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Blechnet trifft ... ... auf die Costa Concordia: Wie ein Ozeanriese verschrottet wird

| Autor: M.A. Frauke Finus

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia am 13. Januar 2012 vor der Insel Giglio im Mittelmeer kostete 32 Menschen das Leben. Der Kapitän hätte niemals so nah an die Insel heranfahren dürfen. Anfang des Jahres sind die Verschrottung und das Recycling des Ozeanriesen abgeschlossen worden.

Fast zwei Jahre lag die Costa Concordia vor der Insel Giglio, bevor sie im September 2013 dank eines „Schwimmreifens“ aus luftgefüllten Stahlkästen aufgerichtet werden konnte.
Fast zwei Jahre lag die Costa Concordia vor der Insel Giglio, bevor sie im September 2013 dank eines „Schwimmreifens“ aus luftgefüllten Stahlkästen aufgerichtet werden konnte.
(Bild: ©Samuele Gallini - stock.adobe.com )

Das einst größte italienische Kreuzfahrtschiff, die Costa Concordia, fuhr am 13. Januar 2012 vor der Insel Giglio gegen einen Felsen, der das Schiff unter der Wasseroberfläche aufriss. Schon bald kippte der Ozeanriese auf die Seite. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. Die Hauptschuld trägt der damalige Kapitän Francesco Schettino. Er dirigierte das Schiff in einem gewagten Manöver viel zu nah an die kleine Insel heran. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, fahrlässigen Herbeiführens der Havarie, vorzeitigen Verlasses des Schiffs sowie fehlender Kommunikation mit den Behörden zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

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Fast zwei Jahre lag das Schiff an besagter Stelle im Mittelmeer, bevor es im September 2013 dank eines „Schwimmreifens“ aus luftgefüllten Stahlkästen aufgerichtet werden konnte. Im Juli 2014 schleppten mehrere Riesenschlepper das Kreuzfahrtschiff die rund 350 km nach Genua, wo es später aufs Trockendock ging. Dies war die letzte Reise der Costa Concordia, bis Anfang dieses Jahres arbeiteten zeitweise bis zu 250 Facharbeiter, Techniker und Ingenieure an der Verschrottung und am Recycling. Beim Abwracken fielen Holz, Plastik, Papier und Pappe, elektronische Geräte, Isoliermaterial und natürlich Metall an. Italien garantiert nach Angaben des VDMA eine Rückführung aller Materialien und eine Recyclingquote von 80 bis 90 %. Schätzungen zufolge sollen sich die Kosten auf rund 1 Mrd. Euro belaufen, bis alles zerlegt und entsorgt ist. Dabei sollen die fast 40.000 t Stahlschrott rund 15 Mio. Euro einbringen.

Das Unglücksschiff wurde hauptsächlich mit der Technik des autogenen Brennschneidens zerlegt. Beim Abwracken eines Schiffes hat das Verfahren den Vorteil, dass es extrem flexibel ist, wie es in einer VDMA-Reportage zur Costa Concordia heißt. Man könne die Sauerstoff- und Brenngasflaschen überall leicht per Hand hintransportieren und sofort mit der Arbeit beginnen.

Stahl kann nahezu vollständig wiederverwertet werden

Die zerlegten Teile wurden nach und nach in ein Stahlwerk in der Nähe von Brescia abtransportiert. Ferdinando Garré, Chef des „Consorzio Ship Recycling“, das die Verschrottung übernommen hat, prognostiziert, dass im besten Fall 100 % des beim Bau der Costa Concordia verwendeten Stahls wiederverwertet werden können. Seit diesem Sommer, fünfeinhalb Jahre nach dem Unglück, ist die Verschrottung abgeschlossen.

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M.A. Frauke Finus

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Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com