Leichtbau-Gewinner Das sind die glücklichen Thinking-Award-Preisträger 2020

Redakteur: Peter Königsreuther

Der Leichtbau betrifft heute alles, was sich bewegen soll und dabei Strom oder Brennstoff benötigt. So will man Ressourcen und das Klima schonen. Hier das Beste zum Thema aus dem „Ländle“...

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Die Entscheidung ist gefallen! Erfahren Sie hier, wer alles in diesem alles den Thinking Award der Landesagentur Leichtbau Baden Württemberg entgegennehmen durfte...
Die Entscheidung ist gefallen! Erfahren Sie hier, wer alles in diesem alles den Thinking Award der Landesagentur Leichtbau Baden Württemberg entgegennehmen durfte...
(Bild: Leichtbau BW / Lichtgut)

Am 4. Februar wurde zum dritten mal der sogenannte Thinking Award der Leichtbau BW verliehen – natürlich digital! „Ich bin der festen Überzeugung, dass Leichtbau einer der großen, globalen Enabler ist und damit auch ein wichtiges Zukunftsfeld für unser Land Baden-Württemberg“, äußerte sich Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, bei ihrer Eröffnungsrede nebst Grußwort. An die Einleitungsworte anknüpfend, ergänzte Dr. Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW: „Die Thinkings beweisen das breite Leichtbauspektrum und zeichnen ein facettenreiches Bild der Leichtbauaspekte und der Expertisen – 2020 haben alle Nominierten über 5 Millionen Menschen erreicht.“

Platz 1 für den richtigen „Holzweg“

Der erste Platz ging an die Professur für Forstliche Biomaterialien an der Universität Freiburg und ihre Leichtbaulösung namens „Woodmimetics3D“. Warum? Nun, bisher schien es utopisch, technische Bauteile aus holzbasierten Biopolymeren zu drucken. Die Experten den Universität Freiburg und des Freiburger Materialforschungszentrums haben es aber geschafft! Und zwar nach den Prinzipien des Green Engineering. Dazu wurde eine holzbasierte Biopaste entwickelt, die nachhaltiger kaum sein könnte, heißt es. Während der 3D-Druck durch Weglassen von Material, also durch materialsparende Gitterstrukturen, punktet, und an sich schon eine Leichtbaumethode ist, ist Woodmimetics3D dazu noch ein CO2-neutraler Werkstoff aus Lignin. Es schütze damit das Klima doppelt und sei schon in der Herstellung ökonomisch wettbewerbsfähig. „In Zeiten, in der es nötig ist, Produkte statt auf Erdölbasis aus biobasierten nachhaltigen Stoffen herzustellen, bietet Woodmimetics3D eine willkommene Alternative“, beschrieb die Professorin Marie-Pierre Laborie der Universität Freiburg die Leichtbauidee, als sie die Siegertrophäe feierlich entgegen nahm.

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Platz 2 für das leichte Lichtnetz

Den zweiten Platz sicherte sich die Carl Stahl ARC GmbH mit ihrem „leichten Lichtnetz“. Darunter sind leichtgewichtige, winddurchlässige Stahlnetze mit LED-Modulen zu verstehen, die man sich als ressourcenschonende Tragkonstruktionen für Lichtinstallationen im urbanen Raum vorstellen muss. Die Carl Stahl ARC GmbH habe mit dieser geschickten Kombination aus zwei dreidimensional verformbaren und besonders leichten Bauelementen neue Impulse für kreative Anwendungen in Architektur und Bauplanung geschaffen. Die Form der Netze kann wegen des geringen Eigengewichts und der hohen Eigenspannung flexibel und mit nur wenigen Trägerelementen variiert und umgesetzt werden, heißt es dazu noch. Tobias Jung, Geschäftsführer der Carl Stahl ARC GmbH, betont: „Wenn wir über große Spannweiten, geringes Eigengewicht und maximale Gestaltungsfreiheit sprechen, gibt es derzeit kein vergleichbares Produkt am Markt. Wir haben es geschafft, großflächige Installationen beherrschbar zu machen, ohne, dass der Kunde Abstriche bei der Funktionalität machen muss – egal ob Lichtinstallation oder Videowall.“

Den 3. Platz für stabile, „grüne“ und günstige Carbonfasern

Die Centrotherm international AG, die zeigen kann, dass Carbonfasern aus nachwachsenden Rohstoffen mit gleichen Festigkeitskennwerten wie Hochleistungsfasern aus Polyacrylnitril (PAN) weniger kosten und doch funktionieren können, freut sich über den dritten Platz. Denn manchmal genügt das Optimieren eines Prozessschritts, um völlig neue Möglichkeiten für einen Werkstoff zu eröffnen. Die Experten nutzen dazu das Niederdruckverfahren in definierter Prozessatmosphäre unter niedrigem Druck mit quasi-digitalen Heizzonen. So können sie, biobasierte Carbonfasern mit deutlich reduziertem CO2-Footprint herstellen, heißt es genauer. Gunter Fauth, Vorstand/COO der Centrotherm international AG, freut sich: „Wir sind besonders stolz, dass viele namhafte Player unsere neue Technologie getestet haben und von den Ergebnissen sehr positiv überrascht sind. Die neue Niederdruck-Oxidationstechnologie stabilisiert sowohl Fasern aus dem Homopolymer PAN als auch Zellulosefasern. Sie ist damit universell einsetzbar und vor allem auch unter dem Aspekt „Green Fasern“ sehr vielversprechend für die Zukunft.“

Online-Voting feiert das Fliegengewicht unter den Nockenwellenmodulen

Außerdem wurde als vierte Auszeichnung des Abends der Community Award verliehen, bei dem der Gewinner durch ein Online-Voting im Vorfeld ermittelt worden war, wie die Leichtbau BW erklärt. Gewonnen hat ein leichtes Nockenwellenmodul, das zeigt, wie viele positive Effekte der Multimaterial-Leichtbau haben kann. Gefertigt aus faserverstärkten Duromeren, also harzartigen, vernetzten Kunststoffen, reduziert es das Gewicht eines Verbrennungsmotors, ist dabei klimaschonender in der Herstellung und senkt die Montagekosten durch eine veränderte Bauweise, heißt es. Gelungen ist dieses Leichtbauteil den Ingenieuren des Mahle-Konzerns mit dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) und weiteren Partnern. Bei dem Gemeinschaftsprojekt handelt es sich um ein BMWi-gefördertes Projekt. „Wir reduzieren die CO2-Emissionen sowohl bei der Herstellung der Bauteile wie auch in der Nutzungsphase, indem die Bauteile um circa 20 % leichter sind“, fasst Dr. Lars Fredrik Berg (Fraunhofer ICT) zusammen. Katrin Schindele von der Mahle Filtersysteme GmbH ergänzt: „Wir sind sehr dankbar für die Teamleistung aller Projektbeteiligten – Mahle als Konsortialführer mit Fraunhofer im Konsortium. Ebenfalls hatten wir starke Partner im Bereich Werkzeugherstellung und Experten aus dem Materialsektor.“ Weil alle auf Augenhöhe miteinander gearbeitet hätten, sei das Projekt besonders erfolgreich verlaufen.

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