Personalrekrutierung Sich im Wettbewerb um knappe Fachkräfte besser positionieren

Autor / Redakteur: Simone Gröneweg / Claudia Otto

Die Zeit ist gekommen, in der sich Unternehmen bei Fachkräften bewerben müssen. Das ist nicht allgemeingültig, doch auf bestimmte Branchen und Regionen trifft es zu. Immer wichtiger wird es daher, sein Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv zu gestalten und zu präsentieren.

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Prof. Sebastian Reiche, IESE Business School: „Ein Mangel an Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen frustriert die Mitarbeiter.“
Prof. Sebastian Reiche, IESE Business School: „Ein Mangel an Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen frustriert die Mitarbeiter.“
(Bild: IESE Business School)

Jedes Jahr wählen Hochschulabsolventen in Deutschland die beliebtesten Arbeitgeber: Konzerne wie Audi, BMW und Bosch stehen immer an oberster Stelle. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist der Sprung in die Top-Ten kaum zu schaffen. Das heißt aber nicht, dass Mittelständler im Wettbewerb um qualifiziertes Personal keine Chance hätten.

Perspektiven in kleineren Unternehmen können besonders interessant sein

Für manchen Hochschulabsolventen sind die Perspektiven in kleineren Unternehmen sogar besonders interessant. Nur die Unternehmen selbst wissen das oft nicht. Wie also können mittelständische Arbeitgeber junge Talente auf ihre Vorteile aufmerksam machen, sie für das Unternehmen gewinnen und halten?

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„Wenn ich in Führungskräfteprogrammen in Deutschland lehre, sehe ich immer wieder, dass die Vorstände der mittelständischen Unternehmen ihre Trümpfe gar nicht genau kennen und auch ihre Rekrutierungsstrategie nicht entsprechend ausrichten“, sagt Sebastian Reiche, Professor für Managing People in Organizations an der internationalen IESE Business School.

Die Firmen seien übersichtlicher, flexibler und hätten meist flachere Hierarchien. „Mitarbeiter können schneller Verantwortung übernehmen“, betont Reiche. Zudem sind viele Mittelständler – besonders im exportorientierten Maschinenbau – verstärkt international aktiv und großen Konzernen im Hinblick auf internationale Karriereperspektiven recht ebenbürtig.

Systematische Rekrutierungs- und Auswahlverfahren nötig

Große Konzerne können Millionen in Strategien zur Mitarbeiterrekrutierung und -bindung investieren. Das ist für KMU nicht möglich. Daher rät Reiche, die Personalstrategie zur Chefsache zu machen. Nur mit einem systematischen Rekrutierungs- und Auswahlverfahren kann der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern langfristig gedeckt werden. Zudem wird sich die Lage verschärfen. „Wer nicht regelmäßig Mitarbeiter einstellt, hat von den Engpässen vielleicht noch nichts gespürt“, sagt Dr. Vera Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Aber es gibt sie. „Angebot und Nachfrage klaffen schon jetzt in bestimmten Regionen und Branchen auseinander. Wir haben solche Engpässe für 111 Berufe errechnet“, erklärt Demary. Besonders betroffen sind die Berufsfelder Energie und Elektro sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik. „Vor allem im wirtschaftlich starken Süden Deutschlands fehlen Mitarbeiter“, sagt Dr. Alexander Kubis vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

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