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So wird Ihre Weihnachtsansprache garantiert zum Ohrenschmaus

| Redakteur: Jürgen Schreier

Für Weihnachtsfeiern und Neujahrsempfänge gilt in den meisten Unternehmen: Ansprachen des Chefs sind Pflicht. Nicht selten aber fragen sich die Zuhörer schon nach wenigen Sätzen: Wann wird endlich das Buffet eröffnet? Das muss nicht sein! Gut vorbereitet, können solche Ansprachen das Publikum begeistern.

Der Saal ist geschmückt, das Buffet ist aufgebaut. Und die Gäste sind in eleganter Garderobe erschienen. Dann tritt der Redner ans Pult und spricht die ersten Worte. Alle lauschen gebannt. Doch nach wenigen Sätzen erlahmt ihr Interesse. Und jeder fragt sich: Wann wird endlich das Buffet eröffnet?

Dieses Phänomen kann man in den kommenden Wochen wieder häufig beobachten. Denn die Ansprache des Chefs oder Firmeninhabers gehört ebenso obligatorisch zum Programm einer Weihnachtsfeier wie der anschließende gemeinsame Festschmaus. Ähnlich ist es bei Neujahrsempfängen für Kunden, Verbands- und Vereinsmitglieder. Auch hier sind bei diesen Events festliche Ansprachen Pflicht – obwohl die Zuhörer sie meist eher als fade Beilage denn als kulinarischer Ohrenschmaus empfinden. „Dabei blicken die Zuhörer der Rede meist durchaus gespannt entgegen“, weiß Rhetoriktrainer Ingo Vogel aus Esslingen – „sofern sie nicht aus den Vorjahren schon die langatmigen Ansprachen des Chefs oder Verbandsvorsitzenden kennen.“ Entsprechend leicht könnten Redner ihr Publikum begeistern, wenn sie es denn könnten.

Untersuchungen zeigen: Der Erfolg einer Rede hängt vor allem davon ab, ob der Redner den Zuhörern sympathisch ist. Wichtig ist auch die Dramaturgie. Recht gering ist hingegen die Bedeutung des Inhalts, worauf die meisten Redner besonders achten. Daraus folgt: Ein Redner muss den Draht zum Publikum finden und seine Inhalte gut verpacken.

Die Zuhörer als Person ansprechen

Doch wie gewinnt ein Redner die Sympathie der Zuhörer? „Er muss authentisch wirken und die Rede muss zu ihm passen“, betont die Wiener Managementtrainerin Sabine Prohaska. „Unglaubwürdig wirkt es, wenn ein Kleingeist sich plötzlich als Witzbold präsentiert oder ein Einzelkämpfer sich verbal mit den Anwesenden verbrüdert.“

„Ein guter Redner nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise“, erklärt Prohaska – zum Beispiel durch das vergangene Jahr. Also sollte er zunächst erkunden: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und wer nimmt daran teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm festlegen. Ein weiterer Tipp: „Überlegen Sie sich im Vorfeld: Wer sitzt mir gegenüber?“ Sind die Zuhörer Mitarbeiter, sollte die Rede anders konzipiert sein als wenn sie sich an Kollegen wendet. Ebenfalls wichtig: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Arbeiten sie zum Beispiel im Alltag zusammen? Dann haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die Sie sich beziehen können. Sehen sich die Zuhörer hingegen nur ein Mal pro Jahr, „müssen Sie auf andere Elemente zurückgreifen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden“, so Thomas Hönscheid, Redenschreiber aus Darmstadt. Etwa die Entwicklung in der Branche.

Auch mit den Augen kommunizieren

Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern –unter anderem, indem er häufig Blickkontakt mit dem Publikum sucht. „Deshalb sollten Sie Ihre Rede so frei wie möglich vortragen“, empfiehlt Ingo Vogel. „Und sprechen Sie die Zuhörer immer wieder persönlich an.“ Vogel schlägt, die Zuhörer mit rhetorischen Fragen „Denken Sie zuweilen auch, ...?“ oder „Geht es Ihnen wie mir ...?“ einzubinden.

Je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie zumeist. Eine Rede auf einer Weihnachtsfeier sollte maximal zehn, fünfzehn Minuten dauern und höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Diesen Merksatz gibt die Hamburger Management- und Kommunikationstrainerin Julia Voss Rednern mit auf den Weg. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht rosigen Zeiten entgegen. Und: Dass es uns so gut geht, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeiter. Für das inhaltliche Planen der Rede empfiehlt Sabine Prohaska die Mindmap-Methode. Dazu schreibt man in die Mitte eines Blattes Papier zunächst das Thema oder den Anlass der Rede, zum Beispiel „Weihnachtsfeier 2010“. Dabb notiert man entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was einem zum Thema einfällt, etwa Umsatzentwicklung“, „Dank an Mitarbeiter“, „Neue Produkte“. Anschließend wird entlang von Seitenarmen dieser Linien alles notiert, was zu diesen Stichworten passt.

Das große Finale anstreben

Besonders sorgfältig sollten Redner den Anfang und das Ende ihrer Rede planen. Denn wie aufmerksam das Publikum zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Ingo Vogel: „Starten Sie zum Beispiel mit einer Anekdote oder einem Witz.“ Ein gelungener Einstieg lässt das Publikum aufhorchen. Danach sollte die Rede wie ein Feuerwerk auf ein großes Finale hinstreben, das dem Publikum im Gedächtnis bleibt. Sicherheit gewinnen Redner vor allem durch eine gute Vorbereitung. Hierzu zählt das laute Üben der Rede. Speziell den Einstieg, das Ende sowie die Übergänge zwischen den einzelnen Passagen sollten Redner so lange üben, bis sie diese im Schlaf aufsagen können. MM

* Andreas Lutz ist Fachjournalist in 64285 Darmstadt, Tel. (06151) 896590, Fax (06151) 896592, www.die-profilberater.de.

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