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ISO 50001: Energiemanagement nicht nur in der Produktion, auch im Büro

| Autor / Redakteur: Aylin Demirel / Frauke Finus

Die Umstellung auf energiesparende Büro-Technologie, wie hier von Epson, eröffnet Möglichkeiten, das Energiemanagement auch über das Produktionsumfeld hinaus zu betreiben.
Die Umstellung auf energiesparende Büro-Technologie, wie hier von Epson, eröffnet Möglichkeiten, das Energiemanagement auch über das Produktionsumfeld hinaus zu betreiben. (Bild: Epson)

Umkämpfte Märkte verursachen verschärften Wettbewerb und erhöhen den Kostendruck. Vor allem Industrieunternehmen mit hohem Energieverbrauch spüren dies. Gefragt ist also ein wirksames Energiemanagement, denn so können sie sich Kosten- und Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Eine durchdachte Ressourcenverwaltung führt insbesondere in energieintensiven Unternehmen allein durch einen gesenkten Stromverbrauch zu einer deutlichen Kostenreduktion. Das ist aber nur die eine Seite. Die deutschen Strom- und Energiesteuergesetze bieten dem produzierenden Gewerbe, Forst- und Landwirtschaftsbetrieben sowie Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs weitere Anreize für ein effizientes Energiemanagement. Sofern die Betriebe ihre Sparanstrengungen gemäß der Norm ISO 50001 zertifizieren lassen, winken ihnen Rückerstattungen bei der Energie- und Stromsteuer sowie eine Reduktion der EEG-Umlage. Doch wo mit den Einsparungen anfangen, damit die Auditoren zufriedengestellt sind? Gerade im produzierenden Gewerbe stehen die Energieverbräuche in der Produktion meist im Zentrum der Bemühungen, wenn es um die Erzielung von Energieeinsparungen geht. Aber auch über Maschinenparks und Fertigungshallen hinaus lohnt sich ein ganzheitlicher Blick. Ein Beispiel: der Einsatz energieeffizienter Büroinfrastruktur.

Wertvolles Einsparpotenzial durch nachhaltige Büroinfrastruktur

Eine Zertifizierung nach ISO 50001 weist einen hohen Standard beim Energiemanagement aus und wird vor allem von Unternehmen des produzierenden Gewerbes angestrebt. Mit gutem Grund: Ob Glasproduktion oder Metallverarbeitung – in Industriebetrieben ist der Anteil der Energiekosten an den Gesamtaufwendungen erfahrungsgemäß sehr hoch. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung verdeutlicht, dass zu den besonders energieintensiven Industriezweigen die Stahl-, Eisen- und Aluminiumindustrie ebenso wie Papier-, Chemie- und Textilindustrie zählen. Diese Unternehmen haben damit traditionell ein Interesse, mithilfe eines sinnvoll aufgestellten Energiemanagementsystems messbare Einsparungen zu erzielen.

Mit der Einführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 können besonders energieintensive Unternehmen ihre Qualifikation für den Spitzenausgleich nach Stromsteuer- und Energiesteuergesetz oder auch für eine Teilbefreiung von der EEG-Umlage belegen. Ob ein Betrieb für entsprechende Vergünstigungen in Frage kommt, entscheidet sich beispielsweise nach der absolut verbrauchten Strommenge und am Anteil der Stromkosten im Verhältnis zur Bruttowertschöpfung (Stromintensität). Insbesondere letzteres Kriterium ist wichtig für eine Reduzierung der EEG-Umlage. Kleinere und mittlere Unternehmen erreichen den Grenzwert von 14 %, aber meist nicht. Als attraktiv bewerten KMU daher die Option, sich durch Zertifizierungen nach ISO 50001 oder alternativ nach EN 16247 für Steuervergünstigungen zu qualifizieren. Dadurch besteht die Aussicht, Zahlungen von Strom- und Erdgassteuer teilweise zurückzufordern. Ausgehend vom Energieverbrauch der Unternehmen sind die insgesamt möglichen Erstattungen immens und erreichen gerade bei energieintensiven Produktionsstätten nicht selten Millionenbeträge.

Schritt für Schritt zum energieeffizienten Unternehmen

Systematisches Energiemanagement beruht zum einen auf der Erfassung der Energieflüsse in einem Unternehmen. Insbesondere Faktoren wie Energiequellen, Energieeinsatz und Energieverbraucher werden hierbei betrachtet. Zum anderen gilt es, den Stand der Energieeffizienz zu bewerten – vor allem der für den gesamten Energieverbrauch bedeutsamen Anlagen und Prozesse. Diese Erfassung bildet die Basis für die Umsetzung sowohl technischer Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz als auch von strategischen und organisatorischen Managementansätzen.

Ziel ist es, Maßnahmen ausfindig zu machen, mit denen die energiebezogene Leistung systematisch und längerfristig verbessert werden kann. Vor diesem Hintergrund sind Anwärter gut beraten, gründlich zu überprüfen, wo in ihrem Betrieb Energieeinsparpotenziale bestehen und wie sie zu realisieren sind. Im ersten Schritt schauen die Unternehmen üblicherweise nach, wie sie den Energieverbrauch in ihrer Produktion reduzieren können. Je nach Branche und Betrieb wird in der Produktion zum Beispiel Strom, Gas, Öl, Prozesswärme und -kälte in unterschiedlichen Mengen benötigt. Es gibt also zahlreiche Stellschrauben. Vergleichsweise einfach ist die Optimierung von Isolierungen von Rohrleitungssystemen, um Verluste von Prozesswärme- oder kälte soweit wie möglich zu vermeiden. Auch die Dichtigkeit von Druckluftsystemen lässt sich relativ leicht prüfen und verbessern. Die Abdichtung von Leckagen reduziert die Last sowie Einsatzzeiten von Kompressoren enorm und sorgt für eine deutlich reduzierte Leistungsaufnahme. Generell müssen alle Maschinen, die elektrisch betrieben werden, auf den Prüfstand. So finden sich in Werkshallen erfahrungsgemäß oft ältere Hydrauliksysteme, Pumpen und Elektromotoren etwa für Antrieb und Förderung von Produkten, deren Austausch durch sparsamere Modelle mit aktuellen Verbrauchsklassen hohe Energieeinsparpotenziale bieten. Auch Klimasysteme für die Temperierung und Belüftung von Gebäuden verbrauchen große Mengen Energie. Sparsame Lösungen sind beispielsweise Freikühlsysteme oder Wärmepumpen, die frei verfügbar Energiequellen wie die Außenluft oder den Erdboden nutzbar machen. Nicht zuletzt erlaubt außerdem die Anpassung von Arbeits- und Produktionsprozessen etwa die effizientere Steuerung von Anlagen oder die Verkürzung von Transportwegen die Schonung von Ressourcen.

Je ehrgeiziger die Einsparziele, desto detaillierter die Analyse

Um eine erfolgte Zertifizierung nach ISO 50001 zu behalten, müssen sich Unternehmen alle drei Jahre einem großen Audit stellen. Dazwischen finden jährlich Überwachungsaudits statt. Dabei wird überprüft, ob das eigentliche Ziel des Energiemanagementsystems, also die kontinuierliche Verbesserung in der Ressourcenschonung, unter anderem durch Umsetzung praktischer Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, Steigerung der Energieeffizienz et cetera, erreicht wird. Dies führt dazu, dass nach jeder größeren Einsparung immer feingliedrigere Maßnahmen gesucht und angestoßen werden. Beispielsweise wird im ersten Schritt ein Austausch bestehender Halogenleuchten in den Produktionshallen durch LED-Systeme durchgeführt. Im zweiten Schritt lassen sich dann durch Kopplung der neuen Beleuchtung mit Bewegungsmeldern sowie einer intelligenten tagesezeitabhängigen Steuerung weitere Einsparungen erzielen. Ein ähnliches Vorgehen ist auch bei Fördersystemen möglich: Zunächst senkt die Umstellung auf frequenzgeregelte Antriebsmotoren den Energieverbrauch beim Anfahren der Förderer; eine Nachrüstung von Sensorik zu einem späteren Zeitpunkt sorgt dafür, dass die Anlagen nur laufen, wenn sich Gegenstände darauf befinden.

Die Erfahrung zeigt, dass irgendwann ursprünglich hohe Einsparpotenziale in der Fertigung und den unmittelbar daran angeschlossenen Bereichen nur noch gering sind. Um trotzdem weiterhin eine Verbrauchsreduktion erzielen und dokumentieren zu können, empfiehlt sich der Blick aus der Fabrikhalle in die Büros. Office-Technologie ist in jedem Unternehmen anzutreffen, steht allerdings in der Praxis oft ganz unten auf der Liste bei den Einsparbemühungen. Ein Grund ist, dass gerade im produzierenden Gewerbe die Energieverbrauchswerte in der Produktion oftmals so hoch sind, dass andere Bereiche aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Verbräuche vernachlässigt werden. Geräte wie Drucker und Kopierer, die nicht selten auf dem Flur oder in separaten Räumen untergebracht sind, fallen oft genug dem simplen Grundsatz „Aus den Augen, aus dem Sinn“ zum Opfer – unter Gesichtspunkten des Nachweises ganzheitlicher Energiesparaktivitäten ein Versäumnis. Beispiel Druckerflotte: Neben einer ganzen Reihe umweltschonender Vorteile wie der Reduktion von CO2-Emissionen lässt sich der Stromverbrauch durch Tintenstrahltechnologie im Vergleich zum Laserdruck um bis zu 96 % verringern. Eine beeindruckende Zahl, die den Aspekt eines umfassenden Umweltschutzgedankens dokumentiert und zu einer wertvollen Option für das Energiemanagement sowie der Zertifizierung nach ISO 50001 wird.

Neue Chancen und Ziele auch für Dienstleistungsunternehmen

Bei genauem Hinsehen wird deutlich: Die Umstellung auf energiesparende Büro-Technologie eröffnet Möglichkeiten, das Energiemanagement auch über das Produktionsumfeld hinaus zu betreiben. So ergeben sich neue Möglichkeiten für regelmäßige Audits im Kontext der gängigen Zertifizierungen. Wenngleich dies bislang in erster Linie für das produzierende Gewerbe interessant war, führt die neue CSR-Richtlinie, die seit 2017 beispielsweise auch für kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungen ab 500 Mitarbeitern gilt, auch in der Dienstleistungsbranche zu Veränderungen. Im Zuge des sogenannten Non-Financial Reportings müssen die Unternehmen ihre Leistungen in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeiter, Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Diversity dokumentieren. Hier eröffnet sich ihnen die Option, auch Energiesparinitiativen zu präsentieren und damit den umfassenden Ansatz des Unternehmens aufzuzeigen, auch abseits von Produktionsstätten nachhaltig zu agieren.

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