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Digitalisierung

Industrie 4.0 bahnt sich den Weg

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Seitdem vor acht Jahren das Schlagwort Industrie 4.0 auf der Hannover Messe geprägt wurde, ist es zum Begriff für die Zukunft der Produktion schlechthin geworden. Doch wie weit ist diese Zukunftsvision von damals in der Gegenwart angekommen?

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Zwar ist Industrie 4.0 noch nicht überall in der Blechbearbeitung angekommen, doch immer mehr Unternehmen machen sich auf die Reise.
Zwar ist Industrie 4.0 noch nicht überall in der Blechbearbeitung angekommen, doch immer mehr Unternehmen machen sich auf die Reise.
(Bild: Trumpf)

„Die vernetzte Fertigung kommt nicht in Fahrt“, sagt Adrian Raidt, Geschäftsführer für Operations, Partnermanagement und Finanzen bei der Plattform Laserhub. In dieser Tätigkeit hat er durchaus Einblick in den Alltag der Blechfertigung. „Der von mir geschilderte Eindruck entstand bei vielen Gesprächen mit Branchenvertretern sowie bei Vor-Ort-Besuchen bei über 30 Blechbearbeitern. Da wir unsere Partner detailliert auditieren, erhalten wir zudem dort stets aktuelle und tiefreichende Einblicke“, erläutert er auf Anfrage von MM Maschinenmarkt.

Maschinenbau-Barometer: Tief bei der Digitalisierung

Und er ist mit dieser Einschätzung nicht allein: Auch die Unternehmensberatung PWC bemängelte im Sommer in ihrem Maschinenbau-Barometer: „Vor diesem Hintergrund begegnen die deutschen Maschinenbauer der digitalen Transformation weiterhin nicht entschlossen genug.“ Gerade im Herzstück der Branche besteht noch erheblicher Nachholbedarf, wie die Berater berichten: Nur gut ein Drittel der Unternehmen sieht sich bei Produktion, Service sowie Transport und Logistik stark digitalisiert. Immerhin seien viele digitale Anwendungen mittlerweile auf dem Radar. „Der deutsche Maschinenbau muss bei der Digitalisierung die Geschwindigkeit erhöhen. Gerade mit Blick auf die Fortschritte der internationalen Wettbewerber besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei PWC Deutschland.

Doch es gibt auch Anzeichen, dass der Trend zu Industrie 4.0 tatsächlich die Fertigungshallen erfasst. „Die Nachfrage hat sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Viele Kunden schreiben entsprechende Funktionalitäten schon in das Lastenheft ihrer Pressen“, berichtet beispielsweise Dr. Robert Vollmer, Leiter Digital Services bei Schuler.

Auch Trumpf hat seit dem Start seines Tru-Connect-Angebotes Veränderungen am Markt ausgemacht. „Über die Zeit hat sich vor allem das Verständnis im Markt entwickelt, dass Industrie 4.0 eine Fortsetzung der Produktivitätsverbesserung darstellt, auf Basis neuer digitaler Werkzeuge und Lösungsansätze. Von der anfangs häufig empfundenen Fiktion ist das Thema heute voll im unternehmerischen Alltag unserer Kunden angekommen“, sagt Reinhold Groß, Managing Director Sales + Services, Machine Tools beim Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller.

Komplette Systeme statt einzelner Maschinen gefragt

Einen Grund dafür sieht Dr. Christoph Rüttimann, CTO der Bystronic Group, vor allem in einer verstärkten Nachfrage nach voll integrierten End-to-End-Systemen bei seinen Kunden. „Aus diesem Grund wandelt sich Bystronic von einem Einzelmaschinenhersteller zu einem Systemanbieter“, erläutert er gegenüber MM Maschinenmarkt. Sehr wichtig sei dabei, dass Bystronic beim Aufbau von Fertigungssystemen offen für die Einbindung von Fremd- oder Drittanbietern sei. „Damit bieten wir unseren Kunden die größtmögliche Flexibilität“, sagt Rüttimann.

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Dennoch betreibt niemand die Digitalisierung um der Digitalisierung willen. „Im Vordergrund steht sowohl für die Kunden als auch für uns immer der konkrete Nutzen“, sagt Vollmer. Und er erläutert: „Die Veränderungsbereitschaft ist hoch, wenn der konkrete Nutzen erkannt wird.“ „Grundsätzlich ist das Thema aber bei den allermeisten unserer Kunden angekommen“, berichtet Rüttimann; entsprechende Maßnahmen seien eingeleitet oder bereits umgesetzt worden. Er betont aber zugleich: „Nur wenn wir für unsere Kunden passende und sinnvolle Lösungen entwickeln, die für ihr Business-Modell einen klaren Mehrwert erzeugen, ist Industrie 4.0 sinnvoll.“

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