Audi / Schuler

Investition in die Qualität: Retrofit macht Tryoutpresse up to date

| Autor: Frauke Finus

Der Audi-Werkzeugbau ist die Wiege der Qualität des Premium-Autobauers.
Der Audi-Werkzeugbau ist die Wiege der Qualität des Premium-Autobauers. (Bild: Audi)

Pressen,die gut instandgehalten werden, können viele Jahre im Einsatz sein und noch immer gute Werkstücke liefern. Doch trotzdem bleibt irgendwann ein Hauch Qualität auf der Strecke, einfach, weil die Pressen nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Der Premium-Autobauer Audi hat deshalb neun seiner Tryoutpressen im Werkzeugbau von Schuler retrofitten lassen.

Eine Stadt in der Stadt – beeindruckend ist das Areal der Audi AG in Ingolstadt, wo rund 45.000 Menschen arbeiten. Offen und einladend ist das Empfangsgebäude „Markt & Kunde“ gestaltet, hier strömen mit großen Augen Besuchergruppen, Autoabholer und natürlich Mitarbeiter durch. Gar nicht weit dahinter, nur mit Zutrittskarte zu erreichen, stehen die heiligen Hallen des Audi-Werkzeugbaus – hier liegt die Wiege der Qualität des Premium-Autobauers. Kleine Radien, homogene Oberflächen und exakte Maßhaltigkeit sind die Anforderungen bei der Fertigung der Karosserien, dafür wird eng mit Designern, Entwicklern und Planern zusammengearbeitet. Damit die Presswerke bei der Fertigung die gewünschte Qualität ohne viel zeit- und kostenintensive Nacharbeit liefern können, müssen die dort eingesetzten Werkzeuge ebenfalls höchste Qualität besitzen. Genau das zu erreichen, ist der Job von Rafael Dreier, Projektleiter Pressenretrofit und Ingenieur im Kompetenzcenters Anlagen- und Umformtechnik (KCU). Als KCU bezeichnet Audi die Bereiche Werkzeugbau, Anlagenbau, Presswerk sowie Planungstätigkeiten für Blecheinzelteile.

Der Werkzeugbau mit weiteren Standorten in Neckarsulm, Barcelona (Spanien), Győr (Ungarn) und Peking (China) beliefert sowohl Audi als auch andere Marken des Volkswagen-Konzerns mit Umformwerkzeugen und Karosseriebauanlagen. Die Großwerkzeuge wiegen bis 50 t und haben die Maße von 4,5 x 2,5 m. Zunächst als Styropormodell gefertigt, wird der gegossene Block schließlich mechanisch bearbeitet. Seit 2016 wird hierbei eine neue Werkzeuggeneration realisiert, die bis 20 % leichter und zugleich 10 % stabiler ist als die bisherige. Möglich macht das eine ideale Mischung und Verteilung der Materialien Gusseisen, Aluminium und Kunststoff. Neben dem Material macht auch die Konstruktion den Unterschied: Der Belastung individuell angepasste Strukturen verleihen den Werkzeugen Stabilität und sorgen für eine bessere Kraftübertragung sowie für eine hohe Steifigkeit, was bis 20 % Material einspart. Einige Formen der Werkzeuge sind der Bionik folgend an die Natur angelehnt und ähneln beispielsweise Blättern.

Tryoutpressen helfen Werkzeuge produktionsnah einzuarbeiten

„Um die Anlaufkosten neuer Werkzeuge möglichst gering zu halten, ist es wichtig, sie so gut es geht und produktionsnah auf den Serienanlauf bei den Kollegen in den Presswerken vorzubereiten. Deshalb haben wir hier im Werkzeugbau in Ingolstadt drei mechanische und elf hydraulische Einarbeitspressen stehen. Sie helfen uns, neue Werkzeuge so lange fein zu tunen, bis damit ein Gutteil mit Audi-Qualität produziert werden kann. Dabei beurteilen wir Oberflächengüte, kontrollieren Bauteile auf Abweichungen und merzen Ungenauigkeiten aus“, erklärt Dreier im Gespräch mit Blechnet.

Da einige der Pressen in Ingolstadt und Neckarsulm in die Jahre gekommen und auch manche Ersatzteile nicht mehr lieferbar sind, entschied man sich 2015 zu investieren. „Weil der Stahlbau unserer Einarbeitspressen nicht so beansprucht war, hat sich statt einer deutlich teureren Neuanschaffung ein komplettes Retrofit angeboten“, erklärt Karl-Michael Bader, Assistent des KCU-Leiters Jörg Spindler. „So wurde bis auf den Stahlbau bei sechs Pressen in Ingolstadt und bei drei Pressen in Neckarsulm praktisch alles an Elektronik und Hydraulik erneuert.“ Der Projektpartner der Wahl, der das alles im Zeitraum von Sommer 2015 bis Frühjahr 2017 einwandfrei gestemmt hat, war die Schuler Group. Die Göppinger bieten von der Beratung und Planung bis hin zu umfassenden Serviceleistungen nach Abschluss des Projekts alle Retrofitleistungen aus einer Hand. Schuler hatte bereits 2012/2013 die Straße 18 im Presswerk in Ingolstadt geretrofittet.

Im Werkzeugbau wurde nun sowohl elektrisch als auch hydraulisch alles auf den neusten Stand der Technik gebracht. Es wurden für die Mitarbeiter verschiedene ergonomische Aspekte bei der Bedienung der Anlagen umgesetzt und für alle Pressen ein einheitliches Bedienkonzept eingeführt. Energieeffiziente Motoren und eine neue Steuerung von Siemens wurde installiert sowie die Stößelkissenregelung ganz nach Wunsch neu realisiert. „Hier war die Besonderheit, dass wir im Presswerk eine pneumatische Stößelkissenregelung haben, in der Tryoutpresse aber eine hydraulische. Durch die Modernisierung können wir jetzt mit der hydraulischen die pneumatische nachempfinden“, schildert Dreier und fährt fort „Dank des Retrofits sind unsere Anlagen wieder auf dem aktuellen Stand der Technik. Jetzt ist auch die die für uns so wichtige Reproduzierbarkeit wieder gewährleistet.“ Außerdem legten die Fachmänner rund um Dreier Wert darauf, das Pressenkomponenten verwendet werden, die bereits in den Anlagen des Presswerks verbaut sind, um Ersatzteilverfügbarkeit sicherzustellen und gleichzeitig die Lagerhaltung zu reduzieren,

Retrofit während dem laufenden Betrieb

Oliver Baumann, Leiter Vertrieb Schuler Services, berichtet: „Die Anforderung war zunächst in Ingolstadt und dann in Neckarsulm eine Einarbeitspresse nach der anderen zu modernisieren. Dabei sollte der laufende Betrieb so wenig wie möglich gestört werden und die Ausfallzeit der einzelnen Presse so kurz wie möglich gehalten werden.“ Und Dreier ergänzt: „Gerade in Neckarsulm sind die Platzverhältnisse wirklich beengt, wir waren beeindruckt wie die rund 25 Schuler-Kollegen dieses Projekt im gesteckten Zeitrahmen gestemmt haben.“ Und auch als, während das Retrofit bereits lief, von einem findigen Audi-Mitarbeiter eine weitere Idee dazu kam, nämlich eine Multikupplung für die Luftversorgung spezieller Werkzeugfunktionen anstatt einzelner Schlauchverbindungen zu installieren, war das für Schuler kein Problem – sehr zur Freude von Dreier. Und Baumann erklärt abschließend: „Unser hydraulischer Pressenservice verfügt über sämtliche Fachbereiche, um solche Retrofits in Verbindung mit den aktuellen Schuler-Lösungen umzusetzen. Vorteilhaft ist, dass einige unser Spezialisten aus der Konstruktion und Montage die Pressen bereits seit der ersten Aufstellung kennen. Die Pressen sind damit wieder wie neu und erfüllen die aktuellsten Kriterien von Audi.“

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