Korrosionsschutz Stromlose Korrosionsschutztechnik ersetzt die kathodische Tauchlackierung

Autor / Redakteur: Josef Kraus / Josef-Martin Kraus

Das chemische Autodepositionsverfahren ist in puncto Korrosionsschutz eine Alternative zur kathodischen Tauchlackierung. Bei geometrisch komplexen Stahlkonstruktionen spielt es seine Vorteile aus. Inzwischen kommt das stromlose Tauchbadverfahren bei Zulieferern zur Anwendung, die damit komplette Baugruppen beschichten und auch wirtschaftlich von der Entwicklung profitieren.

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Beim Nutzfahrzeugzulieferer Räckers schützt das chemische Autodepositionsverfahren metallische Hohlteile innen und außen vor Korrosion. Zur Anwendung kommt dabei die Aquence-Technik von Henkel.
Beim Nutzfahrzeugzulieferer Räckers schützt das chemische Autodepositionsverfahren metallische Hohlteile innen und außen vor Korrosion. Zur Anwendung kommt dabei die Aquence-Technik von Henkel.
(Bild: Henkel)

Sollen Stahlkonstruktionen rundum lackiert werden, bringt Henkel das chemische Autodepositionsverfahren ins Spiel. Auf Innenflächen und Kanten, aber auch zur Grundierung für eine nachfolgende Pulverlackbeschichtung wird damit ein besserer Korrosionsschutz im Vergleich zur kathodischen Tauchlackierung (KTL) erzielt. Das zeigen Anwendungen bei Komponentenherstellern, die sich für die stromlose Aquence-Technik des Düsseldorfer Verfahrens- und Chemikalienanbieters entschieden haben.

Das Beschichtungsverfahren kommt ohne Vorbehandlung wie Chromatieren und Phosphatieren sowie ohne elektrostatische Bauteilaufladung aus. Durch chemische Reaktion wird auf der gereinigten Metalloberfläche eine organische Schicht aus einer Polymeremulsion erzeugt. Dazu setzt eine milde Säure zweiwertige Eisenionen frei, die wiederum die Lackpartikel im Tauchbad an die Bauteiloberfläche binden. Das Ergebnis ist eine gleichmäßige Rundumbeschichtung jeder eisenhaltigen Stelle in der gewünschten Schichtdicke. Kunststoffe bleiben dagegen schichtfrei.

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Faradayscher Effekt schränkt Anwendung nicht ein

Das Verfahren beschichtet nicht nur geometrisch komplexe Bauteile außen und innen gleichmäßig, sondern auch komplett vormontierte Baugruppen aus unterschiedlichen Werkstoffen. Somit werden schwer zugängliche Bereiche, durchgängige Hohlräume, scharfe Ecken und Kanten mit einem ausgebildeten Korrosionsschutz versehen. Eine Einschränkung der Verfahrensanwendung aufgrund des Faradayschen Effekts entfällt.

„Das Verfahren zur Beschichtung von Eisenmetalloberflächen arbeitet rein chemisch“, berichtet Claus Räckers. Daraus leitet der Geschäftsführer des Nutzfahrzeugzulieferers Johannes Räckers GmbH & Co. KG, Ahaus, die aufgrund des Korrosionsschutzeffekts die Aquence-Technik eingeführt hat, „einige ganz entscheidende Vorteile im Vergleich zur klassischen KTL“ ab. Dabei hebt er „besonders die absolut einheitliche Rundumbeschichtung bei Bauteilen oder vormontierten Baugruppen“ hervor. Das sei im KTL-Verfahren aufgrund der Elektrodenposition „in dieser Form nicht zu erzielen“.

Der Zulieferer Räckers schützt im chemischen Autodepositionsverfahren komplexe röhrenförmige und verwinkelte Baugruppen mit bis zu 8 m Länge vor Korrosion. Aus den vormontierten Konstruktionen werden Nutzfahrzeugaufbauten hergestellt. Dazu umfasst der Standort Ahaus die Fertigungsbereiche Blechbearbeitung, CNC-Zerspanung, Schäum- und Klebetechnik. Mit der Entwicklung zum Systemlieferanten kam die Beschichtung als weiterer Bereich hinzu. In einer ersten Planung hatte man dabei eine klassische KTL-Anlage mit Metallvorbehandlung im Visier.

Vorbehandlung und Grundierung umfassen sieben Tauchbecken

Schließlich entschied sich der Zulieferer jedoch für die Aquence-Technik zur Grundierung, gefolgt von einer Pulverlackbeschichtung. Rund 95 % aller Teile werden am Standort gepulvert. Hauptbestandteile der Anlagentechnik sind sieben Tauchbecken. Die Prozesslinie umfasst eine vierstufige Reinigung (Entfettung) und Spülung, die chemische Beschichtung sowie eine zweistufige Nachspülung, um chemische Rückstände auf den Teilen aus der Grundierung zu verhindern.

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