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Interview Fast wie neu: Retrofit vom Hersteller und es geht noch lange weiter

| Autor: M.A. Frauke Finus

Ein Retrofit von Stanzautomaten direkt vom Hersteller ist eine echte Alternative zum Neukauf. Bruderer bietet diesen Service seit letztem Jahr in Dortmund an. Achim Kuhli, Geschäftsführer Bruderer Deutschland, verrät im Gespräch mit Blechnet mehr darüber.

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Auf der Blechexpo 2015 wurde der ausgestellte retrogefittete Stanzautomat von Messebesuchern für neu gehalten.
Auf der Blechexpo 2015 wurde der ausgestellte retrogefittete Stanzautomat von Messebesuchern für neu gehalten.
(Bild: Bruderer )

Das Interview führte Blechnet-Redakteurin Frauke Finus.

Herr Kuhli, es gibt wohl keinen Stanzer, der das Schweizer Unternehmen Bruderer nicht kennt. Schon seit über 45 Jahren gibt’s in Dortmund die deutsche Außenstelle, letztes Jahr haben Sie dort modernisiert und eine neue Montagehalle gebaut. Was war die Intention?

Die Kunden haben uns aufgefordert, die Revision von älteren Bruderer-Stanzautomaten (BSTA) durchzuführen, dem Wunsch sind wir gerne nachgekommen. Auf dem Markt preisen etliche Firmen die Überholung von Bruderer-Maschinen an, aber nur wir als Hersteller können die mechanische und elektrische Komplettrevision mit Originalteilen und -qualität anbieten. Die Bruderer GmbH bietet den Kunden auch revidierte Gebrauchtmaschinen an. Daneben können die Kunden ihre eigenen Bruderer-Stanzautomaten zur Revision an uns abgeben.

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Die Halle ist bereits eingeweiht, ist dieser Reparatur- und Revisionsservice also jetzt schon verfügbar?

Natürlich, wir konnten seit der offiziellen Eröffnung im August 2015 jeden Monat eine Maschine überarbeiten und wieder an den Kunden ausliefern. In der neuen Halle können auch größere Reparaturen, zum Beispiel infolge von Maschinenüberlastungen, wirtschaftlicher und schneller durchgeführt werden als dies oft beim Kunden möglich ist.

Was genau kann denn alles retrofittet werden?

In Dortmund revidieren wir ausschließlich Bruderer-Stanzautomaten, die mechanisch überholt werden und steuerungstechnisch auf den aktuellen Stand eines neuen Bruderer-Stanzautomaten gebracht werden müssen. Zusätzlich kann im Rahmen der Revision auch der mechanische Vorschub durch einen Servovorschub ausgetauscht werden. Die heutige sehr komplexe Werkzeugtechnik erfordert immer längere Werkzeugeinbauräume, daher bieten wir bei den BSTA25H und BSTA50H eine Einbauraumverlängerung an.

Und was wird im Einzelnen ersetzt beziehungsweise erneuert?

Die Einhaltung der aktuellen CE-, UVV- und Sicherheitsvorschriften genießt bei uns oberste Priorität. Die Qualität und Funktionalität der mechanischen und elektrischen Revision der Maschine ist selbstverständlich. Wie will eine Firma die Arbeitssicherheit der Maschine gewährleisten, wenn sie nicht einmal über das Konstruktions-Know-how verfügt?

Herr Kuhli, wieso sprechen Sie von Konstruktions-Know-how? Die Maschine wird doch demontiert und wieder baugleich aufgebaut?

Das ist der große Irrtum. Zum Großteil gibt es die ehemaligen elektrischen Bauteile und zum Teil auch Maschinenelemente oder das Zubehör nicht mehr. Bruderer hat auch die Mechanik weiter entwickelt, gewisse Elemente werden nur paarweise gewechselt und haben demzufolge ganz andere Einbaurichtlinien. Zubehör, zum Beispiel von 1980, ist heute schlichtweg nicht mehr baugleich zu bekommen, also müssen an den vorhandenen Maschinenkörpern Anpassungen vorgenommen werden und zwar genau dort, wo es die Konstruktion und die Sicherheit erlaubt. Die Folge: wir verwenden die vom Bruderer-Stammhaus herausgegebenen neusten Montagerichtlinien; auch werden unsere Mitarbeiter jährlich entsprechend geschult – das ist das Drehkreuz einer wirtschaftlich sinnvollen Revision.

Geschieht das alles im Komplettpaket oder wird auf kundenindividuelle Upgrade-Wünsche eingegangen?

Zunächst bieten wir dem Kunden ein Rundum-Sorglospaket an, dies beinhaltet eine komplette Demontage der Maschine in fast alle Einzelteile. In den Gesprächen mit dem Kunden gehen wir natürlich auf die Bedürfnisse des Anwenders ein und führen auch nur kundenindividuelle Reparaturen oder Teilrevisionen durch, aber immer unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften.

Haben Sie schon die ersten Feedbacks von Kunden erhalten?

Die bisherigen Feedbacks einschließlich für den auf der Blechexpo 2015 ausgestellten revidierten und verlängerten Stanzautomaten waren alle sehr positiv. Einige Messebesucher waren sogar der Meinung, dass der ausgestellte BSTA50-95B2 eine Neumaschine sei. Ein größeres Lob kann es für die Arbeit nicht geben.

Soll dieser Service noch ausgebaut werden oder gibt es andere neue Pläne von Bruderer, über die Sie schon sprechen dürfen?

Für 2016 haben wir uns erst einmal das Ziel gesetzt, dass wir pro Monat eine Maschine revidieren. Im kommenden Jahr wollen wir durch weiter optimierte Fertigungs- und Logistikstrukturen die Kapazität steigern und so 18 Stanzautomaten überholen können. Diesen wirtschaftlichen Vorteil werden wir dann natürlich auch an den Kunden weitergeben. Es gibt auch einige weitere Denkansätze, die ich aber noch nicht verraten möchte. Alle unsere revidierten Maschinen sind Industrie-4.0-tauglich. Gerne nehmen wir auch Ideen unserer Kunden auf, denn letztendlich haben wir mit unseren Kunden nur ein gemeinsames Ziel: Möglichst viel Wertschöpfung in Deutschland zu behalten und damit die Industriearbeitsplätze im Bereich der Umformung zu sichern.

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Über den Autor

M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com