Supfina / Design Tech / Nest

Industrial Design: Vom Entwurf in die Werkhalle

| Autor / Redakteur: Syra Thiel / Frauke Finus

In der Produktion des Blechverarbeiters Nest am Standort Herbrechtingen kümmern sich insgesamt 82 Mitarbeiter um die Umsetzung der Kundenaufträge.
In der Produktion des Blechverarbeiters Nest am Standort Herbrechtingen kümmern sich insgesamt 82 Mitarbeiter um die Umsetzung der Kundenaufträge. (Bild: Nest)

Industrial Design kann Werte transparent machen. Dies erhöht die Wiedererkennung. Eine Einstellung, die zunehmend auch Unternehmen im B-2-B-Bereich teilen. Doch der für den Kunden passgenaueste Entwurf ist letztlich nur so gut, wie seine konkrete Umsetzung. Designspezialist Design Tech hat mit dem Blechverarbeiter Nest GmbH aus Herbrechtingen einen Partner für die Umsetzung seiner Ideen gefunden.

Maschinen sind für Jürgen R. Schmid, Industrial Designer und Geschäftsführer von Design Tech, immer auch Markenträger und Markenbotschafter. Und zwar stärker als es Flyer oder Produktbroschüren jemals sein können. Damit bietet das Design einer Maschine Unternehmen die „großartige Chance, sich vom Wettbewerb zu differenzieren und einen hohen Wiedererkennungswert zu generieren“, so Schmid. Dabei ist für den 62-jährigen das Design jedoch nie Lückenbüßer oder Retter in der Not. Das Produkt muss durch seine Leistungsparameter überzeugen, sonst kann auch das visuell innovativste Design die Kunden nicht dauerhaft überzeugen.

Daher arbeitet Schmid mit seinem 12-köpfigen Team im Vorfeld der Designentwicklung intensiv daran, die Ziele seiner Kunden zu verstehen. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist dann ein „punktgenaues Design“, wie es Schmid nennt, dessen Firma ausschließlich für den modernen Maschinenbau arbeitet. Doch ein „passgenauer Entwurf“ ist nur die eine Seite der Medaille. Ohne eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden und den ausführenden Firmen kann der angestrebte Designcharakter der Maschine nicht umgesetzt beziehungsweise nicht effizient umgesetzt werden.

Schmid hat mit der Nest GmbH, die derzeit 82 Mitarbeiter beschäftigt, einen Blechverarbeiter gefunden, der die Konzepte seiner Designer seit mittlerweile 16 Jahren in die gewünschte Form bringt. Mehr noch, Nest ist für Design Tech ein Partner, der „sein ganzen Wissen und Können einbringt, um mit uns wirklich innovative Lösungen zu entwickeln“, so Schmid. Eine bahnbrechende Zusammenarbeit ist dem Industrial Designer dabei noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Für die Supfina Grieshaber GmbH & Co. KG entwickelte sein Team ein Design, das die hohe Präzision der Superfinish-Maschine Supfina Race unter anderem durch eine absolut glatte Außenhülle einschließlich bündig schließender Glastüren signalisiert. Ein Entwurf, der „unsere technologische Innovation voll und ganz kommuniziert“, findet auch Oliver Hildebrandt, Geschäftsführer Supfina Grieshaber, Deutschland.

Entwurf kommuniziert technologische Innovation

Ein Designmerkmal, das „unseres Wissens nach weltweit bisher noch bei keiner Bearbeitungsmaschine umgesetzt wurde“, so Schmid. Dass die Designer die Idee der gebogenen, bündig schließenden Glasscheiben ohne eine vorliegende Lösung gemeinsam mit zwei Konstrukteuren von Nest bei Supfina präsentiere, begründet der Industrial Designer mit der Erfahrung, dass Nest „absolut offen für Neues ist und wir gemeinsam bisher immer eine Antwort gefunden haben“.

Von der Präsentation des Entwurfes beim Kunden bis hin zur umgesetzten Lösung brauchte es jedoch einige Monate. Lothar Bayer, stellvertretender Konstruktionsleiter bei Nest und Entwickler der innovativen Türaufhängung für die gebogenen Scheiben, erinnert sich noch gut an das Projekt: „Auf der Rückfahrt schwirrten uns mehr Fragen als Antworten durch den Kopf“. Noch am selben Abend holte sich der 42-jährige deshalb eine Kiste Legos vom Dachboden, um mögliche Öffnungsmechaniken der Türen nachzubilden. Denn die Glastüren waren nicht nur gebogen, sie sollten auch bündig schließen. Und damit der für die Bearbeitung benötigte Kühlschmierstoff nicht austreten kann, mussten sie auch absolut dicht sein. Außerdem sollten sich grundsätzlich beide Türen des Bearbeitungsraumes elektrisch öffnen lassen. Nach intensiven „Denk- und Diskussionswochen“, wie Bayer sich ausdrückt, stand dann die Lösung. Die entwickelte Nest-Mechanik schiebt die zu öffnende Tür horizontal über eine gebogene Kulissenführung vor die zweite Tür, die aufgrund des einzuhaltenden Spaltmaßes dafür zeitgleich einige Millimeter in den Bearbeitungsraum der Maschine rückt.

Von der Konstruktion über die Fertigung und die Montage

Damit hatten unsere Konstrukteure am Ende „eine kreative High-Tech-Lösung“ in den Händen, so der Geschäftsführer von Nest, Jörg Bursian. Und zwar eine, die „unserem zielgenauen Design entspricht“, lobt Schmid. Die Entwicklung der Türaufhänger ist laut Schmid ein Beispiel, wie stark „Nest sich in die Umsetzung einbrachte“. Da die Firma von der Konstruktion über die Fertigung der Blechverkleidungen und die Lackierung auch die Montage aus einer Hand anbietet, ist Nest neben dem hohen Konstruktions-Know-how auch aus einem weiteren Punkt für Design Tech ein wichtiger Partner, „sie verstehen wirklich, was punktgenaues Design ist“. Um das zu verdeutlichen, verweist der Industriedesigner auf die Empfehlung von Nest-Konstruktionsleiter Fabrizio Schönholz, die beim Prototypen umgesetzten Glasscheiben in der Serie durch leichtere und günstigere Kunststoffgläser zu ersetzen. Eine Entscheidung, die „dem angestrebten Designcharakter nicht widerspricht“, findet Schmid.

Die Zusammenarbeit mit Design Tech und Nest ist deshalb laut Hildebrandt auch für Supfina ein Glücksgriff. „Alle am Projekt Beteiligten waren mutig, offen und hatten unsere Ziele im Blick – so konnten wir diese bemerkenswerte Designlösung umsetzen.“ Eine, die bei ihrer Vorstellung auf der EMO in Hannover für sehr viel Aufmerksamkeit sorgte. Das Design war so innovativ, erinnert sich Bursian, dass die Fachbesucher in großen Gruppen zusammenstanden, um mehr über diese neue Maschinengeneration zu erfahren.

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