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Pressenstraßen

Bei gigantischen Pressen steht viel auf dem Spiel

| Autor: Stéphane Itasse

Nur ein Beispiel: 120 m lang, 12 m hoch und 3850 t schwer ist eine neue Servopresse im Daimler-Presswerk Kuppenheim. Bis eine solche Pressenstraße steht, ist viel Arbeit erforderlich – und bei Fehlern geht es schnell um sehr viel Geld.

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Die neue Pressenstraße von Daimler in Kuppenheim: Hinter dem Aufbau solcher Giganten stehen anspruchsvolle Projekte.
Die neue Pressenstraße von Daimler in Kuppenheim: Hinter dem Aufbau solcher Giganten stehen anspruchsvolle Projekte.
( Bild: Daimler )

Pressenstraßen sind wie alle Großanlagen komplexe Projekte und müssen sorgfältig gehandhabt werden. „Es gibt genügend Beispiele, wo es dem Hersteller nicht gelungen ist, das technische und terminliche Risiko zu kontrollieren und diese letztendlich im finanziellen Fiasko oder im Konkurs geendet haben“, berichtet Klaus Rothenhagen, Vice President International Sales bei der Europa-Tochter des japanischen Pressenherstellers Aida. „Kommunikation und Synchronisation sind dabei extrem wichtig, eine ausreichende Kapazität ist daher unbedingt abzusichern“, empfiehlt Jörg Thäle, Partner für die Bereiche Automotive und Industrie bei der Unternehmensberatung Axxcon.

Komplexität ist bei Pressenstraßen-Projekten im Vergleich zu kleineren Anlagen groß

„Ein Unterschied zu kleineren Anlagen besteht darin, dass die Komplexität um ein Vielfaches größer ist. Dies ist darin begründet, dass der Anteil von internen und externen Lieferanten größer ist und die Pressenlinie zum ersten Mal auf der Baustelle komplettiert wird. Vor diesem Hintergrund gibt es eine Vielzahl von Schnittstellen, die vorab geklärt werden müssen. Deshalb erwartet der Kunde im Vorfeld auch eine umfangreiche Beratung von uns“, sagt Klaus Linnig, Geschäftsführer der Division Automotive Schuler Pressen GmbH. „Großprojekte haben in der Regel eine durchschnittliche Laufzeit von der Bestellung bis zur betriebsfertigen Übergabe von 24 Monaten plus 12 Monaten Produktionsbetreuung. Das heißt, der Kunde und Aida müssen über drei Jahre eng zusammenarbeiten, um die Anlage auf maximale Performance zu bringen“, ergänzt Rothenhagen.

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Ein weiterer großer Unterschied ist, dass die Aufträge für solche Pressenlinien über Kundenausschreibungen vergeben werden, einschließlich Lastenheften mit detaillierten Spezifikationen. „Es ist möglich, Risiken durch sorgfältige Prüfung der Lastenhefte von vorneherein weitestgehend auszuschließen. Die Lastenhefte und Spezifikationen müssen wir vorher auf Machbarkeit prüfen, entsprechend kommentieren und im Zweifelsfall ergänzen, um die Anforderung genau zu beschreiben“, sagt Linnig.

Hierin liegt aber bereits eine erste Falle für das gesamte Projekt. „Klassische Terminkiller der Anfangsphase sind zu späte Lieferantenauswahl, fehlende oder schlecht ausgearbeitete Lastenhefte, fehlende Baugenehmigungen, schleppende Angebotsprüfung und zu späte Vergabe, aber auch fehlende Budgets oder lange Genehmigungsschleifen“, erläutert Thäle.

Alle Details einer Pressenstraße werden von Anfang an festgelegt

„Alle Einzelheiten der Pressenlinie werden von Anfang an genau besprochen, die Maschine, der Antrieb, die elektrische Ausführung, der Abnahmeprozess mit den Leistungszusagen in Bezug auf die Ausbringung, aber auch die Verfahren, wie diese Eigenschaften gemessen werden“, ergänzt Linnig. Man müsse sich mit allem im Vorfeld sehr akribisch auseinandersetzen, damit es am Ende, bei der Abnahme der Maschine, zu keinen Missverständnissen kommt. Falls es wider Erwarten im Projektverlauf doch ungeklärte Diskussionspunkte mit dem Kunden geben sollte, werden diese wieder an die Fachabteilung zurückgespielt, damit die zugrunde liegenden Fragen schon bei der nächsten Angebotserstellung berücksichtigt werden können.

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