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Carl Cloos

Ein Pionier der Schweißtechnik

| Autor/ Redakteur: Stefanie Nüchtern-Baumhoff / Reinhold Schäfer

Seit 100 Jahren zählt die Carl Cloos Schweißtechnik GmbH zu den weltweiten Technologieführern in dieser Branche. Das Traditionsunternehmen mit Stammsitz in Haiger bietet geeignete Lösungen rund um das manuelle und automatisierte Schweißen.

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In seiner 100-jährigen Geschichte war das Unternehmen Cloos technisch stets auf der Höhe der Zeit. Bereits 1956 führte es die Kohlendioxid-Schutzgas-Schweißtechnik ein.
In seiner 100-jährigen Geschichte war das Unternehmen Cloos technisch stets auf der Höhe der Zeit. Bereits 1956 führte es die Kohlendioxid-Schutzgas-Schweißtechnik ein.
(Bild: Cloos)

Wir sind stolz darauf, dass wir zu den wenigen Unternehmen in Deutschland gehören, die seit 100 Jahren erfolgreich in ihrem Segment tätig sind“, sagt Cloos-Geschäftsführer Sieghard Thomas. „Seit jeher leisten wir mit innovativen Produkten Pionierarbeit in der Schweißtechnik.“

Der Ingenieur Carl CloosCarl Cloos gründete das Unternehmen 1919 in Siegen-Weidenau zur Herstellung von Acetylengaserzeugern und Autogenschweißbrennern. Fünf Jahre nach der Gründung verlegte Carl Cloos sein Unternehmen vom Siegerland nach Haiger. Wenige Jahre später beschäftigte das Unternehmen bereits 80 Mitarbeiter. Die Konzentration auf die Herstellung von Acetylengaserzeugern und Autogenschweißbrennern hatte dem Unternehmen eine solide Grundlage beschert, zumal Carl Cloos eigene Patente entwickelte.

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Nie ruhte er sich auf seinen Erfolgen aus. Sein Erfindergeist trieb die Entwicklung voran, beispielsweise Mitte der 1920er-Jahre, als er die Acetylentechnik auf Hochdruckanlagen für eine zentrale Gasversorgung einführte.

Die Währungsreform brachte die Wende

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Fertigung langsam wieder in Gang und mit der Währungsreform änderte sich die Lage wie überall in Westdeutschland grundlegend. 1948 nahm Cloos eine Produktionslinie von Schweißanlagen für Stabelektroden in Betrieb – der Beginn eines erneuten Aufschwungs. Hatte das Unternehmen lange als größerer Handwerksbetrieb agiert, schuf Carl Cloos nach dem Krieg industrielle Strukturen. Damals traten auch seine drei Söhne in das Unternehmen ein. Die beiden Kaufleute Walter (1922–2003) und Helmut (1926–2010) engagierten sich im Vertrieb, der Ingenieur Erwin Cloos (1924–2000) im technischen Bereich. Als Erwin Cloos auf der Hannover Messe 1956 das erste CO2-Arc-­Schutz­gas-Schweiß­gerät mit endloser Drahtelektrode präsentierte, bedeutete dies zweierlei: einen Meilenstein in der Firmengeschichte und die Etablierung als technologisch führendes Unternehmen.

Die Roboter halten Einzug in die Schweißtechnik

Was mit der Automation von Fertigungslinien durch Integration von Schweißstromquellen für das Schutzgasschweißen in den 1950er-Jahren begann, fand in der Robotertechnik eine konsequente Fortsetzung. Das Thema faszinierte und weckte das Interesse von Erwin Cloos, der 1977/78 einen ersten hydraulischen Roboter programmierte. Seit 1981 konstruiert und produziert Cloos eigene Industrieroboter.

1996 übernahm Cloos mit dem Tandemschweißverfahren eine Vorreiterrolle: Bei dem neuen Verfahren brennen zwei Lichtbögen in einem gemeinsamen Schmelzbad. Der vordere Draht gewährleistet einen sicheren Einbrand; der hintere Draht ermöglicht es, dass auch große Fugen schnell mit Zusatzwerkstoff aufgefüllt werden. Durch die hohe Abschmelzleistung verkürzen sich die Schweißzeiten. Das Verfahren eignet sich sowohl für dünne als auch für dicke Bleche. Der 2004 eingeführte Laserhybridprozess kombiniert einen Laserstrahl mit einem MSG-Lichtbogen in einer gemeinsamen Prozesszone. Der stark gebündelte, auf die Schweißnaht fokussierte Lichtstrahl ist durch eine enorm hohe Energiedichte charakterisiert. Diese Energie dringt tief in den Werkstoff ein und bildet ein Keyhole aus, welches an der Schweißstelle entlang durch das Bauteil geführt wird. Der zusätzliche MSG-Lichtbogen unterstützt den Prozess und bewirkt eine optimale Flankenanbindung. Die beiden Prozesse stabilisieren sich gegenseitig. Laser Hybrid Weld zeichnet sich durch einen tiefen Einbrand, geringe Wärmeeinbringung sowie eine optimale Flankenanbindung aus. Neben der Qualität steigt die Produktivität durch hohe Schweißgeschwindigkeiten.

Heute reicht das Cloos-Produktspektrum von einfachen, kompakten Systemen bis hin zu komplexen, verketteten Anlagen mit selbstständiger Bauteilidentifizierung und automatischen Be- und Entladeprozessen. Dabei profitieren die Anwender vom breit angelegten schweißtechnischen Know-how, weil die Schweißspezialisten alle relevanten Komponenten aus einer Hand anbieten.

Die Digitalisierung bestimmt die Zukunft

Für die Zukunft ist Cloos technologisch gerüstet und hat die Infrastruktur für weiteres Wachstum geschaffen. Das Unternehmen wird sich mit Hightechprodukten rund um das manuelle und automatisierte Schweißen vom Wettbewerb abheben. In allen Unternehmensbereichen treibt Cloos Innovationen voran. „Weltweit steigt die Nachfrage nach hochautomatisierten und intelligenten Robotersystemen, bei denen die einzelnen Komponenten einer Schweißanlage und übergeordnete Systeme vernetzt sind“, erklärt Thomas. „Deshalb setzen wir bei der Produktentwicklung verstärkt auf die Digitalisierung.“ Das neue Cloos-Gateway C-Gate ermögliche zum Beispiel eine anwenderspezifische Darstellung, Analyse und Weiterverarbeitung von Betriebs- und Schweißprozessdaten.

Das besondere Firmenjubiläum wird das Familienunternehmen Cloos im Mai 2019 im Rahmen einer Festwoche feiern. Am 7. Mai laden die Schweißspezialisten deutschsprachige Kunden und Interessenten, am 8. Mai die englischsprachigen Kunden zu einer Jubiläumsfachtagung ein.

Whitepaper zum Thema: Schweißen bei immer vielfältigeren Materialanforderungen

* Stefanie Nüchtern-Baumhoff ist Referentin Unternehmenskommunikation bei der Carl Cloos Schweißtechnik GmbH in 35708 Haiger

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