Oberflächenbearbeitung Haarschliff mit Nassbearbeitung verlässlich darstellen

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde / M.A. Frauke Finus

Lechmann Engineering steht für Qualität in der Aluminiumverarbeitung. Zunehmend fertigt das Unternehmen als Zulieferer auch Bauteile für High-End-Audio-Geräte und Life-Style-Produkte. Damit die geforderte hohe Qualität mit Blick auf die Oberflächenhaptik und die Optik verlässlich sichergestellt werden kann, investierte die Berliner Manufaktur jetzt in eine neue Nassschleifanlage.

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Das endgültige Bearbeitungsergebnis des Schliffs ist erst nach dem Eloxal erkennbar.
Das endgültige Bearbeitungsergebnis des Schliffs ist erst nach dem Eloxal erkennbar.
(Bild: Lissmac)

In Verstärkern, Plattenspielern, Lautsprechern und anderen Audiogeräten im Highend-Segment werden oft Aluminium-Komponenten verbaut. Diese wirken nicht nur besonders edel, sondern können durch eine individuelle Oberflächenveredelung auch die Designvorgaben des Herstellers abbilden und Spezifika des Produktes hervorheben. Genau hier setzen die Kompetenzen von Lechmann an. Aluminiumverarbeitung über die gesamte Prozesskette: Zerspanung, Umformung, Oberflächenveredelung und Bedruckung. Doch was so geradeaus klingt, birgt durchaus einige Herausforderungen: Ein hochwertiger Aluminium-Schliff erfordert handwerkliches Know-how – gerade dann, wenn danach noch eloxiert werden soll.

„Die Schleiferei ist bei uns ein ganz entscheidender Punkt mit Blick auf die Kundenanforderungen. Wir sind bekannt für einen hochdekorativen Schliff im hochwertigen Bereich“, sagt Ralf Behrens. Er hat das Unternehmen im Jahr 2007 gekauft und agiert seit 2015 als geschäftsführender Gesellschafter. Zudem engagiert er sich bei der IHK und weiß um die Bedeutung des wertvollen Know-hows seiner Mitarbeiter. „Das Schleifen ist ein Handwerk, welches eine jahrelange Erfahrung erfordert und eine gute Ausbildung des Mitarbeiters. Aber den Ausbildungsberuf Schleifer gibt es leider nicht mehr“, erklärt er. In der Ausbildung werde das Thema nur noch kurz beim Oberflächenbeschichter angesprochen. Also war das Unternehmen auf der Suche nach einer Lösung, die zur Mitarbeiterentlastung beiträgt. Ebenso sollte natürlich die Produktqualität und die Prozesseffizienz sichergestellt werden.

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Hochwertiges Schliffbild ist Qualitätsmerkmal

„Vor diesem Hintergrund haben wir uns schon seit einiger Zeit mit dem Thema Schleifmaschine beschäftigt. Doch uns war klar, dass wir unseren Qualitätsanspruch nur mit der passenden Anlagentechnik halten können“, sagt Christiane Marquardt. Die diplomierte Wirtschafts-Ingenieurin ist seit 2015 im Unternehmen, war zuerst gemeinsam mit Matthias Balz für die Werksleitung zuständig und ist seit 2020 als Prokuristin für die wirtschaftlichen Belange bei Lechmann verantwortlich. Und so waren Marquardt und Balz gemeinsam auf der Suche nach der passenden technischen Lösung.

Im Jahr 2016 kam es dann zu einem Messekontakt mit der Lissmac Maschinenbau GmbH. Mehrere Lösungsansätze standen im Raum. Zuerst lag der Fokus eher auf der trockenen Bearbeitung. Einfach, um die anschließende Reinigung zu sparen. „Natürlich ist das Ergebnis, also das Schliffbild, bei der Trockenbearbeitung bei weitem nicht so optimal, wie beim Nassschliff, insbesondere dem mit Schleiföl. Da es uns jedoch sehr wichtig ist, den Haarschliff darzustellen, haben wir uns im Jahr 2019 mit der Nassschliff-Technik von Lissmac auseinandergesetzt“, nennt Marquardt rückblickend Anforderungen für die Entscheidungsfindung.

Neue Nassschleifmaschine ermöglicht Flexibilität

Entschieden hat sich die Lechmann Engineering dann für eine SMW 535 von Lissmac – eine Schleifmaschine, die im Nassschliff-Verfahren für einen optimalen Oberflächenschliff sorgt. Die Anlage ist über einen Touch-Screen-Terminal einfach zu bedienen und ermöglicht das Speichern von über 10.000 Programmen. Die Schleifbänder können innerhalb von Minuten ausgetauscht werden. Das System ist zudem so konzipiert, dass beide Bändertypen in das gleiche Aggregat passen. Dies bringt eine große Flexibilität und ermöglicht viele unterschiedliche Anwendungen mit einer Maschine.

Weitere Ausstattungsmerkmale sind eine Trocknungsanlage, eine integrierte Filteranlage, eine Transportbandsteuerung sowie diverse Sicherheits-Features wie Türschalter an allen Türen, die Sicherheitsschaltleiste und ein Überdickenschutz. Das Konzept der frei konfigurierbaren SMW 5-Baureihe basiert auf einem soliden Maschinenrahmen und ermöglicht es dem Anwender, die komplette Maschine zu öffnen, damit die Wartung einfach und schnell erfolgen kann.

Verarbeitet wird bei Lechmann nur Aluminium in kleinen und mittleren Serien. Das bedeutet, dass auch die Anforderungen an die Produktionstechnik häufig wechseln. Mit der SMW 535 ist nun vieles einfacher.

So war das Umspannen der Schleifbänder für die unterschiedlichen Anwendungen zeitlich immer sehr aufwendig. Heute wird das in der Maschine nur eingestellt. „Wichtig ist es für uns zudem, geeignete großformatige Bleche zu schleifen. Aufgrund unserer großen Produktvielfalt entscheiden wir hier auch in Abhängigkeit von der Stückzahl, wann die Lissmac-Technik genutzt wird“, sagt Christiane Marquardt. Geschäftsführer Behrens ergänzt: „Die Neuanschaffung hat außerdem zu unserer Portfolioerweiterung beigetragen, denn jetzt können wir den klassischen Industrieschliff anbieten. Außerdem können mittelformatige Bleche mit der neuen SMW 535 nun in einem Arbeitsgang geschliffen werden. Und wir können auch entgraten.“ Dadurch würden die Mitarbeiter körperlich entlastet. Das Entgraten wurde früher oft per Hand ausgeführt, das sei sehr anstrengend. Und am Ende des Prozesses werde jedes Teil geprüft, die Qualität müsse also stimmen, so Behrens weiter.

Ausführliche Versuche waren sehr wichtig

Auch für den Anlagenbauer Lissmac war das sehr spezielle Produktportfolio der Lechmann Engineering durchaus eine Herausforderung. „Es war erforderlich, eine passende Anlage zu konfigurieren, die genau diesen Bedürfnissen gerecht wird. Dafür waren viele Gespräche und Versuche nötig, um die optimale Lösung zu entwickeln. Dass wir dies gemeinsam geschafft haben, darauf sind wir durchaus stolz“, sagt Dirk Schürstedt, Gebietsverkaufsleiter Metal Processing bei der Lissmac Maschinenbau GmbH. Da man das endgültige Bearbeitungsergebnis erst nach dem Eloxal erkennen kann, wurden viele Testbleche von Bad Wurzach zur Begutachtung und zum Eloxieren nach Berlin geschickt. Etwa ein Jahr hat die detaillierte Ausarbeitung des Maschinenkonzeptes und die passgenaue Umsetzung gedauert. „Es war wichtig, so konzentriert vorzugehen. Letztendlich ist eine hochwertige und optimal auf die speziellen Anwendererfordernisse zugeschnittene Anlage entstanden“, unterstreicht Schürstedt.

„Die neue Anlage sollte ursprünglich eine automatisierte Anlage sein, die den Maschinenbestand in einem möglichst großen Umfang integriert. Anfangs wollte ich mich dieser Vorstellung annähern. Einfach, um die bestehenden Techniken miteinander zu verschmelzen. Daher war die Trockenbearbeitung auch der erste Ansatz“, blickt er zurück. Die neue Anlage ist nun jedoch eine Nassschleifmaschine, die nicht mit einem Wasser-Öl-Emulsionsgemisch arbeitet, sondern mit einem reinen Schleiföl. Dieses wird im Prozess gereinigt und immer wieder verwendet. Und genau das bedeutet nicht nur Nachhaltigkeit in der Bearbeitung. Es entsteht auch ein sehr individuelles Schliffbild.

In der Maschine steckt sehr viel Individualität, welche für die Produktions-Anforderungen von Lechmann passgenau konfiguriert und umgesetzt wurde. Das betrifft die Schleifaggregate genauso wie die Schleiftechnik, die Peripherie oder die Leistung. Und zudem wird eine verlässliche Wiederholgenauigkeit in einem definierten Korridor sichergestellt.

Ein wichtiger Punkt auf diesem Entwicklungsweg war Aluminium – das Material, welches Lechmann verarbeitet. „Es gibt verschiedene Aluminiumzusammensetzungen. Da gibt es durchaus Qualitätsunterschiede, die sich dann letztendlich auch im Produkt wiederspiegeln. Also muss vorab getestet werden: die verschiedenen verwendeten Aluminiumarten und -zusammensetzungen sowie der unterschiedliche Schliff“, sagt Behrens. Lechmann setze grundsätzlich Qualitätsmaterial für die hochwertigen Produkte ein. Die Frage sei: Wie verhält sich das Aluminium bei der Bearbeitung. Dass sich Maschinenbauer Lissmac ausreichend Zeit für all die erforderlichen Versuche genommen hat, war für den Geschäftsführer Ralf Behrens sehr wichtig und positiv. Denn jetzt habe das Unternehmen durch diese sehr individuelle Anlage durchaus ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt.

Der Industrieschliff, den Lechmann abdecken muss um das Qualitätsansehen auch weiter auf dem Markt zu gewährleisten, wird durch die neue SMW 535 von Lissmac verlässlich realisiert. Und auch die Mitarbeiter werden entlastet, denn das Vorschleifen kann jetzt die Maschine erledigen.

Doch es galt auch, die erforderliche Fläche für die Maschine zu schaffen, denn die Maschine musste in der Nähe der Schleiferei sein und sollte in die bestehenden Abläufe integriert werden. Letztendlich waren räumliche Umstrukturierungen die Folge. Und Medien wie Druckluft und die Ölleitung in Kombination mit der Reinigung mussten entsprechend verlegt werden. Zudem ist Aluminium hoch explosionsgefährdet. Bei den Umbaumaßnahmen wurde daher auch eine zentrale Absaugeinrichtung installiert. Die Anlage ist nun in-house-explosionsgeschützt.

Aluminiumbearbeitung für High-End-Produzenten

„Mit dem Nassschliff können wir unsere Lechmann-Qualität gewährleisten. Genau diese Qualität wird im Markt von unseren Kunden gefordert und genau deshalb kommen die High-End-Produzenten auch zu uns. Mit der neuen Lissmac-Anlage können wir die Qualität realisieren“, stellt Geschäftsführer Behrens fest. Und auch die Mitarbeiter sind zufrieden mit der neuen Technik. „Einer unserer Schleifer war zu Beginn durchaus skeptisch. Als er jedoch erkannt hat, dass sein handwerkliches Know-how auch beim Einsatz der neuen SMW 535 nach wie vor gefragt ist, war er überzeugt. Und letztendlich ist die körperliche Anstrengung für die Mitarbeiter ja auch deutlich geringer“, erzählt Marquardt. Und nicht zuletzt gewährleistet die Maschine eine einfache Einstellung der komplexen Schleifparameter.

Bestellt wurde die SMW 535 mit der individuellen Konfiguration im September 2020, im Dezember 2020 wurde sie in Betrieb genommen. Seitdem hat sich die Nassschleifanlage bei Lechmann schon vielfältig bewährt und wird für alle Teile mit Industrieschliff eingesetzt.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik