Werkzeugbauer in der Liefer-Falle

Wege aus dem Würgegriff

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Fair geht gut

Gerecht zu den Lieferanten und trotzdem erfolgreich: Unternehmen wie Trumpf oder Miele machen es vor, wie man gut miteinander umgehen und gemeinsam im Wettbewerb bestehen kann. Dabei steht Miele der Initiative Fairness + positiv gegenüber, wie Melanie Bühlmeyer, Leiterin zentrale Einkaufskoordination, auf Anfrage von MM Maschinenmarkt erläutert: „Traditionell sind wir ein Unternehmen, das im Umgang mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern nach den Grundsätzen der Fairness verfährt.“ Der Hausgerätehersteller hat sich zudem als einer der ersten einer SA8000-Zertifizierung unterzogen. Dies ist ein internationaler Standard mit dem Ziel, Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern zu verbessern. Er dient vor allem transnationalen Unternehmen als Mindestanforder ung an Sozial- und Arbeitsstandards und basiert auf Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Vereinten Nationen.

Allerdings ist es bei Miele meistens so, dass die Einkäufer nur selten in direkter Geschäftsbeziehung zum Werkzeugbauer stehen, weil die Bauteillieferanten die Verantwortung für die Beauftragung der Werkzeuge haben. „Wir begleiten die Beschaffung von Werkzeugen aber durchaus verstärkt, um das Vorgehen zu optimieren und um in der Miele-Gruppe zu einheitlichen Vorgaben zu kommen“, sagt Bühlmeyer weiter. Hierzu führen die Einkäufer von Miele unter anderem Gespräche mit den Werkzeugbauern, um beispielsweise anhand von Cost-Breakdowns die einzelnen Fertigungsaufwände zu verstehen. Dabei greifen sie auch auf Erfahrungswerten zu den Konstruktions-/Fertigungszeiten und den Stundensätzen zurück.

„Durch diese Diskussionen können Werkzeugkosten bereits in einem sehr frühen Stadium der Konstruktion beeinflusst werden, ohne pauschal über den Gesamtpreis zu verhandeln“, erläutert Bühlmeyer. In der Miele-Gruppe gibt es darüber hinaus Kompetenzcenter für die Beschaffung von Kunststoff- sowie Blechwerkzeugen, die die Einkaufs- und Konstruktionsabteilungen fachlich unterstützen. Dies geschieht unter Einbindung des Bauteillieferanten, der letztlich in der Verantwortung für die Werkzeugbeauftragung verbleibt. Auch längerfristig achtet Miele darauf, dass sich die Zulieferer über mehrere Stufen am Markt halten können. „Technologisch anspruchsvolle Zukunftsprojekte werden an strategische Lieferanten vergeben, die sich bereits in anderen Projekten bewährt haben. Wir binden die Werkzeugbauer in den frühen Projektphasen aktiv mit der Bitte zur Mitarbeit an gemeinsamen Optimierungen ein. Dadurch partizipieren sowohl Kunde als auch Lieferant vom technologischen Fortschritt und einer gemeinsamen Wettbewerbsfähigkeit“, berichet Bühlmeyer.

Eindeutig und kompromisslos äußert sich auch Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Trumpf: „Gerade in schwierigen konjunkturellen Zeiten, wie wir sie 2008/09 während der Lehman-Krise erlebt haben und sie gegenwärtig wieder – wenn auch in veränderter Form, vielleicht sogar in noch tiefgreifenderer Form als damals – erleben, kommt es auf wertebetontes Handeln an“, sagt sie. Dazu zählt nach ihren Worten an vorderster Stelle, dass die Firmenleitung mit gutem Beispiel vorangeht und keine Konzessionen an das integre geschäftliche Handeln macht.

„Das ist in guten Zeiten freilich viel einfacher zu beherzigen als in einer Rezession“, räumt die Trumpf-Chefin ein. Zudem muss die Firmenleitung dafür sorgen, dass sich entsprechende Prämissen in der Organisation unverrückbar verfestigen. Dabei geht es nicht um die Einhaltung geltender Gesetze und Vorschriften. „Rechtskonformes Handeln bedarf keiner Erwähnung!“, stellt Leibinger-Kammüller unmissverständlich klar. Es geht um jene Verlockungen, die durch wirtschaftliche Schieflagen anderer im Markt entstehen können – oder in denen man selbst stecken kann und sich dann nachlässiger als gewöhnlich verhält.

„Konkret beinhaltet dies eine faire Geschäftspraxis mit Partnern, Kunden und Lieferanten gerade in schwierigen Zeiten“, sagt sie: das Entgegenkommen bei Aufträgen und Zahlungsverzögerungen; das Tun von Dingen, die man sich selbst im Stillen manchmal erhofft, ohne Anspruch darauf zu besitzen. Wertebetont zu agieren, könne im Unternehmensalltag darum ganz bewusst heißen, schmerzhafte Einschnitte in der Organisation vorzunehmen, um andere Unternehmensteile langfristig zu erhalten und das große Ganze zu schützen. „Ob wir Werte besitzen, das weiß auch der Volksmund, zeigt sich nämlich nicht in guten Zeiten. Sondern in den anderen. In Zeiten wie diesen“, stellt Leibinger-Kammüller fest.

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