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Forschungsprojekt Sprachassistent für die Industrie

| Redakteur: Simone Käfer

Das Projekt „Speaker” soll einen Sprachassistent entwickeln, der dem deutschen Datenschutz gerecht wird und für industrielle Anwendungen geeignet ist.

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Alexa ist wohl die bekannteste Sprachassistentin. Deutsche Forscher wollen nun für die Industrie einen eigenen Sprachassistenten entwickeln.
Alexa ist wohl die bekannteste Sprachassistentin. Deutsche Forscher wollen nun für die Industrie einen eigenen Sprachassistenten entwickeln.
(Bild: gemeinfrei (Hamburgfinn, Pixabay) / Pixabay )

Eine Sprachassistenzplattform, die Unternehmen datenschutzkonform, sicher und ihren Bedürfnissen entsprechend nutzen können, ist das Ziel des Forschungsprojekts „Speaker“. Für welche Aufgaben verwenden Unternehmen einen Sprachassistenten à la Alexa oder Siri? Verwaltungs-, Prüf- und Serviceprozesse sollen mit dem Sprachassistenten künftig effektiver sein. Die Wissenschaftler des Projekts stellen sich den Assistenten in der Automobilindustrie vor. Dort könnte er bei der digitalen Inspektion und Qualitätssicherung von Maschinen und Fahrzeugen helfen. Im Gesundheitssektor wiederum ließe sich der Sprachassistent zur Unterstützung von Ärzten und Pflegefachkräften einsetzen, zur Gerätebedienung, Diagnostik und Dokumentation. Auch für die Wissenschaft hätte der digitale Helfer Vorteile: „Der Sprachassistent könnte uns künftig ermöglichen, zeitsparender neue Forschungsfragen anzugehen und aus vorhandenen Forschungsergebnissen zu lernen“, erklärt Prof. Dr. Axel-Cyrille Ngonga Ngomo. Der Informatiker leitet das am Projekt beteiligte Paderborner Forscherteam.

Datenschutz nach europäischen Vorgaben

Das könnten die bestehenden Sprachassistenten sicherlich auch. Trotzdem gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit rund 17,6 Mio. Euro für das Projekt „Speaker” aus. Warum? „Ein Großteil der bisherigen auf Basis von künstlicher Intelligenz arbeitenden Sprachassistenzlösungen wird von US-amerikanischen und asiatischen Unternehmen entwickelt”, so Ngonga. „Doch diese Assistenten sind in den Bereichen Datensicherheit und Datensouveränität kritisch zu sehen: Sie erfüllen nicht immer die europäischen Datenschutzstandards und es ist unklar, wie und wo die Daten, die sie sammeln, gespeichert werden. Ihr Einsatz in Unternehmen ist daher problematisch.“ Bei „Speaker“ entsteht daher eine deutsche Sprachassistenzplattform, die der Datenschutz-Grundverordnung der EU entspricht. Sie soll es Firmen ermöglichen, personenbezogene und unternehmensinterne Daten besser zu schützen und sicher auszutauschen.

Der Sprachassistent soll mit offenen Schnittstellen zu Datenbanken ausgestattet werden, mehrsprachig programmiert und modular erweiterbar sein. So kann er leicht an die jeweiligen Bedürfnisse eines Unternehmens angepasst werden.

Daten offline abrufen

In Paderborn konzentriert man sich auf den Offline-Modus des Assitenten. „Der Assistent soll in der Lage sein, Nutzern auch im Offline-Modus die Daten und Informationen, die sie benötigen, zur Verfügung zu stellen,“ sagt Ngonga. Dafür wird er unter anderem mit Informationen aus sogenannten Wissensgraphen gefüttert. Ein Wissensgraph ist ein Datensatz, in dem Informationen strukturiert aufgearbeitet sind. Aus ihnen lässt sich dann automatisch Wissen gewinnen.

Der intelligentere Assistent

Ebenfalls interessant für Ngonga und sein Team ist das Thema Datenintelligenz der künftigen Sprachassistenzplattform: „Bisherige Sprachassistenten basieren schon auf sehr leistungsfähigen Question-Answering-Systemen und ausgeklügelten Algorithmen. Beim Beantworten von komplexen Fragen stoßen sie aber an ihre Grenzen. Unsere Sprachassistenzplattform soll hier wesentlich mehr leisten.“ Im Speaker-Projekt werden daher führende Technologien aus Bereichen wie Spracherkennung, Audiovorverarbeitung und Sprachsynthese mittels künstlicher Intelligenz, insbesondere dem maschinellen Lernen, kombiniert.

Während der dreijährigen Laufzeit von „Speaker“ werden erste Pilotanwendungen individueller Sprachassistenten basierend auf der Sprachassistenzplattform von den am Projekt beteiligten Unternehmen in der Praxis getestet. Das von den Fraunhofer-Instituten für Integrierte Schaltungen (IIS) und für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) geleitete Projekt startete Anfang April 2020. Beteiligt sind Großunternehmen, Mittelständler, Start-ups und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland.

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