Werkzeugmaschinen

Mit Linearantrieben kam Dynamik in die Werkzeugmaschine

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In der aufkommenden NC- und CNC-Technik für den Werkzeugmaschinenbau waren in den 60er-Jahren zunächst die Amerikaner tonangebend, um dann von den japanischen Wettbewerbern vom ersten Platz verdrängt zu werden. Mori Seiki gehörte zu den erfolgreichen Protagonisten des Computerzeitalters im Werkzeugmaschinenbau und bereits 1968 stellten die Japaner ihre erste numerisch gesteuerte Drehmaschine vor.

NC-Schwenkrundtisch ermöglicht gesteuerte fünfachsige Operationen

In Deutschland präsentierten derweil die drei Unternehmen über die Jahre im Gleichschritt neue Werkzeugmaschinen. 1950 entwickelte Maho mit der SK 250 die erste eigene Werkzeugfräs- und Bohrmaschine und legte damit der Grundstein für die nachfolgende Geschäftsentwicklung. Deckel brachte 1972 die erste NC-Fräsmaschine auf den Markt und stellte drei Jahre später auf der EMO erstmals ein Bearbeitungszentrum vor.

Ebenfalls auf der Messe in Paris zeigte Gildemeister seine erste manuell-numerisch gesteuerte Drehmaschine NEF. Sie benötigte dank der CNC-Handeingabesteuerung für den Betrieb keine Zusatzeinrichtungen mehr. Moderne Elektronik in Halbleitertechnik mache dies möglich, betonte Gildemeister 1975. Die Bedienung sei daher so einfach wie bei einem elektronischen Taschenrechner.

Im Jahr 1985 erfolgte ein wesentlicher Schritt für die Bearbeitung komplexer Werkstückgeometrien. In Pfronten präsentierte Maho erstmals einen NC-Schwenkrundtisch für gesteuerte fünfachsige Operationen auf den Fräsmaschinen der damaligen C-Baureihe. Die Drehbewegung des Tischs als vierte Achse und die Schwenkbewegung von der und zur Maschine als fünfte Achse übernahmen wartungsfreie, bürstenlose Vorschubantriebe, die unmittelbar von der adaptierten Steuerung kontrolliert wurden. Auch wenn die Kunden anfangs noch nicht so recht auf die innovative Idee anspringen wollten, ließen sich die Allgäuer in ihrem Entwicklungsdrang nicht bremsen.

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Zahlen und Fakten
Aus vier einzelnen Unternehmen wird ein weltweit einheitlicher Markenname
  • 1870: Gildemeister wird gegründet.
  • 1903: Gründung der Firma Deckel.
  • 1910: In Bielefeld startet Gildemeister mit der Serienfertigung.
  • 1920: In Pfronten wird Maho gegründet.
  • 1948: Mori Seiki startet nach der Gründung mit der Produktion von Textilmaschinen.
  • 1993: Deckel und Maho fusionieren zur Deckel Maho AG.
  • 1994: Gildemeister übernimmt Deckel Maho.
  • 1999: Beim Umsatz übertrifft DMG die Marke von 1 Mrd. DM.
  • 2003: DMG eröffnet Standort in Shanghai.
  • 2005: Eröffnung von DMG Russland.
  • 2007: Mori Seiki übernimmt den Schweizer Hochpräzisionsmaschinen-Hersteller Dixi Machines S.A.
  • 2009: Start der Kooperation zwischen DMG und Mori Seiki.
  • 2012: Gründung der DMG Mori Seiki Europe AG in der Schweiz.
  • 2013: Umfirmierung in DMG Mori Seiki AG sowie DMG Mori Seiki Co. Ltd. und Vorstellung des gemeinsamen Brands DMG Mori.

Durch Übernahme von Deckel Maho zum Full-Liner

Zwei Jahre später gelang dann mit dem Fräs- und Bohrzentrum MH 700 S für die fünfachsige Fünf-Seiten-Bearbeitung der Durchbruch. Die Besonderheit der Maschine war die Kombination aus NC-Schwenkrundtisch, programmgesteuertem Wechsel von horizontaler zu vertikaler Spindelposition sowie einem Werkzeugwechsler mitsamt Magazin für bis zu 36 Werkzeuge. Damit war es möglich geworden, selbst komplexeste Werkstücke wirklich mannlos durch Pausen hindurch und in die Nacht hinein komplett in einer Aufspannung fertig zu bearbeiten.

Anfang der 90er-Jahre erlebte der deutsche Werkzeugmaschinenbau die schlimmste Krise der Nachkriegszeit. Das Produktionsvolumen stürzte von 17 Mrd. DM im Jahr 1991 auf nur noch 10 Mrd. 1993 ab, ein Rückgang um knapp 42 %. Eine der Folgen war 1993 die Fusion von Deckel und Maho zur Deckel Maho AG. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus und 1994 übernahm Gildemeister den Hersteller von Bohr- und Fräsmaschinen sowie Bearbeitungszentren mit den Werken in Pfronten, Seebach und Geretsried. Die neu gegründete Konzerntochter DMG war fortan für Vertrieb und Service bei dem neuen Full-Liner im Werkzeugmaschinenbau zuständig.

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