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Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Die Schweizer Industrie in der Corona-Krise

| Autor: Sandra Häuslein

Auch Schweizer Industrieunternehmen verzeichnen Corona-bedingte Umsatzrückgänge. konstruktionspraxis hat ­nachgefragt, welche Maßnahmen jetzt notwendig sind.

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Die Schweizer MEM-Industrie exportiert 80 % ihrer Produkte. Durch die Corona-Krise ist der Markt eingebrochen.
Die Schweizer MEM-Industrie exportiert 80 % ihrer Produkte. Durch die Corona-Krise ist der Markt eingebrochen.
(Bild: © Lightboxx – stock.adobe.com)

Das Corona-Virus hat der Industrie einen gewaltigen Strich durch das Geschäftsjahr 2020 gemacht – und zwar weltweit. Auch Schweizer Industrieunternehmen bekommen die Corona-Krise zu spüren. Lockdown-Maßnahmen führten beispielsweise zu vielen Stornierungen von Aufträgen und dies sorgte für einen Einbruch der Exportzahlen (siehe Infokasten). Auch ein gewisser Stellenabbau wird unvermeidlich sein, so die Einschätzung von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). Genaue Beschäftigungszahlen für das zweite Quartal 2020 lagen bis Redaktionsschluss allerdings noch nicht vor.

Umsatzrückgänge von 10 % bis 30 %

Um die wirtschaftliche Lage genau einschätzen zu können, hat Swissmem im Zeitraum April bis Juli immer wieder Mitgliedsunternehmen zur aktuellen Situation befragt. Das Ergebnis ist düster: Zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit Corona-bedingten Umsatzrückgängen von 10 % bis 30 % für das Jahr 2020. Wie schnell sich die Industrie erholt und wie letztendlich das Gesamtjahr ausfällt, entscheiden die kommenden Monate.

Info: Schweizer Export bricht ein

Im Juli wurden die aktuellen Exportzahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung veröffentlicht. Für die MEM-Branche (Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie) kann darin folgende Entwicklung abgeleitet werden: Die MEM-Exporte von April bis Juni 2020 sind gegenüber dem Vorjahr um 24,6 % zurückgegangen.

Unterstützende Maßnahmen gefordert: Export erleichtern

Der Verband hat jedoch klare Vorstellungen, welche Maßnahmen helfen würden, die Corona-Krise zu überstehen. Einige Hilfsmittel greifen derzeit schon: So wird die Möglichkeit zur Kurzarbeit von vielen Unternehmen genutzt. Die maximale Bezugsdauer wurde kürzlich vom Bund auf 18 Monate verlängert. Auch Covid-Kredite können zur Liquiditätssicherung beantragt werden.

Da die MEM-Industrie 80 % ihrer Produkte exportiert, sei es wichtig, hierbei wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zu verbessern. Swissmem setzt sich beispielsweise für den Abschluss neuer Freihandelsabkommen und für die Aufhebung von Industriezöllen ein. Letztere Forderung befindet sich im parlamentarischen Prozess. Besonders wichtig seien die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz, da die EU den größten Exportmarkt für die Schweizer MEM-Industrie darstellt. Swissmem setzt daher konsequent auf den Erhalt der Bilateralen Verträge, welche die Schweiz mit der Europäischen Union abgeschlossen hat, um die Beziehung zur EU zu regeln.

Entwicklung der Hauptabsatzmärkte ist entscheidend

Fraisa stellt Werkzeuge zur Metallbearbeitung her, die zur Fertigung von Implantaten und Beatmungsgeräten benötigt werden.
Fraisa stellt Werkzeuge zur Metallbearbeitung her, die zur Fertigung von Implantaten und Beatmungsgeräten benötigt werden.
(Bild: Fraisa)

Wie die konjunkturelle Entwicklung der Schweizer Industrie weitergeht, steht in den Sternen und ist vor allem vom Verlauf der Pandemie und der damit einhergehenden Entwicklung in den Hauptabsatzmärkten abhängig, also in der EU, den USA und China. Die Unternehmen seien vorsichtig, so die Aussage von Swissmem. Die Mehrheit rechnet erst im Jahr 2021 mit einer Erholung.

Wie Schweizer Produkte in der Corona-Krise helfen

Insys smart automation baut Prüfanlagen, die exakt auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden.
Insys smart automation baut Prüfanlagen, die exakt auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden.
(Bild: INSYS smart automation)

Eine gute Nachricht zum Schluss: Auch in der Schweizer Industrie gibt es Unternehmen, die mit Ihren Produkten und Technologien helfen können, die Corona-Krise zu bewältigen – hier vier Beispiele aus der Praxis:

  • Weidmann in Rapperswil unterstützt das Gesundheitswesen, denn Weidmann Medical Technology ist ein führender Systemlieferant für die Medizintechnik- und Pharma-Industrie. Die Firma entwickelt hochstehende Kunststoff-Spritzgusslösungen beginnend beim Produktdesign über den Produktionsprozess bis hin zur Endverpackung.
  • Fraisa in Bellach unterstützt die Fertigung von medizintechnischen Produkten. Für die Herstellung von Implantaten und Beatmungsgeräten werden Qualitäts-Werkzeuge benötigt. Das Unternehmen produziert solche Werkzeuge zur Metallbearbeitung. Dabei kommt es auf Präzision und Zuverlässigkeit an.
  • Schaltag in Effretikon fertigt Schaltschränke und elektromechanische Systeme. Branchenübergreifend stellt das Unternehmen eine stabile Lieferkette sicher für kostensenkende Prozessautomation und für hochpräzise medizinische Geräte für moderne Batteriesysteme, für anspruchsvolle Energieverteilung und für komplexe Energiewandlung.
  • Insys smart automation in Münsingen unterstützt die Pharma- und Medizinindustrie mit Montage- und Prüfanlagen für medizinische Produkte, zum Beispiel für Insulin-Pens und Autoinjektoren. Anlagen mit variablen und schnellen Prozessen stellen die aktuell große Nachfrage sicher.

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