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Bihler

Die Maschine gibt den Bihler-Teilen ihren Namen

| Autor: Stéphane Itasse

Ein oft gebrauchter Gattungsbegriff für Stanzbiegeteile ist „Bihler-Teile“. Dabei werden diese Teile gar nicht von einem Unternehmen namens Bihler hergestellt. Doch ein Mann namens Otto Bihler hatte einen erheblichen Anteil daran, dass solche Teile schnell und kostengünstig hergestellt werden können.

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Der Begriff „Bihler-Teile“ wurde im Laufe der Zeit zum Synonym für hohe Fertigungskompetenz und Qualitätsstandards.
Der Begriff „Bihler-Teile“ wurde im Laufe der Zeit zum Synonym für hohe Fertigungskompetenz und Qualitätsstandards.
( Bild: Bihler )

Vor ziemlich genau 60 Jahren, es war 1956, entwickelte Otto Bihler den weltweit ersten Stanzbiegeautomaten namens RM 25. Der revolutionäre Gedanke bei der Anlage: Die Arbeitsfläche ist in die Senkrechte geschwenkt und erlaubt die kreisförmige Anordnung mehrerer Umformaggregate um das Werkstück. Mit dieser neuartigen Maschine war es erstmals möglich, kleine industrielle Bauteile aus Draht- und Bandmaterial hochproduktiv in großen Stückzahlen und in konstant hoher Qualität zu fertigen. Auf dem Weg vom Ausgangsmaterial bis zum fertigen „Bihler-Teil“ erledigte ein Bihler-Stanzbiegeautomat all die Arbeitsschritte, für die vorher mehrere Maschinen notwendig gewesen waren.

Dabei hatte Otto Bihler erst kurz zuvor angefangen: 1953 machte sich der Flugzeugmechaniker in Füssen selbstständig und begann mit der Fertigung von Federn und dem Bau des ersten Federwindeautomaten UFA 1. Doch nachdem er den neuartigen Stanzbiegeautomaten 1957 auf der Hannover Messe und anschließend auf der Mailänder Maschinenbaumesse präsentiert hatte, fand die RM 25 großen Absatz, vor allem in Deutschland, Frankreich und im Norden Italiens. Zu dieser Zeit waren es hauptsächlich Drahtverarbeiter und Stanzereien, die mit diesem neuen Maschinentypen ihre Produktivität und Produktqualität ihrer Bihler-Teile deutlich steigern konnten. Dieser Begriff kam ebenfalls Ende der 50er-Jahre auf, wie die Otto Bihler Maschinenfabrik in Halblech auf Anfrage von blechnet erläutert.

Maschinenbauer profitiert vom neu entstandenen Gattungsbegriff

Der Maschinenbauer profitierte von diesem Zufall und konnte durch den Gattungsbegriff „Bihler-Teile“ die Bekanntheit seiner Marke in den Anfangsjahren signifikant steigern. In der Folgezeit wurde der Begriff „Bihler-Teile“ zudem zum Synonym für hohe Fertigungskompetenz und Qualitätsstandards – kein Wunder mit der damals sehr fortschrittlichen Technik der Stanzbiegeautomaten im Hintergrund. Das verlieh und verleiht der Marke Bihler und der sogenannten Bihler-Technologie einen hohen Stellenwert in unterschiedlichen Industriebranchen, wie der Maschinenbauer weiter berichtet. So ist es auch nur folgerichtig, dass das Unternehmen den Begriff „Bihler-Teile“ selbst hegt und pflegt – in seiner Kundenzeitschrift, in seiner Außendarstellung auf Messen und Kongressen sowie in Beiträgen in Fachmagazinen.

Schöne Worte genügen freilich nicht, um einen solchen Gattungsbegriff und eine Marke in der Industrie am Leben zu erhalten. Hier sind der Maschinenbauer und seine Kunden in einer engen Symbiose aufeinander angewiesen. Um beispielsweise den hohen Qualitätsanspruch der Automobil- und der Elektronikindustrie zu erfüllen, unterstützt die Otto Bihler Maschinenfabrik nach eigener Auskunft ihre Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer „Bihler-Teile“. Das beginnt bereits bei der Auslegung des Bauteils hinsichtlich der Geometrien und des verwendeten Materials. Danach erfolgt die gemeinsame Erarbeitung eines wirtschaftlichen, ressourcenschonenden Fertigungssystems. Und auch nach der Auslieferung der Maschine steht Bihler den Kunden in deren Produktion mit seinen Erfahrungen zur Seite.

Begriff Bihler-Teile entwickelt sich mit dem Fortschritt der Maschinen

Bemerkenswert ist auch, dass der Begriff „Bihler-Teile“ mit dem technischen Fortschritt mitgehalten hat. Standen im ursprünglichen Sinn die einfachen Draht- und Bandteile bei der Prägung des Begriffs im Vordergrund, umfassen die Bihler-Teile heute wesentlich mehr: Auf mechanischen und servogesteuerten Maschinen fertigen Anwender heute über die klassischen Stanzbiegeteile hinaus komplexe Stanzbiegeteile mit zusätzlichen Bearbeitungsschritten wie Gewinden, Schrauben und Schweißen bis hin zu kompletten Baugruppen mit montierten Zuführkomponenten.

Mit dem Begriff Bihler-Teile hat sich auch die Otto Bihler Maschinenfabrik weiterentwickelt. Heute ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der weltweit führende Systemlieferant in der Stanzbiege-, Schweiß- und Montagetechnik und beschäftigt insgesamt 900 Mitarbeiter. Neben dem ersten Stanzbiegeautomaten der Welt hatten auch andere Entwicklungen ihren Anteil daran. So entstand 1966 auf der Basis der Stanzbiegeautomaten RM 35 und GRM 50 das Bihler-Baukastensystem mit Schweißen und Montieren. Ein ganz anderes Werkzeug bekamen die Hersteller von Bihler-Teilen dann 1987 an die Hand: die weltweit erste Software zur Konstruktion von Stanzbiegewerkzeugen.

Im Jahr 2000 hielt dann die NC-Technik Einzug. Das erste mit elektronischen Kurvenscheiben gesteuerte CNC-Umformsystem Bimeric wurde auf der Messe Euroblech in Hannover vorgestellt. Es folgten 2004 das Umformcenter Combitec CC 1. 2006 kam die RM 40 K auf den Markt. Daneben präsentierte Bihler die Maschinen- und Prozesssteuerung VC 1 sowie die 3D-Technologie-Software bNX. Und der weltweit schnellste Servo-Stanzbiegeautomat GRM-NC im Jahr 2012 sowie das Servo-Produktionssystem Bimeric SP im Jahr 2015 zeigten die weiteren Entwicklungen für die Hersteller von Bihler-Teilen auf.

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