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BVS / Amada

Laserschneiden und Biegen: Vernetzt gefertigt in einer Big Box

| Autor: Frauke Finus

Laserschneiden, Umformen, Biegen ohne Anschlag, Gewindeformen – alles in einer Aufspannung. Vernetzte Fertigung lebt die BVS Blechtechnik mit der Laserschneid- und Biegekombi Lasbend AJ von Amada. An der Entwicklung der Anlage war der Auftragsfertiger aus Böblingen einst beteiligt.

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BVS kann auf der Lasbend AJ von Amada Platinen bis zu einer Größe von 600 x 400 mm, einer Dicke bis 4 mm und einem Gewicht von maximal 7,5 kg bearbeiten.
BVS kann auf der Lasbend AJ von Amada Platinen bis zu einer Größe von 600 x 400 mm, einer Dicke bis 4 mm und einem Gewicht von maximal 7,5 kg bearbeiten.
( Bild: Finus/VCG )

Vorne geht die Mittelformattafel rein, hinten kommt ein fertig geschnittenes und gebogenes Bauteil raus. Klingt wie Zauberei – ist es aber nicht. Was wie eine Zauberbox aussieht, ist eine Lasbend AJ von Amada. Sie steht bei der BVS Blechtechnik in Böblingen. An der Entwicklung dieser Laserschneid- und Biegekombi war BVS-Geschäftsführer Harald Steiner selbst beteiligt. Er fängt regelrecht an zu schwärmen, wenn er von den flexiblen Fertigungsoptionen spricht, die ihm die Lasbend AJ ermöglicht. „Laserschneiden, Umformen, Biegen ohne Anschlag, Gewindeformen – alles in einer Fertigungszelle, gesteuert über einen einzigen Bildschirm und vor allem ohne das jemals auch nur ein Mensch eine Hand angelegt hat“, ist Steiner begeistert. „Das ist Smart Factory!“

Gemeinsam von Anwender und Maschinenbauer entwickelt

BVS entwickelt und produziert Bauteile und ganze Baugruppen aus Feinblech vom ersten Schnitt bis zum letzten Schliff in Auftragsfertigung. Im großen Maschinenpark stehen einige Anlagen von Amada. „Ich sehe es heute noch vor mir, wie Amada-CEO Mitsuo Okamoto, der uns im Jahr 2011 hier besucht hat, in unserer Halle steht und zu seinem Team sagt ,listen to the customer´s voice!`“, berichtet Steiner lächelnd. Und das taten diese, denn Steiner hatte klare Wünsche und Vorstellungen, was er für eine Maschine braucht. Das war der Anstoß für die Gemeinschaftsentwicklung der Lasbend AJ von BVS und Amada. Für diese gewannen die beiden Partner im Jahr 2012 den Euroblech-Award für eine beispielhafte Hersteller-Kunden-Produktentwicklung. Involviert war auch damals schon Vlado Srsan. Der Maschinenbediener kennt, schätzt und liebt seine Anlage. Quasi von den Kindesbeinen der Lasbend AJ an war er mit dabei, so flog er damals für BVS rüber nach Japan, um an der Entwicklung mitzuarbeiten. „Von Losgröße 1 bis Serienfertigung können wir komplexe Werkstücke flexibel fertigen“, so Srsan und fährt fort, während er verschiedene auf der Anlage gefertigte Werkstücke zeigt, bei denen zwei Seiten überlappen und mit einem exakt übereinander liegenden Gewindeloch versehen sind: „die Wiederholgenauigkeit ist sehr hoch. Außerdem biegen wir auf der Lasbend AJ auch kleine Teile anschlagsfrei. Und der Faserlaser ermöglicht uns auch die Bearbeitung von Buntmetallen wie Kupfer oder Messing.“

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BVS hat Standort in Schwerin eröffnet

Das neue Werk der BVS Systemtechnik ist vergangenen Sommer mit Gästen aus Politik und Wirtschaft in Schwerin eingeweiht worden.

Am Festakt nahm neben 120 geladenen Gästen und der Geschäftsleitung der BVS Systemtechnik, vertreten durch Harald Steiner, auch die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, teil.

Auf einer Gesamtfläche von rund 4.000 m2 sind in Schwerin eine Stanzlasermaschine, Biegemaschinen, Anlagen zum Entgraten, Schleifen und Entfetten, Niet- und Einpressmaschinen sowie Montageplätze installiert. Für den Neubau und die Ausstattung mit einem hochmodernen Maschinenpark hat BVS eine Investitionssumme von 8 Mio. Euro in die Hand genommen.

Das Team der BVS Systemtechnik fertigt Feinblech-Erzeugnisse in Serie sowie Prototypen. „Wir wollen neue Projekte für die elektrotechnische Industrie oder Medizinelektronik hier im Werk einplanen. Aktuell stellt die BVS Systemtechnik umfangreiche Centerkonsolen und Zubehörteile in strategischer Partnerschaft mit dem Flugsitzlieferanten ZIM her“, so Harald Steiner.

Voll automatisiert gefertigt von der Platine zum Bauteil

Alle Prozesse der Lasbend AJ sind vernetzt. Im ersten Schritt schneidet der Faserlaser Teilplatinen. Dies geschieht vertikal. Die Handlingseinheit, die aus Scara-Robotern, Greifern, Schlitten und Lager besteht, befördert die Teilplatinen weiter. Je nach Bauteil folgen die Gewindeeinheit, das Umformen (zum Beispiel das Prägen von Kontaktwarzen) und die Biegeeinheit, die neben Einzel- auch Gruppenbiegungen durchführen kann. Das Besondere daran: die Biegeeinheit dreht sich um die Platine. Der automatische Werkzeugwechsler mit einer Magazinkapazität von 37 Plätzen innerhalb des Biegemoduls ermöglicht die Abarbeitung komplexer Werkstücke ohne manuellen Eingriff. „Wir können Platinen von 250 x 250 mm bis zu einer Größe von 600 x 400 mm, einer Dicke von 0,7 bis 4 mm und einem Gewicht von maximal 7,5 kg beim Biegen bearbeiten. Reine Laserteile können von der Mittelformattafel mit 2500 x 1250 mm als Platinen geschnitten werden“, erklärt Srsan und entnimmt der Zauberbox eine fertige Teilplatine. „Die einzige händische Tätigkeit des Fertigungsprozesses ist jetzt nur noch das Herauslösen aus der Platine.“

BVS fertigt heute auf der Lasbend AJ Bauteile, bei deren Geometrien Amada zunächst nicht dachte, dass diese überhaupt realisierbar sein könnten. Steiner und Srsan sind sich einig über die Genialität der Anlage. Drum ist es auch nicht verwunderlich, dass Steiner schon über die nächste Amada-Investition nachdenkt.

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