Stierli Bieger AG Auch große, krumme Winkelprofile werden ordentlich gerichtet

Redakteur: Dietmar Kuhn

Über die Tagesmedien hört man es fast täglich: Deutschland braucht neue Stromtrassen! Dafür werden jede Menge Masten für die Aufhängung der Leitungen benötigt, die beispielsweise von der AGO Stahlbau in Neuwied aus Profilstahl hergestellt und geliefert werden. Für die Bearbeitung ist es aber dringend notwendig, dass die Profile eine absolute Geradheit aufweisen.

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Mit der neuen Richtmaschine der Stierli Bieger AG werden große Winkelprofile vermessen, protokoliert und bei einer Abweichung über den unternehmenseigenen Qualitätsanspruch auch gerichtet. Lieferant, wie Anwender freuen sich gleichermaßen: (v.l.) Oliver Meyer, Claudio Müller, Manfred Vonau und Thomas Stierli.
Mit der neuen Richtmaschine der Stierli Bieger AG werden große Winkelprofile vermessen, protokoliert und bei einer Abweichung über den unternehmenseigenen Qualitätsanspruch auch gerichtet. Lieferant, wie Anwender freuen sich gleichermaßen: (v.l.) Oliver Meyer, Claudio Müller, Manfred Vonau und Thomas Stierli.
(Bild: Stierli Bieger)

Der Schweizer Maschinenbauer Stierli-Bieger AG liefert eine neue automatische Richtmaschine für Winkelprofile an den Gittermasthersteller AGO Stahlbau Neuwied GmbH nach Deutschland. Innerhalb weniger Monate haben die beiden Unternehmen dafür eine neue Anlage entwickelt.

Die automatische Richtmaschine besitzt eine Druckkraft von 220 t und wird für die Fabrikation von Stromgittermasten benötigt. Diese werden in Deutschland für neue Stromleitungen vom Norden (Stromerzeugung) in den Süden (Stromkonsum) gebaut. Dafür braucht es Masten, die aus unterschiedlichen Winkelprofilen gefertigt werden.

„Die Richtmaschine spielt dabei eine zentrale und wichtige Rolle in der Produktion von AGO“, betont Manfred Vonau von der AGO Stahlbau Neuwied GmbH. Leider kommt es nicht selten vor, dass der Strommasten-Produzent Winkelprofile aus verschiedenen Walzwerken erhält, die in ihrer Geradheit außerhalb der vorgegebenen Norm liegen. Bei großen Winkelprofilen kann selbst die Einhaltung der zulässigen maximalen Toleranz der Norm zu Bearbeitungsproblemen auf modernen AGO-Fertigungsanlagen führen.

Mit der neuen Richtmaschine von der Stierli Bieger AG werden die angelieferten großen Winkelprofile vermessen, diese auch protokoliert und bei einer Abweichung die über den unternehmenseigenen Qualitätsanspruch hinaus geht, gerichtet.

Auf den ersten Blick erkennen nur Experten, was diese Richtmaschine alles kann. Thomas Stierli erklärt deshalb die raumfüllende Anlage wiel folgt: „Die Winkelprofile werden vom Kunden für den Transport auf die Kettenförderer gelegt, danach werden sie automatisch gemessen und gerichtet. Verantwortlich für die Vermessung sind neun Laser, die fähig sind, unterschiedlich große Winkelprofile – bis zu einer Länge von 12 m – aus welchem Material auch immer zu messen.“ Die Vermessung des Winkelprofils ist notwendig, damit die Krümmung des Profils ermittelt werden kann und anschließend mit diesen Angaben das Profil in der Maschine gerade gerichtet werden kann.

„Im Vergleich mit herkömmlichen Maschinen, wo vieles von Hand gemacht wird, ist die Stierli Bieger-Maschine vier- bis fünfmal schneller“, ergänzt Stierli. Pro Profil arbeitet die automatische Richtmaschine 5 bis 8 min, je nach Größe und Form. Die komplexe Vernetzung mit der Rollenbahn, Querförderer und der Wendevorrichtung trägt zu einem großen Teil dazu bei, um die bedeutende Zeitersparnis zu erreichen.

Als besondere Stärke bezeichnet Stierli, dass die neue Richtanlage in Zusammen- arbeit mit Zulieferern und auf den Kundenwunsch der AGO Stahlbau Neuwied GmbH entwickelt und gebaut wurde. „Wir versuchen uns jeweils, in die Lage des Kunden zu versetzen“, betont Stierli. Innovationskraft und Flexibilität sind Eigenschaften, mit denen die die Stierli-Bieger AG beim Auftraggeber gepunktet hat. Seit einigen Jahren arbeitet Stierli auch mit dem Software Ingenieur Oliver Meyer von der om datacom ag aus der Schweiz zusammen. Software hat ja heute eine elementare Funktion moderner Fertigungssysteme.

Es war eine Herausforderung, erklärt Meyer: „Der Kunde wollte viel Komplexes und alles musste den heutigen Normen entsprechen“. Die om datacom war verantwortlich für die gesamte Planung der Steuerung und die gesamte Programmierung der Anlagesteuerung mit einer SPS Simatic S7 und dem übergeordneten Computer sowie der Datenprotokollierung.

„Die Kommunikation mit allen Lasern mussten wir richtig miteinander koordinieren und komplex verrechnen“, beschreibt der om datacom ag-Geschäftsführer Meyer seine Aufgabe. Als Plus im Vergleich zu Konkurrenzprodukten nennt Meyer die Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Entwicklungsschrittes.

Seit Auftragserteilung sind knapp sechs Monate vergangen. „Wir sind stolz, dass wir diese einzigartige und sehr komplexe Anlage in kürzester Zeit bauen konnten“, freut sich Stierli. Das Außerordentliche zeigt bereits, dass weitere Anfragen für solche Anlagen zum Richten von ganz unterschiedlichen Profilen eingegangen sind.

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