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Oberflächentechnik

Neuartige Blechverzinkung bringt Automobillack auf Hochglanz

| Autor/ Redakteur: Wolfgang Kessler / Stéphane Itasse

Automobiles Design spricht für sich selbst. Denn wenn das neueste Objekt der Begierde verlockend im Schauraum glänzt, braucht es mitunter nicht mehr viel Überzeugungsarbeit. Erstklassige Lackergebnisse sind damit für die Autohersteller und -händler von essenzieller Bedeutung. Das Geheimnis einer guten Lackierung ist allerdings vielschichtig.

Mit bloßem Auge zu sehen: Auf dem rechten Kotflügel aus Primetex spiegelt sich der Lichtstreifen klar wider, beim Standardkotflügel links ist das Spiegelbild unruhig.
Mit bloßem Auge zu sehen: Auf dem rechten Kotflügel aus Primetex spiegelt sich der Lichtstreifen klar wider, beim Standardkotflügel links ist das Spiegelbild unruhig.
( Bild: Thyssen-Krupp Steel Europe )

Der Erfolg beim Lackieren liegt tiefer als das, was das bloße Auge sieht. „Es beginnt im Untergrund bei der Beschaffenheit des Trägermaterials.“ Dr. Jörg Lewandowski von Thyssen-Krupp Steel Europe weiß, wovon er spricht. Als Verantwortlicher für die Produkteinführung im Vertrieb Auto blickt er auf inzwischen sieben Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit zurück. Das Ergebnis ist jetzt marktreif: Neue, antikorrosiv verzinkte Bleche stehen unter den Markennamen Primetex und Elotex zur Verfügung, also sowohl als feuerverzinkte wie auch elektrolytisch beschichtete Varianten.

Am Anfang dieser Entwicklung stand ein schon fast klassischer Zielkonflikt der automobilen Produktion: Der Lackierer wünscht sich einen Untergrund so glatt wie einen Spiegel. Für die Umformung der Bleche dagegen wäre perfekte Glätte ein Problem. In den Presswerkzeugen nämlich sorgt die Mindestrauheit der Oberflächen dafür, dass Öl auf dem Material haften bleiben kann. Das ist unverzichtbar, denn sonst würden sich Prozessstörungen häufen. Werkstück und Werkzeug neigen nämlich dazu, miteinander zu verschmelzen. Dr. Lewandowski: „Unsere Herausforderung war, den optimalen Schnittpunkt zwischen beiden Anforderungen zu treffen.“

Blech mit steileren Flanken in der Topografie hergestellt

Für die Aufgabe zeichnet Karl-Heinz Kopplin aus der Umformtechnik bei Thyssen-Krupp Steel Europe ein anschauliches Bild: „Unsere Arbeit kreist um Fragen der Topografie. Es verhält sich etwa so wie bei einer Landschaft. Schaut man sich ein Blech unter dem Mikroskop an, ähnelte es bislang eher einem Mittelgebirge mit recht unregelmäßigem Höhenprofil. Wir haben es jetzt geschafft, Oberflächen mit flachen Hochplateaus und glatten Talböden zu gestalten – an den Rändern jeweils mit steilen Flanken.“

Damit sind die Voraussetzungen für ein verzerrungsfreies Spiegeln und eine gute Umformung gegeben. Wobei der steile Übergang vom Berg zum Tal für Schmierflächen sorgt, die sich im Presswerkzeug konstant verhalten. „Die Entwicklung von Primetex beziehungsweise Elotex begann mit den Kinderschuhen“, erinnert er sich. „Wie definiert man beispielsweise eine spiegelnde, verzerrungsfreie Oberfläche als Qualitätsmerkmal?“

Dressieren erweist sich als Schlüssel zur praktischen Umsetzung

Der Schlüssel zur praktischen Umsetzung ist das Dressieren: Während des Verzinkungsprozesses wird das durchlaufende Blech mit hochpräzisen Walzen feinbearbeitet. Dieser Prozessschritt hat es in sich: Friedhelm Macherey aus der Oberflächenoptimierung: „Unsere neuen Walzen schaffen es, eine sehr feine, gleichmäßige Textur in die Zinkoberfläche zu prägen und zugleich die wellenförmigen Schwankungen der Rauheit in der Substruktur zu harmonisieren. Ergebnis ist ein definiertes Rauhigkeitsprofil mit hoher Spitzenzahl und niedrigem Langwelligkeitswert.“

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