Wer macht`s jetzt? Kompostierbares Composite aus Stroh

Redakteur: Peter Königsreuther

Dass man die bekannten Faserplatten für Möbel & Co. auch umweltfreundlicher herstellen kann, beweisen Forschende an der Universität Stuttgart. Jetzt braucht es nur noch einen Hersteller.

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Das ist eine, wie man leicht erkennt, recht flexible Faserplatte. Sie ist aus Stroh. Das Besondere ist, dass dieses Biocomposite ohne Kunstharz hergestellt werden kann, wie das Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH mitteilt.
Das ist eine, wie man leicht erkennt, recht flexible Faserplatte. Sie ist aus Stroh. Das Besondere ist, dass dieses Biocomposite ohne Kunstharz hergestellt werden kann, wie das Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH mitteilt.
(Bild: Dahy / Uni Stuttgart)

Nachhaltige Werkstoffe prägen immer stärker auch die Möbelindustrie. Die bisher genutzten Faserplatten (HDF) werden aber oft mit formaldehyd- und isocyanathaltigen Zusätzen hergestellt, sagen die Forschenden. Auch lasse ihre Flexibilität zu wünschen übrig, weshalb dem Design Grenzen gesetzt würde. Herkömmliche Platten können immerhin zwar recycelt werden, sind aber aufgrund der Zusätze nicht kompostierbar.

Dr. Hanaa Dahy, Junior-Professorin am Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) an der Universität Stuttgart, hat nun, wie es weiter heißt, eine neuartige, völlig flexible Faserplatte entwickelt, die aus schnell nachwachsenden Rohstoffen besteht – nämlich Stroh!

Kein Gold aus Stroh – dennoch ein Schatz

Die Erfindung ist patentrechtlich geschützt und wurde kürzlich unter dem Namen „Bioflexi“ als Marke eingetragen. Das Material enthalte rund 80 bis 90 Prozent Stroh. Durch den niedrigen Rohstoffpreis, weil Stroh überall verfügbar sei, könne „Bioflexi“ im Möbelbau und für architektonische Freiform-Applikationen auf monetär interessant sein. Die Herstellung klappe mit üblichen Produktionsmethoden. Das Stroh und ein Biopolymer werden per Extruder compoundiert und je nach Anwendung anschließend gepresst. Deckschichten fixierten das Ganze in der gewünschten Form, so die weitere Erklärung.

Außerdem stehe Stroh nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Die Faserplatten können aus Weizen-, Mais, Reis-, Hafer-, Gersten- oder Roggenstroh gefertigt werden. Aus Reisstroh hergestellt, haben die Faserplatten den zusätzlichen Vorteil, dass ihr Silikatanteil bis zu 20 Prozent des Trockenfasergewichtes erreicht, so Dahy. Weil Silikat ein natürlicher wirkender, flammwidriger Stoff ist, wird die DIN 4102-B1 Materialklassifikation „schwer entflammbar“ bereits durch Zusatz rein mineralischer Additive erfüllt, betont die Forscherin.

Strohfaserplatten können funktionalisiert werden

Die Matrix, also das Bindemittel, ist ein thermoplastisches Elastomer. Durch den Zusatz verschiedener Bindemittel kann sowohl die Flexibilität als auch die Stabilität der Platten für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten variiert werden. Durch verschiedene auflaminierbare Beschichtungen können die Platten auch wasserfest gemacht werden. Farbige Laminate sind auch möglich, um dem Ganzen auch eine optische Attraktivität zu verleihen.

Neuartige Faserplatte vermeidet Abfall zweifach

Bioflexi könne zu frei geformten Möbeln und Trennwänden, aber auch zum Bodenbelag mit rutschhemmenden und schlagabsorbierenden Eigenschaften verarbeitet werden. Zum Ende der Nutzungsdauer sind Wiederverwertung und sogar Kompostierung der Faserplatte möglich. Das vermeide Abfall gleich doppelt, betont Dahy: erstens bei der Produktion durch die Nutzung von landwirtschaftlichen Restfasern und zweitens durch Kompostierung am Ende des Produktlebenszyklus.

Wo ist der richtige Partner für die Bioflexi-Plattenherstellung?

Patente für die flexible HDF-Platte wurden in den USA (US 10,137,596 B2) und Europa (EP 2965882 B1) erteilt (validiert in DE, FR, GB & NL) sowie in Malaysia angemeldet. Die TLB GmbH bietet Unternehmen Möglichkeiten zur Lizenzierung der patentierten Technologie oder unter Umständen des Kaufs der Schutzrechte. Bislang existieren jedoch nur kleine Probestücke davon. Zur Markteinführung dieser Bioflexi-Faserplatte sucht TLB nun im Auftrag der Universität Stuttgart Partner aus der Industrie, die eine solche Platte herstellen können. Denkbar sind Unternehmen, die Erfahrung mit der Herstellung von Faserplatten haben oder solche, die Naturmaterialien verarbeiten und über dementsprechende Maschinen verfügen. Ideal wären Player, die sich mit der Compoundierung von Faser und Biopolymer sowie der anschließenden Extrusion der Platten auskennen.

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