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Strahltechnik

Strahlanlage automatisiert die Oberflächenbearbeitung kompletter Strahlkonstruktionen

| Autor/ Redakteur: Josef Kraus / Josef-Martin Kraus

Seit kurzem ist Europas größte Strahlanlage in der Pulverbeschichtung in Betrieb – zur automatischen Oberflächenbearbeitung von Stahlkonstruktionen vor dem Lackieren. Anwendungen für die Schleuderrad-Anlage werden insbesondere im Industriebereich gesehen. Dort werden zunehmend komplette Konstruktionen mit Pulverlack beschichtet.

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In Europas größter Schleuderrad-Strahlanlage in der Pulverbeschichtung werden die Oberflächen großer Stahlkonstruktionen bearbeitet. Bild: Allco Finishing
In Europas größter Schleuderrad-Strahlanlage in der Pulverbeschichtung werden die Oberflächen großer Stahlkonstruktionen bearbeitet. Bild: Allco Finishing
( Archiv: Vogel Business Media )

Mit der Schleuderrad-Strahlanlage von Agtos soll bei Allco Finishing der große Wurf gelingen. Entsprechend groß ist die Anlage ausgelegt: 32 m × 5 m × 5 m. Das sind die Gesamtabmessungen, die Raum schaffen für eine automatische Oberflächenbearbeitung großer, kompletter Stahl- und Blechkonstruktionen. Das hat es bei der mechanischen Vorbehandlung zur Beschichtung mit Pulverlack in Europa noch nicht gegeben.

Agtos schließt Marktlücke

Darin steckt für den belgischen Lohnbeschichter im Gewerbegebiet Hoge Mauw von Arendonk eine Marktlücke, in die er jetzt stoßen will. „Wir haben daher in Europas größte automatische Strahlanlage in Verbindung mit einer Pulverbeschichtung investiert“, erläutert Jules Marien, Betriebsleiter bei Allco Finishing. Seit fünf Monaten ist die Anlage in Betrieb, um Oberflächen zu reinigen und für eine bessere Lackhaftung aufzurauen.

Diese Vorarbeiten wurden zuvor von Hand mit einer Druckluft-Strahlpistole erledigt und war laut Marien mit lauter manuellen Schritten verbunden. So mussten die Stahl- und Blechkonstruktionen per Stapler in den Strahlraum gefahren, hingelegt und gedreht werden. Nach dem Strahlen holte sie der Stapler ab und brachte sie zur Beschichtungskabine, wo sie von Hand auf einen Hängeförderer kamen.

Hängeförderer übernimmt gesamten Transport der Agtos-Anlage

Inzwischen übernimmt der Förderer den gesamten Transport: vom Vorbereitungsplatz vor der Strahlanlage bis zum Abkühlbereich nach dem Beschichten und Einbrennen im Ofen. Nur bei kleineren Gestellen und dünnen Blechen verläuft alles in den gewohnten Bahnen. Das ist zum Beispiel bei Gestellen für Turnierkutschen der Fall. Jede Woche wird bei Allco Finishing eines beschichtet.

Begonnen hat man dort allerdings mit Anwendungen zum Nasslackieren im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten. Heute werden auch Erstlackierungen vorgenommen, besonders bei Lkw-Führerkabinen, die man in kleinen Stückzahlen fertig beschichtet und poliert. Jedoch auch Sportflugzeuge haben bei Allco Finishing schon einen neuen „Anstrich“ erhalten.

Automatisierung führt zu Wettbewerbsvorteilen

Mit der Agtos-Strahlanlage wurde nun eine erste Prozessautomatisierung vorgenommen. Davon verspricht man sich Rationalisierungseffekte, die zu Wettbewerbsvorteilen bei der Pulverbeschichtung von Stahlkonstruktionen führen sollen. Dabei hat Marien den Industriebereich im Visier, vor allem den Maschinen und Anlagenbau: Dort seien zunehmend Konstruktionen „als Ganzes“ zu beschichten.

In diesem Anwendungsbereich sieht Marien für den 15-Mann-Betrieb Zuwachsraten, so dass die Anlage ab diesem Jahr ausgelastet werde. Ein deutsches Service-Unternehmen im Kranbau sei aufgrund der erhöhten Anlagenkapazität auf Allco Finishing schon aufmerksam geworden, berichtet der Betriebsleiter.

Oberflächenbearbeitung ohne Wechsel der Aufhängung

In der Agtos-Anlage werden bis zu 16 m lange, 3,5 m hohe und breite Konstruktionen allseitig gestrahlt. Damit das in einem Durchgang – ohne Wechsel der Aufhängung – möglich ist, sind 16 Schleuderräder im Strahlraum installiert: acht Räder auf beiden Seiten, von denen sich jeweils vier übereinander befinden. Vor und nach dem Strahlraum sind nach außen mit Türen verschließbare Ein- und Auslaufzonen vorhanden.

Bei sehr komplexer Oberflächengeometrie lässt sich die Auslaufzone zum Strahlen mit einer Druckluft-Handpistole nutzen. Das ist jedoch laut Marien bisher kaum erforderlich gewesen. „Die Anlage hat vieles automatisiert.“ Dazu gehört für den Betriebsleiter auch der Start des Strahlprozesses. So startet der Prozess automatisch, sobald eine Konstruktion in den Strahlraum gelangt.

Maximale Rauheit sorgt für hohe Schichthaftung

Die Oberflächenbearbeitung erfolgt in der Anlage von Agtos mit einem kantigen Strahlkorn aus Stahl. Bei konstanter Durchlaufgeschwindigkeit der Konstruktionen wird als Maß für die Strahlintensität die Drehzahl der 420 mm großen Schleuderräder herangezogen. Sie ist umso höher, je dicker die Teile sind. „Dadurch wird eine maximale Rauheit für eine hohe Schichthaftung sichergestellt“, sagt Marien.

Beim anschließenden Lackieren ist die aufgeraute Oberfläche die Basis für einen ein- oder zweilagigen Schichtaufbau: einlagig bei Konstruktionen für Innen- und zweilagig für Außenanwendungen. So entstehen 60 bis 300 µm dicke Schichten in unterschiedlichen Farben, auf die man in den beiden Öfen von Allco Finishing keine Rücksicht nehmen muss: Sie arbeiten gasbetrieben und ohne Luftzirkulation.

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