen Abstecher zu einer großformatigen und seinerzeit günstig zu finanzierenden Behrens-Anlage, ganz bewusst und immer wieder für die Schweizer entschieden.

Dabei beeindruckte und beeindruckt uns vor allem auch die enorme Flexibilität der Anlagen. So haben wir beispielsweise schon mit der ersten 1500-W-Maschine 15 mm dicken Stahl in ordentlicher Qualität geschnitten. Und selbst 10 mm dicken Edelstahl konnten wir unseren Kunden damit frühzeitig anbieten – zwar nicht mit oxidfreien Schnittkanten, aber immerhin. Und das wiederum waren Attribute, die sich in der Region sehr schnell rumsprachen und uns kontinuierlich wachsen ließen.“

Allerdings will Bergmann das Lob für den Lieferanten keineswegs als Freibrief missverstanden wissen. „Natürlich schauen wir uns auf Messen und bei Wettbewerbern um, was andere Maschinenhersteller zu leisten imstande sind. Und hier und da findet man immer ein Detail, das mal der eine und mal der andere Anbieter besser gelöst hat. Doch erstens waren das nie die wahnsinnigen Innovationssprünge und zweitens heißt es nicht umsonst, dass derjenige eindeutig besser zu sein hat, wer andere verdrängen will. Und diese Situation war und ist nie eingetreten.

Damit wollen wir aussagen: Im Großen und Ganzen haben die Neu- und Weiterentwicklungen bei Bystronic stets mit unseren steigenden Anforderungen Schritt gehalten – noch dazu in Verbindung mit den Vorteilen einer einheitlichen Programmierung und Bedienung sowie einer einheitlichen und bei Bystronic überaus zuverlässig funktionierenden Serviceorganisation. Und erst recht vor dem Hintergrund, dass wir dreischichtig arbeiten und die Produktion auch dann reibungslos laufen muss, wenn beispielsweise sehr früh morgens um drei Uhr ein Auftrag von der einen zur anderen Maschine zu wechseln ist.“

Besondere Anforderungen liefern Impulse für Innovationen

Wobei BLT teils sogar selbst der Schrittgeber für Maschineninnovationen war, wie Jörg Zechel als Gebietsverkaufsleiter von Bystronic einräumt: „Sowohl Anwender als auch Maschinenhersteller arbeiten doch unter denselben Voraussetzungen, bei denen heutzutage mit 08/15-Leistungen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Eben deshalb können wir nur froh sein, solch einen engagierten Anwender in der Referenzliste zu haben, der nicht nur seine ambitionierten und eben nicht alltäglichen Wünsche offen artikuliert, sondern auch die hohe Kompetenz aus der Praxis hat, mit unseren Konstrukteuren und Entwicklern auf Augenhöhe zu diskutieren.

Dadurch entstehen sowohl in puncto Hardware als auch bei der Software wichtige partnerschaftliche Synergien, die auf beiden Seiten entscheidend zur kontinuierlichen Verbesserung beitragen. Und das kommt letztlich den Kunden bei uns und denen von Bergmann zugute.“

Was deren Struktur anbelangt, spricht Bergmann von einem gesunden Mix aus großen und kleinen Auftraggebern: „Wir scheuen weder das Einzelteil für den Schlosser nebenan noch hochgenaue Serienteile für einen Kunden aus der Bauindustrie oder dem Landmaschinenbau. Der Erfolg resultiert dabei immer aus einer Vielzahl von Leistungsfaktoren, wobei der Preis eindeutig nicht dazu gehört. Hier sind beispielsweise manche Einsteiger weitaus gesprächsbereiter als wir. Wir hingegen haben 17 Mitarbeiter plus drei Aushilfen und sind demnach eine kleine, hochmotivierte Mannschaft, die im 3-Schicht-Betrieb arbeitet. Um Erfolg zu haben, müssen wir versuchen, kompetenter, flexibler, zuverlässiger und in der Summe einfach besser zu sein als andere – was uns gottlob all die Jahre sehr gut gelungen ist.“

Und Kai-Uwe Voß meint zum guten Schluss: „Viel hängt auch davon ab, dass man den Kunden mit seinen Anforderungen ernst nimmt und versucht, sich diese zu eigen zu machen“, um exemplarisch ein Beispiel aus dem Aluminiumbereich zu zitieren. So habe man früher Aufträge zum Schneiden von 20 mm dickem Aluminium zunächst zum Wasserstrahlschneiden abgegeben – aber nur so lange, bis man nach einigem Probieren in der Lage war, solche Aufträge über die eigenen Laseranlagen prozesssicher selbst realisieren zu können. Und siehe da: Wenn man für einen Kunden die schwierigen Aufgaben löst, kommen nicht selten auch die „normalen“ Jobs hinterher.

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