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Flexilble Blechbearbeitung Langjähriges Know-how für Stahlverarbeitung à la carte

| Autor / Redakteur: Nikolaus Fecht / Annedore Munde

In jeder Hinsicht zählt die Kirow Leipzig AG zu den Mobilmachern Deutschlands: Das Unternehmen, Weltmarktführer für Eisenbahnkrane und Lieferant der weltweit größten Schwerlasttransporter, setzt auf eine sehr individuelle Stahlverarbeitung. Blechnet beleuchtet die Rezepte der Sachsen, die ihr über 120 Jahre erworbenes Know-how im Bereich Stahlverarbeitung auch zur Lohnfertigung nutzen.

Die Kanten-Qualität steht im Fokus: Es darf nicht vorkommen, dass Brennkerben beim Aufschweißen noch weiter ins Material hineinlaufen. Bild: Fecht
Die Kanten-Qualität steht im Fokus: Es darf nicht vorkommen, dass Brennkerben beim Aufschweißen noch weiter ins Material hineinlaufen. Bild: Fecht
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Homepage bringt das Produktprogramm auf den Punkt. Heavy Duty Specialist Kocks, Kirow und KE, die drei Firmen der Kirow-Gruppe, haben sich auf das Bewegen schwerer Lasten unter harten Einsatzbedingungen bei Eisenbahnen, Häfen, Werften, in der Bauindustrie und für Stahlwerke spezialisiert. Dieses Know-how nutzen die Sachsen auch für die Lohnfertigung, bei der sie außer der Blechbe- und -verarbeitung und dem Stahlbau auch das Strahlen und den Korrosionsschutz übernehmen. Die verarbeiteten Werkstoffmengen können sich sehen lassen. „Wir haben in den letzten zwei Jahren einen enor-men Auftragsboom erlebt. Im Jahr 2006 wurden rund 2500 t Stahl verbaut“, so Dipl.-Ing. Hartmut Seifert, Produktmanager für Transportsysteme. Die Sachsen ließen davon etwa die Hälfte extern verarbeiten. Die Eisenbahnkrane erhalten fast ausschließlich hochfeste Stahlsorten, weil sie – unter anderem wegen der beengten Einsatzart unter Oberleitungen und wegen des erforderlichen Leichtbaus – hohe Festigkeit auf geringem Raum aufweisen müssen: Es handelt sich fast ausschließlich um Feinkornstähle in der Qualität S 460, S 690, S 890 und S 960.

Oft sind auch Spezialstähle gefragt. So lieferte Kirow beispielsweise vier Eisenbahnkrane nach China zur höchstgelegenen Eisenbahntrasse der Welt (bis zu 5200 m Höhe). Wegen der Tiefsttemperaturen von bis zu -45 °C kommt ein Feinkornstahl mit hoher Kerbschlagzähigkeit zum Einsatz. Der Werkstoff mit der Qualität QL 1 lässt sich bis zu einer Temperatur von -60 °C einsetzen. Die übrigen Fahrzeuge, wie zum Beispiel die Schwerlasttransporter, entstehen aus dem kostengünstigeren Stahl S 355J2G3 (der frühere ST 52/3). Aluminium wird bei der Umhausung verwendet. Das Schneiden der dicken Bleche geschieht dabei extern, das Schweißen intern.

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Wie geht Kirow bei der Beschaffung der ständig teureren und knappen Stahlwerkstoffe vor? Schweißfachingenieur Dipl.-Ing. Tim Alshut von Kirow Leipzig: „Hier ist der Zuschnittbetrieb gefordert. Engpässe treten manchmal bei hochfesten Stählen gro-ßer Dicke auf.“ Um dem vorzubeugen, ordert Kirow die sehr dicken Bleche aus Feinkornstählen meist frühzeitig beim Zuschnittbetrieb. Das geschieht manchmal sogar vor der Konstruktion eines Krans.

Weil die Sachsen nicht mehr wie früher, als sie noch selbst das Zuschneiden übernahmen, über große Stahllager verfügen, müssen sie mit den Zulieferern eng zusammenarbeiten. „Wir geben ihnen rechtzeitig Warnsignale, wenn ein großer Auftrag mit einer Lieferzeit von acht bis zwölf Monaten ansteht. Der Stahlbau ist selten der Flaschenhals“, so Produktmanager Seifert.

Qualität der Zukaufteile besonders wichtig

Die Qualität der Zukaufteile ist für das Unternehmen besonders wichtig. „Wir legen bei den Blechen Wert darauf, dass die Vorgaben der EN ISO 9013 entsprechend der Qualität 332 erfüllt werden“, erklärt Schweißfachingenieur Alshut. Bei dieser Norm geht es unter anderem um die Rechtwinkligkeit, die Rauigkeit und die Toleranz der Kanten. Für Kirow ist die Kantenqualität sehr wichtig. So dürfe es nicht vorkommen, dass Brennkerben überschweißt werden. „Es ist in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass wir Bleche wieder an den Brennschnittbetrieb zurücksandten, damit er die Brennkerben ausarbeitet“, berichtet Alshut weiter. „Bei Feinkornstählen der Qualität S 960, bei denen die Externen nicht über die nötige Zulassung verfügen, übernehmen wir die Schweißarbeiten.“ Kirow schleift Brennkerben aus und macht Auftragsschweißungen, um mögliche Anrisse zu vermeiden. Vor allem bei sehr flachen Brennschnitten an Übergängen der Wandstärke von zum Beispiel 140 auf 50 mm Nahtdicke treten immer mal Kerben auf.

Schweißen mit Massivdraht unter Schutzgas

Kirow schweißt überwiegend mit Massivdraht unter Schutzgas. „Nur bei schlecht zugänglichen Stellen arbeiten wir per Hand mit der Elektrode.“ Wegen der enorm hohen dynamischen Belastungen bei den Einsätzen der Krane oder Schwerlasttransporter muss die Nahtqualität stimmen. „Wenn wir nicht auf die Kerben achten, sind die Vorteile des hochfesten Stahls schnell passé“, meint Alshut.

Um den besonderen Anforderungen beim Verarbeiten der hochfesten Stähle zu entsprechen, wird sehr auf die Wärmebehandlung geachtet. Die bis zu 15 m langen Bauteile werden mit Gaslanzen und Heizmatten auf etwa 100 °C hochgeheizt. Damit wird das Einhalten der Vorwärmtemperatur bis 150 °C an der Schweißstelle gewährleistet. Bei großen Wandstärken wandert sonst die Wärme zu schnell ab. „Hinzu kommt das Nachwärmen mit 200 bis 220 °C.“ Dabei kommt es den Leipzigern nicht darauf an, das gesamte Bauteil zu erwärmen, nur die einzelnen Nähte nochmals zusätzlich vier Stunden.

Bei der Kontrolle der Schweißqualität werden keine Anlagen verwendet, die die Parameter automatisch erfassen. In Leipzig gehen Fachleute durch die Hallen und notieren die Kennwerte der einzelnen Schweißungen. Alshut: „Wir haben drei Schichtführer, die alle drei Schichten betreuen.“ Wegen der geringen Stückzahlen und der stark variierenden Schweißvorgänge kommt Automatisierung meist nicht in Frage. Alshut: „Seltene Schweißarbeiten, etwa an sehr langen Längsträgern, vergeben wir in der Regel nach außen.“

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