Suchen

Verchromen Selektivgalvanische Abscheidung funktioneller Hartchromüberzüge

| Autor / Redakteur: Hermann H. Urlberger / Stéphane Itasse

Fast überall im Automobil- und Maschinenbau finden technische Hartchromüberzüge Anwendung und verleihen den Bauelementen Eigenschaften, die den bestimmungsgemäßen Einsatz ermöglichen: Härte, Korrosionsbeständigkeit, Verschleißfestigkeit, Reibungseigenschaften sowie thermische und chemische Beständigkeit.

Firmen zum Thema

Bild 1: Das vollautomatische Anlagenkonzept für das Selga-Coat-Chrom-Verfahren; eine solche Anlage wird derzeit im niederländischen Venlo aufgebaut.
Bild 1: Das vollautomatische Anlagenkonzept für das Selga-Coat-Chrom-Verfahren; eine solche Anlage wird derzeit im niederländischen Venlo aufgebaut.
(Bild: AHC Oberflächentechnik )

Das gute tribologische Verhalten funktioneller Hartchromschichten wird dabei beschrieben durch die relativ hohe Ausgangshärte, ihrer fest anhaftenden, sich ständig erneuernden Oxidschicht sowie ihren antiadhäsiven Eigenschaften. Das Metall weist im Zustand wie abgeschieden (as plated) zudem einen hexagonalen Gitteraufbau auf. Die verschleißfördernden Gleitebenen innerhalb des Gitters fehlen also.

Reach bedroht Anwendung von Hartchromüberzügen

Nahezu alle technisch bedeutsamen Verfahren zur Darstellung funktioneller Hartchromüberzüge basieren auf der elektrolytischen Abscheidung von Chrom als Metall aus mittel- bis höher konzentrierten, wässrigen Chromsäurelösungen bei Prozesstemperaturen zwischen 50 und 55 °C. Es ist eine ganze Reihe von bewährten industriellen Elektrolytkonzepten auf dem Markt verfügbar, zugleich hat sich die Technik zur Herstellung der Überzüge in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. Umweltaspekte und Effizienzsteigerungen haben dazu geführt, dass moderne Anlagentechniken in der Kombination mit modernen Elektrolytkonzepten die Hartchromverfahren zu einer nachhaltig wettbewerbsfähigen Technologie erhoben haben.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Gleichwohl sind die Verfahren durch die aktuelle Verordnungslage und durch die EU-Chemikalienverordnung Reach erneut und zu Unrecht in die Diskussion geraten. Die Bestrebungen der Regulierungsbehörden gehen bis hin zur jeweiligen Neuzulassung, bezogen auf spezifisch genutzte Techniken zur Abscheidung von funktionellen Hartchromschichten.

Selektivgalvanische Abscheidung von Hartchromschichten bietet Anwendungsperspektive

Mithin sind weitere Überlegungen anzustellen, die es ermöglichen, funktionelle Hartchromschichten auch auf längere Sicht im Repertoire der Beschichtungsverfahren zu halten. Eine Lösung bietet die selektivgalvanische Abscheidung von funktionellen Hartchromüberzügen. Hierbei wird der zur Beschichtung notwendige Elektrolyt in überschaubaren Mengen jeweils nur zu einem spezifizierten Beschichtungsbereich hingeführt und nur an dieser Stelle eine resourcenschonende, selektive Abscheidung durchgeführt. In der Folge entfällt zumeist auch ein Nachschleifen des Beschichtungsbereiches. Diese Vorgehensweise stellt erhöhte Anforderungen an die Anlagentechnik und die Elektrolytkonzepte. In der Regel sind auch deutlich höhere Abscheidungsgeschwindigkeiten möglich als bei den konventionellen Hartchrom-Beschichtungsverfahren. Die Erhöhung der Stromdichte und die Steigerung der Abscheidungsgeschwindigkeit wirken sich zudem positiv auf die Stromausbeute aus. Die Technik erlaubt neben der Einsparung von Ressourcen zudem die Darstellung eines abwasserfreien Umlaufsystems. Ferner besteht die Möglichkeit, Beschichtungsanlagen zur Einkopplung von Beschichtungsprozessen inline in eine Fertigungskette bereitzustellen. [1]

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42415453)