Windkrafttechnik Flügel im Wind

Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer und Frank Fladerer / Reinhold Schäfer

Der Boom der Windkraft scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein: Einschlägige Prognosen sehen eine Verdoppelung der weltweiten Neuinstallationen von 19,9 GW im Jahr 2007 auf 39,6 GW im Jahr 2010. Gerade für die deutschen Maschinenbauer eröffnet sich mit der Windkrafttechnik ein Milliarden Euro schwerer Wachstumsmarkt.

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Die Produktion läuft bei den Herstellern von Windkraftanlagen auf Hochtouren. Experten rechnen mit einer Verfünffachung der Neuinstallationen bis 2017. Bild: Nordex
Die Produktion läuft bei den Herstellern von Windkraftanlagen auf Hochtouren. Experten rechnen mit einer Verfünffachung der Neuinstallationen bis 2017. Bild: Nordex
( Archiv: Vogel Business Media )

Gute Zeiten für die Hersteller von Windkraftanlagen: „Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass die Industrie sie gar nicht befriedigen kann“, sagt Andreas Eichler, Pressesprecher von Vestas Deutschland. Lieferzeiten von 1,5 bis 2 Jahren müssen die Erbauer in Kauf nehmen, wenn sie jetzt eine Windanlage bestellen.

Windkraft boomt weiterhin

Dabei ist bereits klar, dass der Boom der Windkraft andauern wird. Für 2017 erwarten die Experten Neuinstallationen in Höhe von 107 GW im Jahr – fünfmal so viel wie 2007. „Wir sprechen für 2017 von einem jährlichen Umsatzvolumen von weit über 100 Mrd. Euro“, erklärt Thorsten Herdan, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

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Angesichts eines Weltmarktanteils von derzeit knapp 28% lässt sich erahnen, wie groß das Potenzial für die deutschen Maschinenbauer ist. Diese werden nach einer Prognose des Deutschen Windenergie Instituts (Dewi) ihre Exportquote von derzeit rund 80% in den kommenden Jahren sogar noch steigern.

Mit der Expansion wird die Bedeutung der Windkraft für den Maschinen- und Anlagenbau drastisch steigen. Schon heute sind über 80000 Menschen in der Windkrafttechnik beschäftigt. 2007 waren knapp 31000 Mitarbeiter direkt bei den Windkraft-Herstellern und weitere 54000 bei den Zulieferern beschäftigt. Alleine in Deutschland werden im Jahr 2020 nach Schätzungen mehr als 110000 Arbeitnehmer in der Windenergie arbeiten.

Windkraft-Zulieferer haben Kapazitäten stark ausgebaut

Eine besondere Rolle bei der Ausschöpfung des Wachstumspotenzials spielen die Zulieferer, ohne die sich im wahrsten Sinne des Wortes kein Rädchen dreht. Sie haben ihre Kapazitäten in den letzten Jahren spürbar ausgebaut.

Aber nicht die Masse alleine stellt die Herausforderung für die Maschinenbauer dar, sondern auch die technischen Veränderungen: Die Rotoren sind seit den Anfängen der Windkraft in den 1980er Jahren von 15 auf heute bis zu 126 m Durchmesser gewachsen. Der Grund dafür: Höhere Windtürme versprechen einen größeren Stromertrag. „Der Trend geht eindeutig zu immer größeren Anlagen und somit auch zu größeren Werkstücken“, bestätigt Thomas Ulrich, Vertriebsleiter von Union Werkzeugmaschinen.

Die Herausforderung fängt für die Maschinenhersteller bei den Spannfuttern an, die für die größeren Bauteile benötigt werden. Dort werden nach Erfahrung der Röhm GmbH schnell Größen von bis zu 5,5 m Durchmesser erreicht. Um den Anforderungen gewachsen zu sein und der stetig wachsenden Nachfrage Rechnung zu tragen, hat das Unternehmen im Zweigwerk Dillingen vor Kurzem eine neue, 1650 m2 große Fertigungshalle für zwei spezielle Portal-Dreh- und -Fräsmaschinen gebaut, die eine Komplettbearbeitung von Spannfuttern bis zu einem Durchmesser von 4 m ermöglichen.

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